Tag der Hausarztmedizin 2018

Rund um den Tag der Hausarztmedizin am 7. Mai luden auch in diesem Jahr Hausärztinnen und Hausärzte Politiker aus ganz Bayern zum Besuch in ihre Hausarztpraxen ein.

Landtagsabgeordneter Prof. Dr. Peter Bauer (Freie Wähler): "Ich möchte aus erster Hand wissen, wo der Schuh drückt"

2018 05 Prof. Bauer Dr. BüttnerZum Vergrößern bitte klicken.

Prof. Dr. Peter Bauer, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler und Mitglied im Gesundheitsausschuss, hat im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin die Praxis von Dr. Jürgen Büttner in Roth besucht, der sich als Schatzmeister und Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes seit Jahrzehnten berufspolitisch engagiert.

Dr. Jürgen Büttner: „Wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Prof. Bauer ist in Franken daheim und weiß aus seiner Arbeit als Landtagsabgeordneter, wie entscheidend für die Bürgerinnen und Bürger es ist, die flächendeckenden hausarztzentrierte Versorgung in Stadt und Land nachhaltig für die Zukunft zu erhalten.“

Prof. Bauer: „Als Gesundheitspolitiker trete ich dafür ein, allen Menschen eine wohnortnahe medizinische Versorgung auf hohem Niveau zu sichern. Der Hausarzt als ,Lotse’ im Gesundheitswesen hat sich bewährt und ist unverzichtbar. Deshalb habe ich wie im Vorjahr die Chance genutzt, um im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin eine Hausarztpraxis zu besuchen und direkt vor Ort mit dem Hausarzt zu sprechen. Ich möchte aus erster Hand wissen, wo der Schuh drückt “

Dr. Büttner erläuterte Prof. Bauer, wie wichtig die Hausarztverträge insbesondere bei der Nachwuchsgewinnung sind: „Gerade junge Medizinerinnen und Mediziner brauchen eine wirtschaftlich sinnvoll Perspektive, um sich niederzulassen. Wir müssen die Hausarztverträge weiterentwickeln und zum Beispiel ein Bonussystem für Versicherte einführen, die sich in die HzV einschreiben.“ Dieser Vorschlag fiel bei Prof. Bauer auf durchaus fruchtbaren Boden. „Die hausarztzentrierte Versorgung ist ein wichtiger Bestandteil in unserem Gesundheitssystem und sollte weiter gestärkt werden. Unter Beibehaltung der freien Arztwahl kann es deshalb zielführend sein, Patienten, die sich freiwillig in die HzV einschreiben, einen Bonus zu gewähren.“

2018 05 Praxisbesuch Dr. Büttner Prof. BauerZum Vergrößern bitte klicken.

Einig waren sich Prof. Bauer und Dr. Büttner auch in der Forderung nach mehr Studienplätzen sowie nach Lehrstühlen für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten. Prof. Bauer: „Auch in Augsburg und in Regensburg müssen Lehrstühle für Allgemeinmedizin schnellstmöglich eingerichtet werden. Wir brauchen in einer immer älter werdenden Gesellschaft mehr Hausärztinnen und Hausärzte.“

In diesem Zusammenhang warnte Dr. Büttner eindringlich vor Ideen in der Politik, medizinische Aufgaben an Nicht-Ärzte außerhalb der Praxen zu delegieren, um so den Hausarztmangel vermeintlich zu lindern. Dr. Büttner: „Die Zeche würden am Ende unsere Patientinnen und Patienten zahlen. Mit unseren VERAHs, den speziell weitergebildeten Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis, haben wir eine weitaus bessere Lösung, da VERAH und Hausarzt eng zusammenarbeiten und beide die Patienten kennen. Das VERAH-Modell hat sich längst bewährt.“

Fazit von Prof. Bauer: „Der Praxisbesuch und das offene Gespräch mit Dr. Büttner haben mir wieder deutlich gemacht, wie wichtig die hausärztliche Versorgung für alle Menschen ist und dass es
noch viel zu tun gibt, um die Probleme der Unterversorgung in bestimmten Gebieten Bayerns und die Nachfolge von Hausärzten zu lösen.“

Landtagsabgeordneter Bernhard Seindenath (CSU): "„Wir müssen deshalb bewusst das Thema Hausarzt als Schwerpunkt setzen“

Grassl Seidenath RitterZum Vergrößern bitte klicken.

„Eine überall im Land ausreichende medizinische Versorgung dauerhaft sicherzustellen, ist eines der drängendsten politischen Themen, die wir in Bayern haben. Wir müssen deshalb bewusst das Thema Hausarzt als Schwerpunkt setzen“, sagt Bernhard Seidenath. Der Landtagsabgeordnete der CSU ist unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag und
Mitglied des Landesgesundheitsrates. Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin besuchte der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Dachau die Gemeinschaftspraxis Dr. Grassl in München, um mit Dr. Christoph Grassl und Dr. Wolfgang Ritter über die aktuellen Herausforderungen in der Gesundheitspolitik zu sprechen.

Schnell einig waren sich die drei Gesprächspartner in der Forderung nach mehr Medizin-Studienplätzen. Seidenath: „Wir haben derzeit knapp 13.000 Medizinstudienplätze in Deutschland. Allein in der neuen Medizinfakultät an der Universität Augsburg werden ab 2019 binnen sechs Jahren 1500 neue Studienplätze entstehen. Bayern kann aber nicht für ganz Deutschland Mediziner ausbilden, deshalb brauchen wirbundesweit mehr Medizinstudienplätze – und für Bayern die Landarztquote, um jenen jungen Menschen bevorzugt einen Medizinstudienplatz zu geben, die sich später auch bei uns auf dem Land niederlassen wollen.“

Dr. Grassl und Dr. Ritter berichteten, dass sich die Anstrengungen der vergangenen Jahre, junge Menschen für den Hausarztberuf zu begeistern, mittlerweile positiv auswirken. „Wir haben die Talsohle durchschritten. Es gibt wieder ein verstärktes Interesse, Hausarzt zu werden, da sich viel getan hat. Die Hausarztverträge bieten gerade jungen Medizinern eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive sich niederzulassen, und nicht zuletzt die Reform des Bereitschaftsdienstes hat dazu geführt, dass der Beruf des Hausarztes familienfreundlicher geworden ist.“

Gleichzeitig warnten die beiden Hausärzte aber davor, dieses zarte Pflänzchen durch einen falschen politischen Aktionismus wieder kaputt zu machen.
„Wir Hausärztinnen und Hausärzte brauchen keinen Physician Assistant und keinen Facharzt für Geriatrie, weil damit die wachsende Attraktivität des Hausarztberufes auf einen Schlag zunichte gemacht werden würde. Und wir
brauchen auch keine externen Anbieter für Routine-Hausbesuche. Wegen der Abstimmungsprobleme würde dies nur auf Kosten unser Patienten gehen. Gerade in diesem Bereich sind wir über unsere VERAHS, die Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis, bestens aufgestellt.“

 

CSU-Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler zu Gast bei Dr. Jürgen Büttner

 

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Sie kam um zuzuhören: Marlene Mortler, CSU-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Roth/Nürnberger Land und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, besuchte im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin die Praxis von Dr. Jürgen Büttner in Roth. „Ich habe im Gespräch mit Frau Mortler unter anderem deutlich gemacht, dass die im Koalitionsvertrag niedergeschriebene Ausweitung der Sprechstundenzeiten von 20 auf 25 Stunden pro Woche eine Bumerang wird. Die Sprechstundenzeiten sind nur ein Teil unserer Arbeitszeit und eine Ausweitung würde unter anderem dazu führen, dass wir weniger Hausbesuche machen können. Auch wäre dies ein negatives Signal an junge Mediziner, sich als Facharzt für Allgemeinmedizin niederzulassen“, so Dr. Büttner, der auch Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes ist.

Dr. Büttner weiter: „Auch Terminvergabestellen für Haus- und Kinderärzte, wie es im Koalitionsvertrag heißt, sind unnötig und kontraproduktiv. Jeder Patient weiß, dass er bei einer akuten Erkrankung keinen Termin braucht und einfach zu uns in die Praxis kommen kann.“

Sehr erfolgreich, so Dr. Büttner, entwickle sich die Delegation medizinischer Aufgaben an die speziell weitergebildeten Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis. Rund zweitausend VERAHs sind mittlerweile in Bayern im Einsatz. „Die VERAH gehört zum Team der Hausarztpraxis und übernimmt für den Hausarzt unter anderem Routine-Hausbesuche. Sie kennt die Patienten und die Patienten kennen sie. Eine Delegation an externe Anbieter würde nur zu Abstimmungsproblemen und höheren Kosten führen und wäre auch kontraproduktiv für die Patienten“, erklärt Dr. Büttner.

Weitere Themen des Praxisbesuches waren Bonusanreize für Patienten, die sich in einen Hausarztvertrag (HzV) einschreiben, die schnelle und konsequente Umsetzung des Masterplans 2020, um junge Medizinstudierende für die Allgemeinmedizin zu begeistern sowie die schnelle Einrichtung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin auch an den Universitäten in Augsburg und Regensburg.

Nach dem Praxisbesuch zeigte Dr. Büttner der Bundestagsabgeordnete vor Ort im Altenheim Hans-Roser-Haus Roth, welche – eigentlich vermeidbaren – Probleme es in der täglichen Arbeit gibt: „Für jeden Patienten erstelle ich den Medikationsplan digital. Da die Computerprogramme im ambulanten und stationären Bereich nicht kompatibel sind, muss der Medikationsplan von einer Mitarbeiterin abgeschrieben und in das andere System überführt werden. Das ist eine Fehlerquelle, die wir unbedingt schließen sollten“, warnt Dr. Büttner.

Die Bundestagsabgeordnete versprach, auch dieses Thema mit nach Berlin zu nehmen, und zog anschließend ein positives Fazit ihres Praxisbesuchs.

Marlene Mortler: „Die Hausärztinnen und Hausärzte sowie deren Mitarbeiterinnen leisten Tag für Tag hervorragende Arbeit. Gerade in ländlichen Räumen und für ältere Patienten ist es unentbehrlich, eine Hausarztpraxis in der Nähe zu haben. Ich werde mich deshalb weiterhin mit großem Engagement für die flächendeckende hausärztliche Versorgung in Stadt und Land einsetzen. Der Bund und der Freistaat Bayern haben hier bereits wichtige Weichen gestellt, wie zum Beispiel die gesetzlich verankerte Sicherung der Hausarztverträge im Fünften Sozialgesetzbuch. Angesichts des demografischen Wandels dürften wir allerdings in unseren Bemühungen nicht nachlassen. Wir brauchen mehr Medizin-Studienplätze und mehr Medizinstudierende, die Hausarzt werden wollen.“

 

Landtagsabgeordneter Dr. Karl Vetter (Freie Wähler): "Wir brauchen in Bayern mehr Medizin-Studienplätze"

MdL Dr. Karl VetterZum Vergrößern bitte klicken.

Dr. Karl Vetter, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler und Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Pflege, besuchte anlässlich des Tages der Hausarztmedizin die Hausarztpraxis von Annette Pazdernik in Roding im Landkreis Cham. Ein wichtiges Gesprächsthema: Der Nachwuchsmangel bei den Hausärzten, insbesondere auf dem Land.

Annette Pazdernik: „In der Oberpfalz wird es für die Kollegen immer schwieriger einen geeigneten Nachfolger zu finden. In Roding haben wir zwar auf dem Papier einen Versorgungsgrad von 110 Prozent, aber diese Zahl trügt. Über 40 Prozent der Hausärzte in Roding sind über 60 Jahre alt und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Wir stehen also vor der großen Herausausforderung, die hausärztliche Versorgung nachhaltig sicherzustellen.“

Dr. Karl Vetter: „Wir brauchen in Bayern mehr Medizin-Studienplätze, um Nachfolger für die Praxen zu haben. Und wir müssen die ländlichen Regionen gezielt stärkt, damit das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land nicht noch größer wird.“ Wichtig sei es außerdem, so der Landtagsabgeordnete, die Allgemeinmedizin bereits im Studium zu stärken. Dr. Vetter: „Gerade in der Oberpfalz werden Hausärzte händeringend gesucht. Deshalb ist es dringend geboten, dass auch die Universi-tät Regensburg den anderen Hochschulen in Bayern folgt und einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin einrichtet.“

Bei dem Praxisbesuch war auch Pazderniks Kollege Dr. Andreas Korschofsky anwesend, der als Allgemeinarzt in Arnschwang niedergelassen ist. Die beiden Ärzte berichteten Dr. Vetter auch von der aktuellen Bereitschaftsdienstreform, die in ihrem Bereich positiv verlaufe. Annette Pazdernik: „Die Dienstbelastung hat sich deutlich verringert – was ein weiteres Argument für junge Mediziner ist, sich auf dem Land als Hausärztin oder Hausarzt niederzulassen.“

 

 

MdL Ruth Waldmann (SPD) auf Praxisbesuch bei Dr. Wolfgang Ritter in München: "Hausärztemangel nicht nur auf dem Land!“

MdL Ruth Waldmann Dr. Wolfgang RitterZum Vergrößern bitte klicken.

Der drohende Hausarztmangel auf dem Land ist mittlerweile Top-Thema in der Politik. Doch auch in der Stadt fehlen Hausärzte. So seien die nördlichen Stadtteile von München untersorgt, stellte die SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann fest: „Fahren Sie mal als Mutter mit einem fiebrigen Kind eine halbe Stunde mit der U-Bahn in die Stadt, um die nächste Praxis zu erreichen. Oder als alter Mensch, dessen Mobilität mittlerweile eingeschränkt ist.“

Dr. Ritter ist kooptiertes Mitglied im Landesvorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes und Delegierter des Bezirks München. Sein Fazit nach dem Gespräch mit der Gesundheitspolitikerin: „Wir sind uns einig, dass wir mehr Medizin-Studierende brauchen, die sich später als Facharzt für Allgemeinmedizin niederlassen. Wir sind hier auf einem guten Weg und spüren ein stärkeres Interesse unter den Studierenden am Hausarztberuf. Doch das braucht Zeit. Die Politik sollte jetzt nicht auf vermeintlich schnelle Lösungen setzen. Wir Hausärztinnen und Hausärzte brauchen keinen Physician Assistant und keinen Facharzt für Geriatrie. Wir brauchen auch keine externen Anbieter für Routine-Hausbesuche, da wir diesen Bereich bereits hervorragend über unsere VERAHS, die Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis, abdecken.“

Auf offene Ohren stieß Dr. Ritter bei der Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann auch mit der Forderung nach alternativen Zugangsregeln zum Medizin-Studium anstelle des Numerus Clausus und nach der sofortigen Einrichtung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin auch an den Universitäten in Augsburg und Regensburg. „Wir müssen die Allgemeinmedizin frühzeitig im Studium verankern. Nur so können wir Studierende für eine spätere Karriere als Fachärztin oder Facharzt für Allge-meinmedizin begeistern“, erklärt Dr. Ritter.

Wichtig sei es auch, die Hausarztverträge weiterzuentwickeln, so Dr. Ritter: „Wir brauchen ein Bonussystem für Patienten, die sich freiwillig in einen Hausarztvertrag einschreiben. Gerade in Mün-chen erleben wir, dass Versicherte völlig ungesteuert von einem Facharzt zum anderen pilgern. Das ist nicht nur teuer, sondern bringt auch nicht immer den erwünschten Erfolg. 80 Prozent alle Fälle lösen wir Hausärztinnen und Hausärzte selbst. 20 Prozent der Patienten schicken wir zum richtigen Facharzt und koordinieren, weil es sich meist um multimorbide Patienten handelt, die gesamte Behandlung. Dabei haben wir immer den ganzen Menschen im Blick.“

Ruth Waldmann: „Bei den vielen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürger erlebe ich täglich, wie wichtig eine gute medizinische Versorgung für die Menschen ist. Vom drohenden Hausarzt-mangel sind allerdings nicht nur die ländlichen Regionen betroffen, sondern auch innerhalb großer Städte wie München, Nürnberg oder Augsburg gibt es Stadtviertel mit akutem Mangel an Hausärz-ten. Hier herrscht eine sehr ungleiche Verteilung. Auch hier muss die Politik handeln. Generell wird es keine einfachen oder schnellen Lösungen geben. Wir brauchen einen langen Atem – auch das nehme ich aus meinem Besuch in der Hausarztpraxis für meine politische Arbeit mit.“

CSU-Landtagsabgeordnete Carolina Trauter: "Wir brauchen schnellstmöglich einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin!"

MdL Carolina Trauter2Zum Vergrößern bitte klicken.

Mit dem Start des Lehrbetriebes an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg im Wintersemester 2019/2020 brauchen wir schnellstmöglich einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin“, stellt Carolina Trautner, Staatssekretärin im Bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus, klar und unterstützt damit eine wichtige Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes. Die CSU-Landtagsabgeordnete aus Augsburg besuchte im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin die Gemeinschaftspraxis von Maria Stich und Stefanie Berger in Thierhaupten im Landkreis Augsburg.

In der Fugger-Stadt wird ein Modellstudiengang implementiert, der das übliche Vorklinikum, also die natur- und sozialwissenschaftliche Ausbildung in den ersten Semestern, mit der medizinischen Ausbildung verknüpft, um frühestmöglich Kompetenzen im Umgang mit Patienten aufzubauen.

„Gerade dieser innovative Modellstudiengang verlangt die frühe Einbindung der Allgemeinmedizin. Ich werde deshalb auf die neue Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Marion Kiechle zugehen. Wir brauchen möglichst gleich zum Start des Lehrbetriebs einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, um den Medizin-Studierenden zu zeigen, dass es eine gute Entscheidung sein kann, sich später als Hausarzt niederzulassen. Am besten natürlich in der Region Augsburg“, so Carolina Trautner, die auch Mitglied im Kuratorium der Hochschule Augsburg ist.

Vor ihrer politischen Karriere hatte Carolina Trautner in Würzburg Pharmazie studiert und später als Apothekerin gearbeitet. Seit 1988 ist sie mit dem Internisten Dr. Hans Trautner verheiratet.

MdL Carolina Trauter Maria Stich Stefanie BergerZum Vergrößern bitte klicken.

Das Paar hat zwei mittlerweile erwachsene Kinder. Bei ihrem Besuch in Thierhaupten zeigte sich die CSU-Landtagsabgeordnete besonders beeindruckt von der neuen Praxis, die die beiden Hausärztinnen aufgebaut haben: „Die Bürgerinnen und Bürger von Thierhaupten und Umgebung profitieren von dieser modernen und technisch hochwertig eingerichteten Praxis. Damit ist in dieser Region die hausarztzentrierte Versorgung nachhaltig gesichert. Bemerkenswert finde ich, dass die beiden Hausärztinnen je zwei kleine Kinder haben. Das zeigt, dass sich im Beruf des Landarztes vieles zum Guten geändert hat und es heute möglich ist, Beruf und Familie in Einklang zu bringen.“

„Wir haben unsere Kinder zwar fast zeitgleich bekommen, konnten uns aber gegenseitig gut vertreten. Hausarzt zu sein, ist immer noch unser Traumberuf“, erzählen Maria Stich und Stefanie Berger. Ein wesentlicher Punkt für ihre Entscheidung, sich in der Region niederzulassen, seien die Hausarztverträge, die der Gesetzgeber mittlerweile nachhaltig im SGB V verankert hat. „Damit wird unser Umsatz planbarer, und wir sind besser in der Lage, in die Praxis nachhaltig zu investieren“, erklärten die beiden Hausärztinnen.

Maria Stich und Stefanie Berger haben ihre Praxis gemeinsam gestaltet und dabei besonderen Wert auf die Arbeitsbedingungen gelegt. „Wir setzen stark auf Teamwork und auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mehrere unserer Medizinischen Fachangestellten haben sich mittlerweile zur VERAH, also zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, weitergebildet und können uns bei Routine-Hausbesuchen entlasten“, berichteten die beiden Hausärztinnen der Gesundheitspolitikerin und warnten davor, diese Erfolgsmodell namens VERAH zu gefährden. „Wir brauchen keine externen Anbieter, die Hausbesuche übernehmen. Das würde nur zu höheren Kosten und Abstimmungsproblemen führen. Allein in Bayern gibt es mittlerweile rund 2000 VERAHs. Als Teil unseres Teams kennt die VERAH die Patienten und die Patienten kennen sie. Besser geht es nicht.“

 

 

Grünen-Politiker Thomas Gehring zu Gast bei Allgemeinarzt Boris Ott

2018 05 23 Dr. Boris Ott und MdL Thomas GehringZum Vergrößern bitte klicken.

„Ärzte, die das Allgemeinbefinden ihrer Patienten im Auge haben und Hausbesuche machen sind mir wichtig und wir müssen darauf achten, dass sie auch im ländlichen Raum heute und in Zukunft ihren Beitrag zur ärztlichen Versorgung der Bevölkerung leisten können“, erklärt der Allgäuer Landtagsabgeordnete Thomas Gehring. Im Rahmen des Tags der Hausarztmedizin besuchte der Grünen-Politiker die Allgemeinarztpraxis von Boris Ott in Blaichach um über aktuelle gesundheitspolitische Themen zu diskutieren.

Boris Ott wies darauf hin, dass neben der notwendigen Spezialisierung der Fachärzte auch Allgemeinärzte notwendig sind, die ihre Patienten und deren Umfeld kennen und eben den „ganzen Menschen“ im Blick haben. „In einer Allgemeinarztpraxis können wir eine große Bandbreite an Untersuchungen durchführen, mit den Hausbesuchen betreuen wir vor allem chronisch kranke und alte Menschen“.

Allerdings entscheiden sich im Verhältnis zu früher weniger junge Mediziner für den Weg der Allgemeinmedizin, so dass in vielen Regionen Nachwuchsmangel an ausgebildeten Hausärzten besteht. Auch im Oberallgäu finden einige Hausärzte keine Nachfolger. Um die Allgemeinmedizin für Studierenden attraktiver zu getsalten verweist Boris Ott auf die notwendige Umstrukturierung des Lehrplans: „Im Medizinstudium wird viel zu wenig vermittelt, welche Vielseitigkeit die Allgemeinmedizin mit sich bringt. Oft wird dann erst in der Famulatur gesehen, was wir wirklich alles machen“. Es sei daher wichtig auch während dem Studium einen praxisorientierten Zugang zur Allgemeinmedizin zu schaffen. 

Doch es gibt auch positive Entwicklungen, so habe sich laut Boris Ott das Image der Allgemeinmedizin deutlich gebessert: „Früher musste man sich noch anhören "Barfuß-Medizin" zu betreiben, das hat sich mittlerweile geändert".

Um die ärztliche Versorgung auf dem Land zu sichern, waren auch mögliche Zukunftsmodelle Thema des gemeinsamen Gesprächs: „Oft sind es die jungen Kolleginnen, die mit der Übernahme einer Praxis hadern“, erklärt der Allgemeinarzt Boris Ott. So bräuchten etwa auch Frauen flexiblere Arbeitszeitmodelle. Um der Versorgungsknappheit auf dem Land entgegenzusteuern sei zu überlegen, ob nicht Kommunen freiwerdende Hausarztpraxen aufkaufen und diese dann mit mehreren Allgemeinärztinnen und – ärzten besetzt werden können. Boris Ott: „Die Übernahme eines Medizinischen Versorgungszentrums durch die Gemeinde könnte den Bestand der Allgemeinärzte in Zukunft sichern“.

Insgesamt kann Boris Ott "sehr positiv" auf das Gespräch zurückblicken und auch Lantagsabgeordneter Thomas Gehring konnte überzeugt werden: „Zu einer guten medizinischen Versorgung gehören auch in Zukunft die Spezialisten für das Allgemeine und unseren Hausärztinnen und Hausärzte des Vertrauens, deshalb müssen wir die politischen Rahmenbedingungen dafür schaffen“.

 

Tag der Hausarztmedizin 2017

Im Wahljahr 2017 hat der Bayerische Hausärztetag den Tag der Hausarztmedizin am 7. Mai zum Anlass genommen, Politiker unterschiedlicher Parteien in bayerische Hausarztpraxen einzuladen.

CSU-Politiker Reiner Meier für Lehrstuhl Allgemeinmedizin in Regensburg

 

Reiner Meier 3 kZum Vergrößern bitte klicken.

Politische Praxisvisite bei Dr. Peter Deinlein im oberpfälzischen Kemnath:  Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin besuchte der CSU-Bundestagsabgeordnete Reiner Meier die Gemeinschaftspraxis, um mit Dr. Peter Deinlein über gesundheitspolitische Fragen zu diskutieren. Sichtlich beeindruckt zog der Abgeordnete nach seinem Besuch eine positive Bilanz und kündigte an, einige Themen politisch aufzugreifen.

Reiner Meier: „Ich freue mich über das große Engagement der Hausärzte für eine flächendeckende Versorgung. Mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 stärken wir die Allgemeinmedizin bereits im Studium und fördern eine Entscheidung für den Beruf des Hausarztes. Auch in der Oberpfalz wünsche ich mir eine Vertretung der Allgemeinmedizin an der Universität Regensburg durch einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin.“

Eher zurückhalten kommentierte Meier dagegen die Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes, Patienten, die sich in die HzV einschreiben, einen Bonus zu gewähren. „Die CSU-Landesgruppe hat sich vor drei Jahren erfolgreich für die Abschaffung der gesetzlichen Honorarobergrenze eingesetzt. Von einer verpflichtenden Bonusregelung bin ich noch nicht ganz überzeugt. Es stünde im Widerspruch zur besseren Versorgungsqualität in HzV-Verträgen und könnte Versicherte zu der Annahme verleiten, ihnen würde ein Billig-Vertrag verkauft. Das sollte nicht unser Ziel sein“, so Reiner Meier, der auch Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestages ist.

Da Meier persönlich tief in der nördlichen Oberpfalz verwurzelt ist, steht die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Stadt und Land bei ihm ganz oben auf der Agenda. Der Abgeordnete auf die Frage, welche Vorschläge er unterstützt, um diese wichtige Herausforderung zu meistern: „Mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 hat der Gesetzgeber das Ziel formuliert, die Hausarztversorgung in der Ausbildung zu stärken. Seit einigen Jahren hat der Freistaat Bayern zusätzlich Förderprogramme für Niederlassungen auf dem Land aufgelegt, von der auch die Allgemeinmedizin sehr profitiert. Am Ende muss aber das Landleben für junge Ärzte attraktiv sein, damit möglichst viele dort sesshaft werden. Dazu gehört für mich eine gute Infrastruktur, kulturelle Angebote und eine starke Wirtschaft, die auch für Partnerinnen und Partner entsprechende Jobs bereithält.“

Grünen-Politiker Ulrich Leiner offen für HzV-Bonus

Leiner Conradi kZum Vergrößern bitte klicken.

„Es gibt noch Hausärzte, denen ihr Beruf noch Spaß macht und die mit viel Engagement ihren Beruf ausüben. Mein wesentlicher Eindruck beim Besuch der Praxis Dr. Conradi war, dass dort ein gut zusammenarbeitendes Team tätig ist und sich um die Patienten kümmert“, so die Bilanz des Landtagsabgeordneten Ulrich Leiner.

Der Sprecher für Gesundheit und Pflege der Grünen hatte im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin mit Dr. Marco Conradi in dessen Praxis in Sonthofen über aktuelle gesundheitspolitische Themen diskutiert.
Der Grünen-Politiker zeigte sich dabei auch offen für die Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes, Patienten, die sich in einen Hausarztvertrag einschreiben, einen Bonus zu gewähren.

Ulrich Leiner: „Die hausarztzentrierte Versorgung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Gesundheitsversorgung. Der Hausarzt soll nach unserer Meinung den Einstieg in die ärztliche Versorgung darstellen und die Patienten gegebenenfalls in die Fachbereiche überweisen. Den Patienten einen Bonus für den hausärztlichen Erstbesuch zu gewähren, sollte sorgfältig geprüft werden. Vorstellbar wäre Modellversuche und deren Evaluierung.“

Das Wichtigste sei die qualitativ hochwertige Versorgung der Patientinnen und Patienten, stellte der Landtagsabgeordnete fest und unterstrich dabei das Potential, das die Hausarztverträge bieten: „Sollten sich die positiven Auswirkungen der hausarztzentrierten Versorgung auch in anderen Bundesländern bestätigen, werden vermutlich die Krankenkassen ganz von selbst ein starkes Eigeninteresse an diesen Verträgen entwickeln“, so Leiner.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Stadt und Land. Der Grünen-Politiker forderte in diesem Zusammenhang eine breite Unterstützung für die Allgemeinmedizin.

Ulrich Leiner: „Motivierte und gut qualifizierte Hausärztinnen und Hausärzte halten wir für unverzichtbar für ein funktionierendes Gesundheitssystem. Deshalb sprechen wir uns dafür aus, den Stellenwert der Allgemeinmedizin an den medizinischen Fakultäten zu stärken. Dazu bedarf es auch, dass jede medizinische Universität in Bayern einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin mit entsprechender Ausstattung hat.“

Neben Politik und Hochschulen sei aber auch die Selbstverwaltung gefordert, so Ulrich Leiner: „Werden junge Mediziner gefragt, weshalb sie sich nicht für eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin entscheiden, werden häufig die Verschuldung bei Praxisgründung, die ausufernden Arbeitszeiten und auch die Diskrepanz zwischen den hohen Anforderungen an die Hausärzte einerseits und ihre im Vergleich zu anderen Fachrichtungen niedrige Vergütung andererseits genannt. Diese Probleme können nicht alleine von Bund und Ländern und schon gar nicht per "Knopfdruck" gelöst werden. Wesentlich beitragen können sie aber zur Schaffung von Rahmenbedingungen, die die Entscheidung für den Hausarztberuf wieder wahrscheinlicher machen. Dazu gehört die Förderung kooperativer Versorgungsformen, die jungen Hausärzten ermöglichen, ihrem Beruf ohne die Gefahr finanzieller und zeitlicher Überbeanspruchung nachzugehen. Und dazu gehört auch der verbindliche Auftrag an die Selbstverwaltung, ein Honorarsystem zu entwickeln, das die besonderen Leistungen der Primärversorgung, also die Team-, Präventions-, Koordinations-, Kooperations- und Managementleistungen, berücksichtigt.“

SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner: „Hausarztverträge sind richtig und wichtig!“

Dr. Alexander Wiedemann Kathrin SonnenholznerSonoZum Vergrößern bitte klicken.

Im Rahmen des Tages der Allgemeinmedizin haben Politiker auf Einladung des Bayerischen Hausärzteverbandes Allgemeinarztpraxen besucht, um sich vor Ort ein Bild über die medizinische Versorgung zu machen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner ist selbst Ärztin und hat mit Dr. Alexander Wiedemann in dessen Praxis in Eichenau bei Fürstenfeldbruck über aktuelle Themen der Gesundheitspolitik gesprochen. Kathrin Sonnenholzner leitet als Vorsitzende den Landtagsausschuss für Gesundheit und Pflege und ist stellvertretende Vorsitzende des Landesgesundheitsrates. Im Anschluss zog die SPD-Politikerin im Interview Bilanz.

Frau Sonnenholzner, was nehmen Sie aus dem Praxisbesuch für Ihre politische Arbeit mit?

Kathrin Sonnenholzner: Wie auch schon bei früheren Besuchen allgemein die umfassende Rolle des Hausarztes und die Bereicherung durch den Einsatz der Versorgungsassistentin gerade bei alten Patientinnen und Patienten. Als konkreten Handlungsauftrag nehme ich mit, mich für die Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten in den Seniorenheimen einzusetzen, auch um vermeidbare Krankenhauseinweisungen zu reduzieren.

Patienten, die sich in die hausarztzentrierte Versorgung einschreiben, verpflichten sich freiwillig, immer zuerst zu ihrem Hausarzt zu gehen, der dann auch die Behandlung durch die Fachärzte koordiniert. Dadurch werden unter anderem auch Falsch- oder Doppeluntersuchung vermieden, was am Ende auch Kosten spart. Wie stehen Sie deshalb zu der Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes, Patienten, die sich in die HzV einschreiben, einen Bonus zu gewähren?

Kathrin Sonnenholzner: Hausarztverträge sind richtig und wichtig! Bonuszahlungen oder Sanktionen widersprechen meiner Meinung nach aber dem Grundcharakter der solidarischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung, in der Starke für Schwache und Gesunde für Kranke einstehen. Ich setze daher auf die Kraft der Argumente statt finanzieller „Incentives“.

Ein gesamtgesellschaftliches Thema ist die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Stadt und Land. Welche Vorschläge haben Sie, um diese wichtige Herausforderung auch mit Blick auf den demographischen Wandel zu meistern?

Kathrin Sonnenholzner: Die bereits getroffenen Maßnahmen wie Stipendien, finanzielle Unterstützung bei Praxisgründung oder Förderung der Allgemeinmedizin durch Lehrstühle - um nur einige zu nennen - sind jeweils Mosaiksteinchen in dem Bemühen, langfristig eine flächendeckende Versorgung zu sichern. Das gelingt leider sowohl in Brennpunkten in den Städten als auch auf dem Land nicht überall. Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass bei den nachwachsenden Generationen die Work-Life-Balance eine große Rolle spielt und die Bereitschaft zur Praxisübernahme und damit unternehmerischer Verantwortung sinkt und das nicht nur bei Ärztinnen und Ärzten. Wir müssen daher andere Organisationsformen für Praxen weiter fördern und auch durch verlässliche Angebote die Mobilität der Patientinnen und Patienten erhöhen, um die Hausärztinnen und Hausärzte erreichbar zu machen.

CSU-Bundestagskandidat Stephan Pilsinger zu Gast bei Dr. Oliver Abbushi

 

Dr. Oliver AbbushiStephan PilsingerZum Vergrößern bitte klicken.

Im Rahmen des Tages der Allgemeinmedizin hat Stephan Pilsinger die Praxis von Dr. Oliver Abbushi in Deisenhofen bei München gleich in doppelter Funktion besucht: Als Politiker und als Arzt. Der 30-Jährige absolviert derzeit seine Facharztausbildung in Landsberg und kandidiert gleichzeitig für die CSU als Direktkandidat im Wahlkreis München-West um den Einzug in den Bundestag.

„Als Kollege ist Stephan Pilsinger vom Fach und kann unsere hausärztlichen Anliegen nachvollziehen. Wir hatten ein sehr anregendes und informatives Gespräch“, erklärte Dr. Oliver Abbushi nach dem Treffen. Im Kurzinterview zog auch Stephan Pilsinger eine positive Bilanz des Treffens.

Herr Pilsinger, was nehmen Sie aus dem Praxisbesuch für Ihre politische Arbeit mit?

Stephan Pilsinger: „Als Arzt in einem kommunalen Krankenhaus ist es für mich eine wichtige Gelegenheit, die Abläufe, Schwerpunkte und Herausforderungen aus der Perspektive einer Hausarztpraxis besser kennenzulernen. Hier nehme ich viele Eindrücke mit.“

Dr. Oliver AbbushiStephan PilsingerBlutdruck messenZum Vergrößern bitte klicken.

Patienten, die sich in die hausarztzentrierte Versorgung einschreiben, verpflichten sich freiwillig, immer zuerst zu ihrem Hausarzt zu gehen, der dann auch die Behandlung durch die Fachärzte koordiniert. Dadurch werden unter anderem auch Falsch- oder Doppeluntersuchung vermieden, was am Ende auch Kosten spart. Wie stehen Sie deshalb zu der Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes, Patienten, die sich in die HzV einschreiben, einen Bonus zu gewähren?

Stephan Pilsinger: „Vorteile für Patienten, die das Hausarztmodell gewählt haben, haben auch früher schon die hausarztzentrierte Versorgung gestärkt, zum Beispiel durch den Wegfall der damaligen Praxisgebühr. Weiteren Incentives für Patienten, die den effizienten Weg der hausarztzentrierten Versorgung wählen, stehe ich offen gegenüber.“

Ein gesamtgesellschaftliches Thema ist die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Stadt und Land. Welche Vorschläge haben Sie, um diese wichtige Herausforderung auch mit Blick auf den demographischen Wandel zu meistern?

Stephan Pilsinger: „Die Politik hat das Problem im Blick. In Bayern gibt es seit geraumer Zeit ein Förderprogramm für innovative medizinische Versorgungskonzepte und ein Stipendienprogramm. Sehr viel verspreche ich mir vom Masterplan Medizinstudium 2020 und der „Landarztquote“, bei der sich Bewerber für das Medizinstudium verpflichten können, eine gewisse Zeit in unterversorgten Regionen zu arbeiten. Das ist sinnvoll, solange es kein „Tauschgeschäft für unzureichende Eignung zum Mediziner“ ist. Da die Verfassungskonformität der „Landarztquote“ bestätigt wurde, sollte sie jetzt auch kommen und möglichst viele Bundesländer sollten von ihr Gebrauch machen.“

Politiker auf Praxis-Visite: MdL Prof. Dr. Peter Bauer zu Gast bei Dr. Hans-Erich Singer

Dr. Hans Erich SingerProf. Dr. Peter Bauer 2 webZum Vergrößern bitte klicken.

„Der Praxisbesuch und das eingehende Gespräch mit dem Kollegen Dr. Singer zeigte ganz deutlich, wie wichtig die hausärztliche Versorgung für alle Menschen ist“, erklärt Prof. Dr. Peter Bauer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, nach seinem Praxisbesuch bei Dr. Hans-Erich Singer in Mitteleschenbach im Landkreis Ansbach. Das Treffen fand im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin statt, zu dem der Bayerische Hausärzteverband Politiker zu gesundheitspolitischen Gesprächen mit den Hausärztinnen und Hausärzten in die Praxen eingeladen hatte.

Prof. Bauer: „Bei dem Gespräch mit Dr. Singer wurde besonders deutlich, dass es noch viel zu tun gibt, um die Probleme der Unterversorgung in bestimmten Gebieten Bayerns und die Nachfolge von Hausärzten zu lösen.“ Alle Politiker seien deshalb aufgefordert, bei der Lösung dieser Probleme aktiv mitzuwirken. „Wir brauchen insbesondere im strukturschwachen ländlichen Raum bessere und attraktivere Modelle für die Hausärzte. Ein guter Anfang ist zwar gemacht, das reicht jedoch nicht aus“, so Prof. Bauer.

Gleichzeitig bekräftige der Landtagsabgeordnete die Forderung nach Lehrstühlen für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten in Bayern. Ergänzend sollten die Stipendien für die Studenten, die sich für eine Niederlassung als Hausarzt verpflichtet haben, ausgebaut werden. Außerdem forderte Prof. Bauer eine Reform der Niederlassungsmöglichkeiten mit noch flexibleren Arbeitszeitmodellen sowie eine Nachjustierung und Verfeinerung der Bereitschaftsdienstbereiche in Bayern.

Prof. Bauer sprach sich zudem dafür aus, die hausarztzentrierte Versorgung unter Beibehaltung der freien Arztwahl weiterzuentwickeln und Patienten, die sich freiwillig in die HzV einschreiben, einen Bonus zu gewähren. „Die hausarztzentrierte Versorgung ist ein wichtiger Bestandteil in der GKV. Der Hausarzt als ,Lotse’ im Gesundheitswesen hat sich bewährt und ist unverzichtbar. Diese wichtige Funktion sollte durchaus belohnt werden“, findet der Abgeordnete der Freien Wähler und fordert deshalb eine breite Unterstützung für die Allgemeinmedizin: „Der Hausarzt als wichtiges Bindeglied im Gesundheitswesen muss erhalten und gestärkt werden.“

MdB Sabine Dittmar und MdL Volkmar Halbleib zu Gast in der Gemeinschaftspraxis Dr. Pfeiffer

Dr. Christian PfeifferVolkmar HalbleibSabine Dittmar webZum Vergrößern bitte klicken.

Ärztin und Politikerin Sabine Dittmar trifft praktizierenden Hausarzt: Die SPD-Bundestagsabgeordnete besuchte gemeinsam mit dem SPD-Landtagsabgeordneten und parlamentarischen Geschäftsführer Volkmar Halbleib die Gemeinschaftspraxis von Dr. Christian Pfeiffer in Giebelstadt im Landkreis Würzburg. Die Politikerin vertritt ihre Fraktion im Gesundheitsausschusses des Bundestages. Ein Hauptgesprächsthema war der Nachwuchsmangel bei den Hausärzten.

Dr. Pfeiffer: „Als eine effektive Gegenmaßnahme schlägt der Bayerische Hausärzteverband vor, die Hausarztverträge weiterzuentwickeln, um vor allem jungen Hausärztinnen und Hausärzten eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive zu geben, sich niederzulassen. So sollen Patienten, die sich freiwillig in einen Hausarztvertrag einschreiben, generell einen Bonus erhalten, wie es einige Krankenkassen bereits anbieten, da sie verantwortlich mit den medizinischen Ressourcen umgehen, ohne dabei auf eine erstklassige medizinische Betreuung zu verzichten.“

Bei Sabine Dittmar stieß dieser Vorschlag auf offene Ohren. „Es ist sicherlich nicht verwunderlich, dass ich als Hausärztin eine Verfechterin der primärärztlichen Versorgung bin. Aus eigener Erfahrung weiß ich um den Stellenwert des Hausarztes als Lotse im Gesundheitssystem, der Patienten und deren Familien meist über viele Jahre hinweg begleitet“, sagte die Bundestagsabgeordnete nach ihrem Praxis-Besuch und unterstrich dabei, dass „die Zukunft der Versorgung in erster Linie vom ärztlichen Nachwuchs“ abhänge.

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Die Politikerin fordert deshalb weitere Maßnahmen im Kampf gegen den Nachwuchsmangel: „Neben dem Masterplan Medizinstudium, mit dem wir die Allgemeinmedizin stärken und der nun zügig umgesetzt werden muss, ist es vor allem notwendig, die strukturierte Weiterbildung in Weiterbildungsverbünden auszubauen. Hilfreich sind hier sicher die an Universitäten angesiedelten Kompetenzzentren Weiterbildung Allgemeinmedizin und die Etablierung der Stiftung Weiterbildung, um grundsätzlich die ärztliche Weiterbildung besser zu organisieren. Daneben müssen auch die Kompetenzen der Gesundheitsfachberufe besser in die Versorgung integriert werden. VERAH ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Aufgaben neu verteilt werden können und der Arzt bei der Versorgung vor allem von älteren und multimorbiden Patienten entlastet und unterstützt wird. Aber auch die Kommunen müssen strukturell gestärkt werden, um zum Beispiel auch in ländlichen Regionen ein attraktives Arbeitsumfeld bieten zu können.“

Dass eine sehr gute hausärztliche Versorgung auf dem Land kein Widerspruch sein muss, davon war Sabine Dittmar spätestens nach der Visite in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Christian Pfeiffer in Giebelstadt überzeugt. 

Die SPD-Politikerin: „Besonders bemerkenswert ist das breit aufgestellte diagnostische Angebot der Hausarztpraxis, dass eine gute Versorgung von Alten wie jungen, chronisch Kranken und Akutfällen gleichermaßen ermöglicht und ein attraktives und vielseitiges Arbeitsumfeld bietet. Die Erfahrungen und Gespräche, die ich als Gesundheitspolitikerin führe, zeigen mir jedoch auch, dass wir weitere Maßnahmen brauchen, um den medizinischen Nachwuchs für die Allgemeinmedizin zu begeistern. Daher freut es mich umso mehr, dass die Praxis in Giebelstadt als Lehrpraxis fungiert.“

MdB Harald Weinberg zu Gast in der Praxis Dr. Singer

Dr. Hans Erich SingerHaralt Weinberg 2 HPZum Vergrößern bitte klicken.

"Ich hatte ein interessantes und gutes Gespräch mit Dr. Singer", berichtet Harald Weinberg, Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Krankenhauspolitik und Gesundheitsökonomie der Fraktion DIE LINKE, über seinen Praxisbesuch im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin, in Mitteleschenbach bei Ansbach.

Dr. Hans-Erich Singer: "Es war ein sehr offenes und konstruktives Gespräch. Ich habe deutlich gemacht, dass wir die flächendeckende medizinische Versorgung in Stadt und Land nur dann nachhaltig sicherstellen können, wenn wir die Hausarztverträge weiterentwickeln und Patienten, die sich freiwillig in die HzV einschreiben, von ihrer Krankenkasse einen Bonus erhalten."

Harald Weinberg: "Ich bin von der Steuerungswirkung monetärer Anreize nicht so überzeugt, aber wenn, dann eher Gratifikationen als Sanktionen. Ein Bonus für die Einschreibung in einen Hausarztvertrag ist als Satzungsleistung bereits möglich.
Auf der Basis Satzungsleistung ließen sich mit größeren Versorgerkassen Vereinbarungen zum beiderseitigen Nutzen treffen, wenn sich für die im Hausarztvertrag befindlichen Versicherten deutliche Kostenvorteile nachweisen lassen."

Ein weiteres wichtiges Thema war auch der Nachwuchsmangel.

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Harald Weinberg: "Vor dem Hintergrund einer neuen Ärztegeneration müssen wir auch andere Wege als den niedergelassenen Arzt beschreiten. Sicher ist die Niederlassung zu fördern und vor allem die Allgemeinmedizin im Studium deutlich aufzuwerten. Aber wir müssen auch an die Durchlässigkeit der Sektorengrenze ambulant-stationär heran, neue Formen der Zusammenarbeit wie MVZ, Poliklinik, mobile Praxen und Filialpraxen sowie neue Formen der Trägerschaft von solchen Modellen ausprobieren. Der Digitalisierung und der Telemedizin kommt dabei sicher eine große Rolle zu. Neue Wege in der Delegation und Substitution ärztlicher Leistungen können das unterstützen."

Dr. Hans-Erich Singer: "Eine Delegation medizinischer Leistungen ist nur dann verantwortbar, wenn sie unter ärztlicher Führung erfolgt. Mit der VERAH haben wir dafür die passende Lösung. Eine VERAH ist ein wichtiges Mitglied des Praxisteams, arbeitet täglich eng mit dem Arzt zusammen und kennt die Patienten in der Regel seit vielen Jahren. Hinzu kommt, dass eine VERAH über eine entsprechend gute Ausbildung verfügt. Anderer Modelle, wie externe Helferinnen, würden zu einer Verschlechterung der Versorgung führen."

Obwohl als Gesundheitspolitiker vom Fach, hat Harald Weinberg neue Fakten bei dem Vier-Augen-Gespräch erfahren. Der Bundestagsabgeordnete: "Über die geringe Bedeutung von Privatpatienten und IGeL-Leistungen in der Praxis von Dr. Singer war ich überrascht. Außerdem habe ich für die Bedarfsplanung Hinweise erhalten, dass alleine das Merkmal Arztsitz nicht reicht."

MdB Dr. Nüßlein zu Gast in der Gemeinschaftspraxis Dr. Berger

Dr. Jakob BergerDr. Georg NüssleinDr. Johannes Berger 1 webZum Vergrößern bitte klicken.

„Hausärzte leisten eine wichtige Aufgabe in der Patientenversorgung, sowohl medizinisch als auch über die menschliche Zuwendung und Empathie, die sie ihren Patienten entgegenbringen. Mit Blick auf die therapeutische Wirkung müssen wir die sprechende Medizin deutlich aufwerten“, sagt Dr. Georg Nüßlein. Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin, der jedes Jahr am 7. Mai stattfindet, hat der Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion die Gemeinschaftspraxis von Dr. Jakob Berger in Meitingen im Landkreis Augsburg besucht.

Dr. Jakob Berger, der auch 2. Stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes ist, sagte nach dem Treffen: „Wir hatten ein intensives Gespräch über die gesundheitspolitischen Herausforderungen. Ich habe noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, die Hausverträge weiterzuentwickeln und die Patienten zum Beispiel über Bonuszahlungen noch stärker von der HzV profitieren zu lassen. Patienten, die zuerst ihren Hausarzt aufsuchen, vermindern nicht nur das Risiko von Falsch- oder Doppeluntersuchungen, sondern tragen auch mit dazu bei, keine unnötigen Kosten für die Solidargemeinschaft zu verursachen.“

Diese Argumente stießen bei Dr. Georg Nüßlein auf offene Ohren. Der Bundestagsabgeordnete: „Bis vor einigen Jahren gab es für Patienten, die sich in Hausarztverträge eingeschrieben haben, die Möglichkeit, die Praxisgebühr zu erlassen. Auch auf Wunsch der Ärzte wurde die Praxisgebühr insgesamt abgeschafft. Ich denke, die Hausärzte erbringen im Rahmen der Hausarztverträge qualitativ so gute Leistungen, dass sie schon damit ein attraktives Angebot für die Patienten haben. Wie man den Anreiz zur Einschreibung erhöhen kann, muss noch einmal politisch diskutiert werden. Grundlage müssen echte Kosteneinsparungen sein.“

„Die Evaluation der Hausarztzentrierten Versorgung in Baden-Württemberg hat klar belegt, dass die HzV nicht nur den Patienten und den Hausärzten Vorteile bietet, sondern gleichzeitig auch den Kassen enorme Kosten spart“, erklärt Dr. Berger und verweist dabei auf das Fazit der wissenschaftlichen Studie: „Die Verträge verbessern die medizinische Versorgung, stärken die Rolle des Hausarztes als Gesundheitslotsen und können zu einer spürbaren finanziellen Entlastung beitragen, indem Über-, Fehl- und Unterversorgung systematisch adressiert werden. Diese Fakten kennen auch die Kassenvertreter. Deshalb gibt es bereits Krankenkassen, die ihren HzV-Versicherten freiwillig einen Bonus anbieten. Diesen Weg müssen wir weiter gehen“, argumentiert der Hausarzt.

Einig waren sich Dr. Nüßlein und Dr. Berger auch beim Thema Nachwuchs. Dr. Berger: „Wir müssen junge Mediziner für den schönsten Beruf der Welt begeistern. Als Facharzt für Allgemeinmedizin hat man eine spannende und erfüllende Aufgabe, und heute ist es auch kein Problem mehr, als Hausarzt Beruf und Familie in Einklang zu bringen.“

Dr. Nüßlein: „Wir müssen den Hausarztberuf weiterhin attraktiv gestalten. Dazu können auch die Berufsverbände einen Beitrag leisten, indem sie die positiven Seiten des Berufs hervorheben. Politisch werden wir im Rahmen der Novellierung des Medizinstudiums – zum Beispiel durch eine Landarztquote und durch Einbeziehung der Hausarztarbeit ins Studium – weitere Anreize setzen. Damit ergänzen wir die vielen bereits in den letzten beiden Legislaturperioden beschlossenen Verbesserungen für die Hausärzte.“