Bayerischer Ärztetag behandelt wichtige Hausarzt-Themen

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Die Forderung nach einer Corona-Prämie für MFAs, das Vorhalten von Testkapazitäten für symptomatische Patienten und ein klares Verbot von Pseudo-Attesten für die Befreiung von Mund-Nasen-Geboten waren aus hausärztlicher Sicht die wichtigsten Themen des 79. Bayerischen Ärztetages, der sich am Samstag (10.10.2020) zu einer eintägigen Arbeitstagung in München getroffen hatte.

Anfang April hatte Ministerpräsident Markus Söder den Pflegekräften in Bayern einen Bonus in Höhe von 500 Euro für die besonderen Verdienste während der Corona-Pandemie versprochen. Diese Anerkennung wurde aber nur Pflegekräften in Krankenhäusern, Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie Mitarbeitern im Notfall- und Rettungsdienst zu teil. „Es ist nicht nachzuvollziehen, dass unsere MFAs und VERAHs diese Anerkennung nicht erhalten. Unsere Praxis-Mitarbeiterinnen versorgen täglich Corona-Patienten und sind einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt“, empört sich Dr. Hans-Erich Singer. Der Delegierte des Bayerischen Ärztetages und Bezirksvorsitzende Mittelfranken des Bayerischen Hausärzteverbandes kann diese Kritik auch mit Zahlen untermauern: „Sechs von sieben Coronapatienten werden ambulant versorgt. Damit halten wir Hausärztinnen und Hausärzte mit unseren Praxisteams den Krankenhäusern den Rücken für die schwer erkrankten Fälle frei.“

Bayerischer Ärztetag will Corona-Prämie für MFA

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Nach dem Bayerischen Hausärzteverband hat deshalb jetzt auch der Bayerische Ärztetag einen deutlichen Beschluss Richtung Bayerische Staatsregierung gefasst. Darin wird die Politik aufgefordert, „für die Medizinischen Fachangestellten, die seit Ausbruch der Corona-Pandemie bis heute in vorderster Reihe der Versorgung stehen, in Analogie zu den Pflegekräften im Krankenhaus eine Prämie aus Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen bzw. aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung zu stellen“.

Ein weiterer Diskussionspunkt auf dem Bayerischen Ärztetag war die bayerische Test-Strategie, die es jedem Bürger ermöglicht, sich jederzeit kostenlos testen zu lassen. Die Delegierten kritisierten zwar nicht die Gratis-Tests an sich, forderten aber sicherzustellen, dass es weiterhin genügend Testkapazitäten für symptomatische Patienten oder für Reihentestungen zum Schutz von besonderen Gruppen wie in Alten- und Pflegeheimen gibt.

„Um neben den fortwirkenden Herausforderungen der Pandemie auch auf die bevorstehende Erkältungs- und Grippewelle gezielt reagieren zu können, haben wir als Bayerischer Ärztetag die Bayerische Staatsregierung aufgerufen, weiterhin ausreichend Testkapazitäten und Schutzmaterialien vorzuhalten“, berichtet Dr. Singer und ergänzt: „Gleichzeitig fordern wir von der Staatsregierung eine zweckmäßige, indikationsbasierte und zielgerichtete Teststrategie, um die Ressourcen und Kapazitäten weiterhin sinnvoll einsetzen zu können.“ Dazu gehöre unabdingbar, da waren sich die Delegierten einig, auch eine gesicherte und adäquate Finanzierung, einschließlich der ärztlichen Leistungen.

Delegierten fordern zu einem sorgfältigen und abwägenden Vorgehen bei Attesten zur Mund-Nasen-Bedeckung auf

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Bereits im Vorfeld des Bayerischen Ärztetages hatte Dr. Gerald Quitterer als Präsident der Bayerischen Ärztekammer ein Thema auf die Agenda gesetzt, dass ihn besonders umtreibt: Pseudo-Atteste, mit denen sich Bürger von der Pflicht, einen Masken-Nasenschutz tragen zu müssen, befreien können. „Wer ohne die notwendige Sorgfalt oder gar nur aus Gefälligkeit ein Attest ausstellt, verstößt nicht nur gegen die Berufsordnung, sondern macht sich unter Umständen auch strafbar – mit allen Konsequenzen“, hatte Dr. Quitterer bereits auf der Pressekonferenz im Vorfeld des Bayerischen Ärztetages klargestellt. Die Delegierten unterstrichen diese Mahnung und stellten fest: „Mit Attesten, die von Ärzten zum Download aus dem Internet angeboten werden, ohne sich mit einem zugrundeliegenden Beschwerdebild auseinandergesetzt zu haben, wird diesem Sorgfaltsgebot nicht Genüge getan.“ Die Delegierten forderten daraufhin die Ärztinnen und Ärzte in Bayern zu einem sorgfältigen und abwägenden Vorgehen bei Attesten zur Mund-Nasen-Bedeckung auf.

Ärzte ohne Kassenzulassung müssen sich am Bereitschaftsdienst beteiligen

Ebenfalls auf der Agenda stand die Änderung des §26 der Berufsordnung für die Ärzte in Bayern, wonach auch Ärzte ohne Kassenzulassung sich am Bereitschaftsdienst beteiligen und diesen mitfinanzieren müssen. Die konkrete Ausgestaltung der Verpflichtungen regelt der Vorstand der Kammer in einer Vereinbarung mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns.“ „Der Bereitschaftsdienst versorgt nicht nur Kassenpatienten, sondern auch Privatversicherte. Insofern ist es ein Akt der Gerechtigkeit, dass alle Ärzte, auch die, die ausschließlich Privatpatienten behandeln, sich an diesem Dienst beteiligen“, erklärt Dr. Singer.

Als Akt der Menschlichkeit bittet der Bayerische Ärztetage die Staatsregierung, bis auf Weiteres keine Patienten nach Afghanistan abzuschieben, da dort Rückkehrer praktisch keinerlei Schutz und keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben sowie um Leib und Leben fürchten müssten. Eine Abschiebung von Patienten nach Afghanistan komme derzeit einem Todesurteil gleich und müsse deshalb unterbleiben, so die Delegierten.