Tag der Hausarztmedizin 2019

Logo Tag der Hausarztmedizin 2019Rund um den Tag der Hausarztmedizin am 7. Mai luden auch in diesem Jahr Hausärztinnen und Hausärzte Politiker aus ganz Bayern zum Besuch in ihre Hausarztpraxen ein.

 

 

MdL Jürgen Mistol auf Praxisvisite bei Dr. Stefan Semmler: „Ein eigener Lehrstuhl ist eine gute Werbung für die Allgemeinmedizin“

 

 
2019 07 23 Praxisbesuch Jürgen Mistol Dr. SemmlerZum Vergrößern bitte klicken.

Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin hat Jürgen Mistol, Landtagsabgeordneter und Parlamen-tarischer Geschäftsführer der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, die Hausarztpraxis von Dr. Stefan Semmler in Lappersdorf im Landkreis Regensburg besucht, um sich vor Ort über die wichtigsten Themen in der Gesundheitspolitik auszutauschen.

Dr. Semmler ist Delegierter in der Bayerischen Landesärztekammer und Bezirksvorsitzender Ober-pfalz des Bayerischen Hausärzteverbandes. Jürgen Mistol hatte vor seiner politischen Karriere eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert und anschließend Soziologie und Politische Wissenschaf-ten studiert. Als Wohnungspolitischer Sprecher der Grünen setzt sich Mistol für gleiche Lebensver-hältnisse in Stadt und Land ein. „Wir brauchen lebenswerten Wohnraum für alle Menschen im Frei-staat. Dazu gehört auch eine wohnortnahe Versorgung durch Ärzte, insbesondere durch Hausärzte“, so Mistol.

Auch in der Oberpfalz droht ein akuter Mangel an Hausärzten – vor allem in den Planungsbereichen, die nicht direkt an Regensburg angrenzen. Schon jetzt ist in der Oberpfalz jeder dritte Allgemeinarzt (34,1 Prozent) über 60 Jahre und wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen – und nicht immer übernimmt eine junge Kollegin oder ein junger Kollege die Praxis sowie deren Patientinnen und Patienten.

„Wir werden junge Medizinstudierende nur dann für die Allgemeinmedizin begeistern können, wenn sie bereits während des Studiums mit unserem Fach in Berührung kommen. Wir brauchen deshalb dringend auch an der Universität Regensburg einen eigenen Lehrstuhl für Allgemeinmedi-zin“, so Dr. Semmler mit Blick auf die anderen bayerischen Universitäten, die alle über einen eigenen Lehrstuhl verfügen oder, wie an der neuen Medizinischen Fakultät der Uni Augsburg, gerade einrich-ten.

„Ein eigener Lehrstuhl ist eine gute Werbung für die Allgemeinmedizin“, findet auch Jürgen Mistol. Der Grünen-Abgeordnete ist seit 2014 Mitglied im Kuratorium der Universität Regensburg und will in diesem Gremium die Forderung nach einem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin zur Sprache bringen.

Ein weiteres Thema war das Kurzzeitstudium zum sogenannten Physician Assistant. „Für eine Hilfstä-tigkeit als Arzthelfer in der Klinik mag dieses Bachelorstudium ausreichend sein, in der hausärztlichen Versorgung hat der Physician Assistant jedoch nichts zu suchen. Hausärzte können nur durch Haus-ärzte ersetzt werden. Alles andere wäre eine deutliche Verschlechterung der medizinischen Versor-gung. Leidtragende wären die Patientinnen und Patienten“, stellte Dr. Semmler klar und verwies darauf, dass die Hausärzte bereits über kompetente Unterstützung durch die Versorgungsassisten-tin in der Hausarztpraxis (VERAH) verfügen: „Delegation ist sinnvoll, muss aber unter ärztlicher Kon-trolle stattfinden. Dafür haben wir die VERAH.“

Die speziell weitergebildeten Versorgungsassistentinnen in der Hausärztlichen Praxis übernehmen jetzt schon Routinehausbesuche für den Hausarzt und sind eine wichtige Säule in der hausarzt-zentrierten Versorgung. Bundesweit wurden bislang knapp 12.000 VERAHs ausgebildet, davon 2.468 in Bayern.

 

MdL Johannes Becher in der Praxis von Dr. Rainer Hart: Hausarztverträge weiter entwickeln und Ärztehopping vermeiden

 

 

Stirbt die Praxis, stirbt der Ort: Eine flächendeckende medizinische Versorgung ist eine Grundvoraussetzung, um gleiche Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen, wie es die Bayerische Verfassung fordert, darüber waren sich der Landtagsabgeordnete Johannes Becher, Hausarzt Dr. Rainer Hart und Weiterbildungsassistentin Dr. Christiane Bott-Flügel sofort einig.

Dr. Hart Johannes BecherZum Vergrößern bitte klicken.

Im Rahmen des 5. Tages der Hausarztmedizin besuchte der Grünen-Politiker die Hausarztpraxis in Erding, um sich vor Ort ein Bild über die medizinische Versorgung zu machen. Becher ist unter anderem Mitglied im Landtagsausschuss für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport. Der Abgeordnete: „Wir müssen den Verfassungsauftrag ernst nehmen und das Leben auf dem Land wieder attraktiver machen. Dazu gehört eine gute Infrastruktur, insbesondere eine flächendeckende medizinische Versorgung. Wir entlasten damit auch München, wo das Leben insbesondere für Familien und für Normal- und Geringverdiener immer schwieriger wird.“

Wie aktuell das Problem ist, kann der Abgeordnete vor der eigenen Haustür beobachten. In Bechers Heimatstat Moosburg liegt der Versorgungsgrad durch Hausärzte laut Kassenärztlicher Vereinigung nur noch bei 84,1 Prozent. Und: Von den 16 Hausärzten, die die 32.815 Einwohner in diesem Planungsbereich versorgen, sind sechs über 60 Jahre alt und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Ohne Nachfolger droht Moosburg damit eine Unterversorgung durch Hausärzte.

„Es sind eine Reihe von Maßnahmen notwendig, um diese Negativspirale zu stoppen und junge Mediziner aufs Land zu bringen“, erklärt Dr. Rainer Hart. So müssten vor allem die Hausarztverträge weiter entwickelt werden. Dr. Hart: „Patienten, die sich in einen Hausarztvertrag einschreiben und damit einen festen Hausarzt als ersten Ansprechpartner wählen, sollten dafür einen Bonus bekommen. Nur so können wir ein Ärztehopping vermeiden, das nicht nur hohe Kosten für die Allgemeinheit verursacht, sondern auch den Patienten nicht hilft. Und gerade jungen Hausärzten bieten die Hausarztverträge eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive sich niederzulassen.“
Weitere Maßnahmen seien die schnelle Umsetzung des Masterplans 2020 mit der darin festgeschrienen Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium, die Abschaffung des Numerus Clausus als große Hürde zum Medizinstudium, die Schaffung von mehr Medizinstudienplätzen und die Einrichtung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin an allen Universitäten in Bayern. „Das gerade an der Universität Regensburg dieser wichtiger Lehrstuhl noch immer fehlt, obwohl die Oberpfalz dringend Hausärzte benötigt, ist nicht nachvollziehbar“, so Dr. Hart.

Hausärzte seien aber nur durch Hausärzte ersetzbar. Ein „Doktor light“, wie es der Physician Assistent darstellt, sei keine Alternative für einen Landarzt. „Eine qualitativ schlechtere Versorgung auf dem Land wäre genau das falsche Signal“, so Dr. Hart. Sinnvoller sei es stattdessen, das eigene Praxisteam aufzuwerten. „Wir bieten unseren Medizinischen Fachangestellten bereits eine Weiterbildung zur Versorgungsassistentin in der Hausärztlichen Praxis an. Mittlerweile gibt es über 2.200 Verahs in Bayern, die für die Hausärzte auch Routinehausbesuche übernehmen. Geplant ist, dass diese engagierten Mitarbeiterinnen die Möglichkeit bekommen, neben dem Beruf ein Bachelorstudium zu absolvieren. Damit schaffen wir auch hochqualifizierte Arbeitsplätze außerhalb der Ballungszentren.“

„Wir müssen die hausärztliche Versorgung nachhaltig sichern“

Dr. SpitzerVerah Anja KlingsteinerDr. GramlihZum Vergrößern bitte klicken.

Blaichach, 11. Juli 2019 – Nach fast zwei Jahrzehnten als niedergelassener Hausarzt sowie Betriebsmediziner in Kempten ist Dr. Dominik Spitzer im Herbst vergangenen Jahres als Abgeordneter für die FDP in den Bayerischen Landtag einzogen und sitzt dort unter anderem im Gesundheitsausschuss. In dieser neuen Rolle als Politiker besuchte Dr. Spitzer anlässlich des 5. Tages der Hausarztmedizin die Praxis von Dr. Stefan Gramlich in Blaichach im Allgäu, um sich über die aktuelle Situation in der Gesundheitspolitik auszutauschen.

Dr. Spitzer: „Wir müssen die hausärztliche Versorgung auf dem Land und in der Stadt auch in Zukunft sichern. Das ist eines meiner großen politischen Ziele. Ein wesentliches Element sind dabei die Hausarztverträge, die gerade jungen Ärzten eine Perspektive bieten, sich als Hausärztin oder Hausarzt niederzulassen.“

„Auch wenn wir im sogenannten Planungsbereich Immenstadt/Sonthofen laut Statistik noch genügend Hausärzte haben, ist auch in dieser Region jeder dritte Hausarzt über 60 Jahre alt und wird bald in den Ruhestand gehen. Es ist deshalb eine Kernaufgabe, junge Nachfolger zu finden, die in Zukunft die Patienten versorgen“, so Dr. Gramlich.

Einig waren sich die beiden Ärzte auch, dass „Hausärzte nur durch Hausärzte ersetzt werden können“. Ein Physician Assistent, der nur ein Kurzzeitstudium absolviert hat, könne nicht die Verantwortung für die primärärztliche Versorgung einer ganzen Region übernehmen. Dies würde die betroffenen Menschen zu Patienten zweiter Klasse machen.

Die Delegation ärztlicher Leistungen sei zwar sinnvoll, müsse aber immer unter ärztlicher Kontrolle bleiben. Dr. Gramlich: „Dafür gibt es die Versorgungsassistentin in der Hausärztlichen Praxis. Unsere VERAH Anja Klingensteiner ist mittlerweile sogar mit einem TeleArzt-Rucksack ausgestattet und kann bei einem Hausbesuch die Untersuchungsdaten direkt in die Praxis übermitteln, um den Fall mit mir zu besprechen. Gerade bei Routine-Hausbesuchen ist das eine große Entlastung für mich als Hausarzt und ein guter Service für die Patienten.“ Bundesweit haben sich bereits rund 12.000 Medizinische Fachangestellte (MFA) zur Versorgungsassistentin in der Hausärztlichen Praxis weitergebildet. Allein in Bayern gibt es derzeit knapp 2.500 VERAHs.

Überhaupt habe sich in den vergangenen Jahren bereits vieles zum Guten geändert. „Die Streichung der Residenzpflicht, die Reform des Bereitschaftsdienstes und die Eindämmung der Medikamenten-Regresse waren richtig, aber diesen Weg müssen wir konsequent weitergeben“, so die beiden Mediziner.

Dr. Gramlich: „Uns Hausärzten wird immer noch zugemutet, dass wir bei der Ausstellung eines Folgerezeptes - zum Beispiel für Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen worden sind - , alle Indikationen kennen. Es wäre fair, wenn es bei angeblichen Verstößen zunächst einen schriftlichen Hinweis gibt, und erst bei weiterer Nichtbeachtung eine Strafe.“

Dr. Spitzer: „Wir müssen außerdem dafür sorgen, dass auch diejenigen Abiturienten Medizin studieren können, die später auch wirklich in die Versorgung gehen. Wir sollten deshalb den Numerus Clausus abschaffen und das Zulassungsverfahren nach österreichischem Vorbild regeln. Wichtiger als eine sehr gute Abiturnote ist gerade bei einem Hausarzt die Empathie.“

Bayerns Bürgerbeauftragter Klaus Holetschek: „Der Hausarzt muss die wichtigste Anlaufstelle für Patienten bleiben“

 

TdA Klaus Holetschek kZum Vergrößern bitte klicken.

Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin hat sich Bayerns Bürgerbeauftragter Klaus Holetschek in der Gemeinschaftspraxis Dr. Kristina Schoger und Dr. Alexander Zaune in Dillingen an der Donau über die Sorgen und Nöte zum Thema Gesundheitspolitik informiert.

Das größte Problem sei, so erklärte Dr. Kristina Schoger dem CSU-Landtagsabgeordneten, der zunehmende Zeitdruck, da auf immer weniger Hausärzte immer mehr Patienten kommen. „Die per-sönliche Betreuung von Mensch zu Mensch droht dabei verloren zu gehen“, so die Hausärztin.

Bereits jetzt ist das persönliche Engagement enorm. Dr. Schoger wohnt mit ihrer Familie in München und pendelt nach Dillingen. „Manchmal fahre ich jeden Tag nach Hause, wenn es sein muss." Ein normaler Arbeitstag beginnt für sie um acht Uhr in der Praxis und endet nach den Hausbesuchen manchmal auch erst spät am Abend. Hinzu kommen die Fahrten von und nach München. „Ich mache das, weil ich mit meinem Bruder Dr. Alexander Zaune die Praxis meiner Eltern weiterführen will.“

Dillingen ist zwar auf dem Papier noch nicht unterversorgt, hat aber in der Realität einen großen Be-darf an Hausärzten. Deshalb kann die Gemeinschaftspraxis mittlerweile auch keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Aktuell werden die 54.754 Bewohner im Planungsbereich Dillingen von 36 Haus-ärzten versorgt, wobei hier auch Hausärzte mitgezählt werden, die nicht Hausärzte im Sinne einer klassischen hausärztlichen Versorgerpraxis sind. Zudem sind ein Drittel dieser Hausärzte bereits über 60 Jahre alt und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Junge Hausärzte, wie Ro-man Ruef, der derzeit seine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in der Gemeinschaftspraxis Dres. Schoger & Zauner absolviert, werden deshalb auch in Dillingen dringend gesucht.

Klaus Holetschek: „Aufgabe einer verantwortungsbewussten Politik ist es, dass jeder Patient in Stadt und Land wohnortnah versorgt wird. Dabei muss der Hausarzt die wichtigste Anlaufstelle für die Pa-tienten bleiben. Hinzu kommt die weitere Versorgung durch Fachärzte, ein flächendeckendes Ange-bot an Apotheken und eine bedarfsgerechte Krankenhausversorgung. Gesundheit ist schließlich das wichtigste Gut.“

Ein weiteres Problem, so Dr. Schoger, sei die zunehmende Bürokratie. „Das empfinde ich schon fast als Bedrohung“, klagt die Hausärztin und berichtet von einem schwergewichtigen Patienten, dem sie aufgrund der größeren Körpermasse eine höhere Dosis eines Medikamentes verschrieben hatte. „Die Mehrkosten von 1300 Euro musste ich selbst tragen. Ich hätte das sicher einklagen können, aber dann hätte ich noch weniger Zeit für meine Patienten."

Thema bei dem Gespräch war auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen. „Wir müssen die Digita-lisierung gestalten und den Nutzen sowie den Mehrwert für die Patienten in den Mittelpunkt stel-len“, so Holetschek. Dr. Kristine Schoger warnte, dass unter allen Umständen die Daten der Patien-ten geschützt werden müssen: „Die Daten unserer Patienten müssen in unseren Händen bleiben.“

Kritisch sah Dr. Schoger auch das Thema Physician Assistant. „Hausärzte können nur durch Hausärzte ersetzt werden und nicht durch einen Doctor light, der nur ein Kurzzeitstudium absolviert hat“, stell-te die Fachärztin für Allgemeinmedizin klar. Die Delegation ärztlicher Leistungen sei zwar sinnvoll, aber nur unter ärztlicher Kontrolle. „Dafür haben wir unsere VERAH. Die speziell weitergebildeten Versorgungsassistentinnen in der Hausärztlichen Praxis übernehmen jetzt schon Routinehausbesu-che für den Hausarzt und sind eine wichtige Säule in der hausarztzentrierten Versorgung. Bundes-weit wurden bislang knapp 12.000 VERAHs ausgebildet, davon 2.468 in Bayern.“

5. Tag der Hausarztmedizin: Uni Regensburg braucht einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin

 

TdHM DeinleinZum Vergrößern bitte klicken.

In der Oberpfalz droht ein akuter Mangel an Hausärzten. Jeder dritte Allgemeinarzt (34,1 Prozent) ist über 60 Jahre und wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Junge Mediziner zu finden, die sich in der Oberpfalz vor allem auf dem Land niederlassen wollen, wird immer schwerer. Die Nachwuchsgewinnung bei den Hausärzten war deshalb das große Thema bei der Praxisvisite von Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert (Freie Wähler). Im Rahmen des 5. Tages der Hausarztmedizin hatte der Landrat die Praxis von Dr. Peter Deinlein in Kemnath besucht, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen.

Dr. Peter Deinlein: „Hausarzt zu sein, ist der schönste Beruf der Welt, aber diese Erfahrung muss der Nachwuchs auch selbst machen können. Wir sollten deshalb bereits im Studium die Medizinstudierenden frühzeitig mit der Allgemeinmedizin in Kontakt bringen. Es ist deshalb für die gesamte Oberpfalz bedauerlich, dass die Universität Regensburg als einzige Hochschule mit medizinischer Fakultät in ganz Bayern noch keinen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin hat oder plant. Darüber hinaus müssen wir aber auch in unserem Landkreis aktiver werden und jungen Medizinern in unseren Kliniken und Praxen eine hervorragende Aus- und Weiterbildung bieten, um diese so für unsere Region zu begeistern.“

Wie wichtig es ist, bereits im Studium mit der Allgemeinmedizin in Kontakt zu kommen, konnte Dr. Deinleins Weiterbildungsassistentin Dr. Laura Stich aus eigener Erfahrung aufzeigen. „Ich habe in Leipzig studiert und war während meiner Famulatur und einem Teil meines Praktischen Jahres in der Allgemeinarztpraxis von Dr. Deinlein. Das hat mich geprägt. Mein Ziel ist es, mich nach meinem Abschluss als Fachärztin für Allgemeinmedizin in der Region niederzulassen.“

Um die hausarztzentrierte Versorgung in Stadt und Land nachhaltig sicherzustellen, hat die Politik bereits mehrere Maßnahmen ergriffen. So bieten die mittlerweile gesetzlich garantierten Hausarztverträge gerade jungen Allgemeinmedizinern eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive sich niederzulassen.

Um den Beruf als Allgemeinarzt noch attraktiver zu machen, indem man die Arbeitsbelastung für Ärzte reduziert, könne auch die Delegation von ärztlichen Leistungen sinnvoll sein - „aber nur unter ärztlicher Führung“, stellte Dr. Deinlein klar. Ein gutes Beispiel sei hierfür die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH). Die VERAH ist eine Medizinische Fachangestellte mit einer hochwertigen Zusatzausbildung, die für den Arzt zum Beispiel Routine-Hausbesuche übernimmt. Bundesweit wurden bislang knapp 12.000 VERAHs ausgebildet, davon 2.468 in Bayern. „Die VERAH ist ein Erfolgsmodell. Es ist deshalb kontraproduktiv, andere Betreuungsformen außerhalb unserer Praxen zu subventionieren. Das wäre ein fatales Signal an die kommende Hausarztgeneration“, so der Facharzt für Allgemeinmedizin. Die Folgen wären zudem höhere Kosten und eine schlechtere Patientenversorgung aufgrund von mangelnder Abstimmung. Dr. Deinlein: „Bei den Facharztprüfungen sehen wir seit 10 Jahren ein deutlich zunehmendes Interesse an der Allgemeinmedizin. Diesen Trend sollte die Politik nicht durch einen falsch verstandenen Aktionismus und alternative Versorgungsmodelle wieder zunichte machen.“

Landrat Wolfgang Lippert: „Der Praxisbesuch hat deutlich gemacht, wo den Hausärztinnen und Hausärzten in der Region der Schuh drückt. Gemeinsam haben wir das Ziel, die medizinische Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger nachhaltig sicherzustellen. Die Forderung nach einem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Universität Regensburg kann ich deshalb nur unterstützen.“

MdL Dr. Fabian Mehring: „Wir müssen die hausarztzentrierte Versorgung weiter stärken“

 

TdHM Merhing bei Drs. BergerZum Vergrößern bitte klicken.

Alle Menschen in der Region haben ein Grundrecht auf eine vernünftige medizinische Versorgung. Eine wichtige Säule sind dabei die Hausärztinnen und Hausärzte, die für die Patienten der erste An-sprechpartner sind. Wir müssen deshalb die hausarztzentrierte Versorgung weiter stärken und junge Mediziner dazu animieren, sich in der Region Bayerisch-Schwaben niederzulassen“, erklärt Dr. Fabian Mehring. Der Landtagsabgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion Freie Wähler besuchte im Rahmen des 5. Tages der Hausarztmedizin die Landarztpraxis der Doktores Jakob und Johannes Berger in Herbertshofen im Landkreis Augsburg.

Dr. Jakob Berger, der auch Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes in Schwaben ist, erläuterte dem Abgeordneten, welche Maßnahmen jetzt dringend erforderlich seien, um die medizinische Versorgung nachhaltig sicherzustellen: „Wir müssen Medizinstudierende frühzeitig mit der Allgemeinmedizin in Kontakt bringen, um sie für eine spätere Niederlassung als Hausärztin oder Hausarzt zu begeistern. Gerade für unsere Region ist es deshalb wichtig, dass die neue medizinische Fakultät an der Universität Augsburg vom Start weg einen eigenen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin bekommt. Das entsprechende Berufungsverfahren muss deshalb schnellstmöglich gestartet werden.“

Zusätzlich müssten mehr Medizinstudienplätze in Bayern eingerichtet und der Numerus Clausus als große Hürde zum Medizinstudium abgeschafft werden, fordert Dr. Berger. „Der Masterplan 2020, der eine Stärkung der Allgemeinmedizin und eine Abkehr vom reinen Numerus-Clausus-System vorsieht, muss verzugslos umgesetzt werden. Außerdem hoffe ich, dass die von der Staatsregierung angekündigte Landarztquote schnell kommt und nicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.“

Die Zeit drängt. Zwar ist im sogenannten Planungsbereich Meitingen nördlich von Augsburg die medizinische Versorgung mit 39 Hausärzten für die 55.172 Einwohner im bayernweiten Vergleich noch überdurchschnittlich ausreichend, aber auch in dieser Region tickt die demographische Uhr. Ein Drittel der Hausärzte ist über 60 Jahre alt und wird in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen.

Dr. Berger: „Ich bekomme jede Woche Anrufe von verzweifelten Bürgermeistern aus ganz Schwaben, die dringend einen Hausarzt suchen. Wir müssen deshalb auch in unserer Region bereits jetzt gegensteuern und jungen Medizinern eine Perspektive geben, sich als Landarzt hier niederzulassen. Eine Grundvoraussetzung sind dafür die Hausarztverträge, die weiterentwickelt werden müssen. So sollten Versicherte, die sich in einen Hausarztvertrag einschreiben und damit einen festen Hausarzt als ersten Ansprechpartner wählen, dafür einen Bonus bekommen. Nur so können wir außerdem ein Ärztehopping vermeiden, das nicht nur hohe Kosten für die Allgemeinheit verursacht, sondern auch den Patienten nicht hilft.“

Drohender Nachwuchsmangel: Landrat Kurt Unger (SPD) informiert sich bei Dr. Detlef Fuchs

Feuchtwangen droht eine Unterversorgung von Hausärzten, hat die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) festgestellt. Um sich persönlich über die Lage der medizinischen Versorgung in der Region zu informieren, hat Kurt Unger, stellvertretender Landrat des Landkreises Ansbach, die Hausarztpraxis von Dr. Detlef Fuchs in Feuchtwangen besucht. Anlass war der 5. Tag der Hausarztmedizin. Rund um diesen Tag laden Hausärzte in ganz Bayern Politiker zur Praxisvisite ein.

TDHM Landrat Unger Dr. FuchsZum Vergrößern bitte klicken.

„Wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Ich konnte deutlich machen, dass uns Hausärzten der drohende Nachwuchsmangel auf den Nägeln brennt und dabei insbesondere die Frage, wie wir hausärztlichen Nachwuchs nach Feuchtwangen bringen können“, berichtet Dr. Detlef Fuchs über das Treffen mit dem SPD-Politiker.

Im Planungsbereich Feuchtwangen versorgen derzeit 12 Hausärzte die 23.536 Einwohner. Das entspricht einem Versorgungsgrad von nur 86,2 Prozent. Und die Zukunft, so Dr. Fuchs im Gespräch mit dem stellvertretenden Landrat, sieht eher düster aus. „Fünf der zwölf Kollegen sind über 60 Jahre alt. Wenn diese Kollegen in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, wird die Situation noch schwieriger“, so Dr. Fuchs. Der erfahrene Hausarzt hat sogar in Aurach die Praxis eines ausscheidenden Kollegen übernommen, um dort die Versorgung der Patienten weiterhin sicherzustellen. „Das sollte nur eine Übergangslösung sein, bis sich eine neue Kollegin oder ein neuer Kollege findet. Alleine ist diese Doppelbelastung eigentlich nicht zu stemmen“, so Dr. Fuchs.

Dabei habe die Region einiges zu bieten, so Kurt Unger: „Allerdings müssen diese Stärken besser herausgestellt werden.“ Eine Einschätzung, die auch Dr. Fuchs teilt: „Wir sollten bereits Medizinstudierende, zum Beispiel im Rahmen der Famulatur oder des Praktischen Jahres, in unsere Region bringen, um ihnen zu zeigen, wie lebenswert Feuchtwangen ist.“ Um die Politik bei der Niederlassung von jungen Medizinern auf dem Land zu unterstützen, hat der Bayerische Hausärzteverband über die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband bereits zwei Förderprogramme aufgelegt, damit Studierende Erfahrungen in einer Landarztpraxis sammeln können, ohne aufgrund der doppelten Kosten die Wohnung am Studienort aufgeben zu müssen.

Entscheidend sei aber, dass mehr Medizinstudienplätze in Bayern eingerichtet werden und der Numerus Clausus als große Hürde zum Medizinstudium abgeschafft wird. „Ein 1,0-Abiturient ist nicht unbedingt jemand, der später als Landarzt Verantwortung für eine ganze Region übernehmen will. Ich hoffe, dass die von der Staatsregierung angekündigte Landarztquote kommt und nicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.“Von der Bundespolitik fordert Dr. Fuchs außerdem, die Hausarztzentrierte Versorgung weiter zu entwickeln. „Versicherte, die sich in einen Hausarztvertrag einschreiben und damit einen festen Hausarzt als ersten Ansprechpartner wählen, sollten dafür einen Bonus bekommen. Nur so können wir ein Ärztehopping vermeiden, das nicht nur hohe Kosten für die Allgemeinheit verursacht, sondern auch den Patienten nicht hilft. Und gerade jungen Hausärzten bieten die Hausarztverträge eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive sich niederzulassen.“

Landrat Töpper auf Praxisvisite im Hausarztzentrum Grafenrheinfeld

HZ Grafenrheinfeld 05Zum Vergrößern bitte klicken.

Um sich persönlich über die Lage der medizinischen Versorgung in der Region zu informieren, hat Landrat Florian Töpper das Hausarztzentrum in Grafenrheinfeld besucht. Anlass war der 5. Tag der Hausarztmedizin. Rund um diesen Tag laden Hausärzte in ganz Bayern Politiker zur Praxisvisite ein. „Wir hatten ein sehr gutes Gespräch und konnten deutlich machen, wo uns Hausärztinnen und Hausärzten der Schuh drückt. Ein wichtiges Thema war für uns der drohende Nachwuchsmangel“, erzählt Dr. Jürgen Schott.

Auf den ersten Blick ist der südliche Landkreis von Schweinfurt noch gut mit Hausärzten versorgt. Die 53.837 Einwohner werden laut der Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns von 37 Hausärzten versorgt, was einem Versorgungsgrad von 110,8 Prozent entspricht. Nur: „Wir haben viele ältere Kollegen, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen werden. Wir brauchen deshalb dringend junge Kollegen als Nachfolger“, so Dr. Schott. Wie dramatisch die Situation wirklich ist, belegt ein zweiter Blick auf die Zahlen der KVB: 27 der 37 Hausärzte im südlichen Landkreis sind über 60 Jahre alt, also rund 73 Prozent. Zum Vergleich: Im bayerischen Durchschnitt sind „nur“ 35 Prozent der Hausärzte älter als 60 Jahre. Noch schlechter ist die Situation im nördlichen Landkreis. Hier werden die 44.776 Einwohner von nur 23 Hausärzten versorgt, was einem Versorgungsgrad von 74,5 Prozent entspricht. Und auch in Schweinfurt selbst besteht mittelfristig Handlungsbedarf. Zwar liegt hier der Versorgungsgrad noch bei 109,3 Prozent, aber elf der 43 Hausärzte sind über 60 Jahre alt.

HZ Grafenrheinfeld 06Zum Vergrößern bitte klicken.

„Wir müssen bereits Medizinstudierende, zum Beispiel im Rahmen der Famulatur oder des Praktischen Jahres, in unsere Region bringen, um ihnen zu zeigen, wie lebenswert der Landkreis Schweinfurt ist“, schlägt Dr. Schott dem Landrat eine Gegenmaßnahme vor, die in anderen Regionen mit Unterstützung des jeweiligen Landkreises bereits erfolgreich umgesetzt wird. Der Bayerische Hausärzteverband hat außerdem über die Stiftung Bayerscher Hausärzteverband zwei Förderprogramme aufgelegt, damit Studierende Erfahrungen in einer Landarztpraxis sammeln können, ohne aufgrund der doppelten Kosten die Wohnung am Studienort aufgeben zu müssen.

Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass nach der FAU Erlangen-Nürnberg mittlerweile auch die Universität Würzburg einen eigenen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin eingerichtet hat. „Das steigert das Ansehen der Allgemeinmedizin bei den Studierenden“, so Dr. Schott, dessen Gemeinschaftspraxis seit vielen Jahren Lehrpraxis ist und angehende Hausärzte ausbildet. Zusätzlich brauche es mehr Studienplätze und eine Abschaffung des Numerus Clausus als große Hürde zum Medizinstudium.
Von der Bundespolitik fordern die Hausärzte in Grafenrheinfeld außerdem, die Hausarztzentrierte Versorgung weiter zu entwickeln. „Versicherte, die sich in einen Hausarztvertrag einschreiben und damit einen festen Hausarzt als ersten Ansprechpartner wählen, sollten dafür einen Bonus bekommen. Nur so können wir ein Ärztehopping vermeiden, das nicht nur hohe Kosten für die Allgemeinheit verursacht, sondern auch den Patienten nicht hilft“, so Dr. Schott.

Landrat Florian Töpper: „Das Gespräch hat mich darin bestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, unseren Landkreis als Arbeits- und Lebensraum offensiv zu präsentieren. Beispielsweise haben wir mit unserer Rückkehrerkampagne ,Am Main daheim’ bereits ein erfolgreiches Format zur Gewinnung von Fachkräften. Nicht umsonst haben der Schweinfurter Oberbürgermeister Remelé und ich zudem die Gesundheitsregion plus initiiert, um spezifisch die Gesundheitsversorgung in den Mittelpunkt zu stellen. Hier werden wir gemeinsam mit der Ärzteschaft dafür werben, gerade im ländlichen Raum gesunde Strukturen zu bewahren. Es freut mich sehr, dass Dr. Schott und seine Kollegen hier als Partner zur Verfügung stehen. Gemeinsam können wir das ausstrahlen, was wir sind, starker ländlichen Raum mit Entfaltungsmöglichkeiten in jeder Hinsicht, auch für junge Mediziner.“

Tag der Hausarztmedizin 2018

Rund um den Tag der Hausarztmedizin am 7. Mai luden auch in diesem Jahr Hausärztinnen und Hausärzte Politiker aus ganz Bayern zum Besuch in ihre Hausarztpraxen ein.

MdL Klaus Holetschek (CSU): "Bei den Hausärzten laufen die Fäden der medizinischen Versorgung zusammen"

 
Dr. Berger HoletschekZum Vergrößern bitte klicken.

„Aufgabe einer verantwortungsbewussten Politik muss es sein, eine wohnortnahe Versorgung mit Leistungen von Hausärzten, Fachärzten und Apotheken sowie eine bedarfsgerechte Krankenhausversorgung flächendeckend in allen Landesteilen Bayerns nachhaltig sicherzustellen“, stellte Klaus Holetschek, CSU-Landtagsabgeordneter aus Memmingen und Bürgerbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, bei seinem Besuch in der Landarztpraxis von Dr. Johannes und Dr. Jakob Berger in Meitingen (Kreis Augsburg) im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin fest.

Ein wesentlicher Baustein, um eine flächendeckende medizinische Versorgung durch Hausärzten zu garantieren, sei aber die Weiterentwicklung der Hausarztverträge, erklärte Dr. Berger. „Wir brauchen Bonusanreize für Versicherte, die sich freiwillig in einen Hausarztvertrag einschreiben. Die HzV bietet gerade jungen Hausärztinnen und Hausärzten eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive sich niederzulassen, entlastet die Kassen durch unnötige Kosten für Doppel- und Falschuntersuchungen und garantiert den Patienten eine bessere Versorgung.“ So seien HzV-Hausärzte unter anderem verpflichtet, sich regelmäßig in allen hausarztrelevanten Themen weiterzubilden. „Davon profitieren alle Patienten, egal, ob sie in der HzV eingeschrieben sind oder nicht. Diese Mehrleistung können wir aber nur bieten, wenn wir die HzV weiter ausbauen.“

Dr. Berger2Zum Vergrößern bitte klicken.

Klaus Holetschek: „Bei den Hausärzten laufen die Fäden der medizinischen Versorgung zusammen. Bayern hat deshalb als eines der ersten Bundesländer ein Programm aufgelegt, mit dem die Niederlassung im ländlichen Raum gefördert wird. Inzwischen konnten 422 Mediziner bei der Praxisgründung unterstützt werden, davon 341 Hausärzte. Außerdem wird es an der neuen medizinischen Fakultät der Universität Augsburg gleich vom Start weg einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin geben. Auch dies ist eine Stärkung der Hausärzte.“

Ein weiteres Thema beim Praxisbesuch war die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH), die den Arzt bei Routinehausbesuchen entlasten kann. Dr. Berger warnte in diesem Zusammenhang die Politik davor, dieses Erfolgsmodell durch externe Anbieter zu torpedieren: „Das würde nur zu höheren Kosten und Abstimmungsproblemen führen. Die VERAH ist Teil des Praxisteams, hat einen engen Draht zum Hausarzt, kennt die Patienten und die Patienten kennen sie. Besser geht es nicht.“

Auch hier, so Dr. Berger, biete die Digitalisierung Chancen. „Unsere Tele VERAH hat in ihrem Rucksack mehrere digitale Messgeräte und kann vor Ort die wichtigsten Daten eines Patienten direkt in Echtzeit - und natürlich verschlüsselt - in die Praxis übermitteln und mit dem Hausarzt die weiteren Schritt besprechen.“

Klaus Holetschek, der auch Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag ist, versprach, diese Projekt zu unterstützen: „Im Zeitalter der Digitalisierung müssen wir zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger die Chancen nutzen, die sich durch die neue Technik ergeben.“

 

 

MdL Hermann Imhof (CSU): "Wir brauchen ein sektorenübergreifendes Denken"

 

„Die Hausärztinnen und Hausärzte sind elementar für unsere Gesellschaft. Jede Bürgerin und jeder Bürger hat einen Anspruch auf eine hochwertige medizinische Versorgung. Wir müssen deshalb alles tun, um die medizinische Versorgung in Stadt und Land durch Hausärzte nachhaltig sicherzustellen", sagt Bayerns Patienten- und Pflegebeauftragter Hermann Imhof. Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin hatte der CSU-Landtagsabgeordnete die Hausarztpraxis von Dr. Markus Beier in Erlangen besucht, um mit dem 1. Stellvertreter Vorsitzenden des Bayerischen Hausärzteverbandes über die Gesundheitspolitik zu sprechen.

Mdl ImenhofZum Vergrößern bitte klicken.



Dr. Beier: „Wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Viele Maßnahmen, die der Bayerische Hausärzteverband lange gefordert hatte und die mittlerweile von der Politik und der Kassenärztlichen Vereinigung umgesetzt worden sind, zeigen erste Erfolge, wie der gesetzliche Schutz der Hausarztverträge und die Reform des Bereitschaftsdienstes. Wir sehen mittlerweile ein steigendes Interesse bei den Studierenden am Beruf des Hausarztes."

Sorgen macht sich Imhof insbesondere im Pflegebereich: „Ich setze mich für eine radikale Wende in der Pflegepolitik ein, ansonsten wird das Pflegesystem zusammenbrechen." In den Kliniken und Pflege-Einrichtung des Freistaats fehle es allerorten an Personal, und von Seiten der Pflegekräfte höre er immer öfter, dass die Grenzen der Leistungsfähigkeit überschritten seien. "Das macht langfristig auch die motiviertesten Pflegekräfte mürbe und führt zum Ausstieg aus dem Beruf", warnte Imhof. Eine qualitätsvolle Pflege sei in vielen Fällen nicht mehr möglich. Bayern, sagte Imhof, brauche einen Pflegepakt, in dem alle Kräfte gebündelt werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Dr. Beier erklärte in diesem Zusammenhang das Erfolgsmodell VERAH. Die speziell weitergebildete Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis übernimmt für den Arzt unter anderem Routine-Hausbesuche. Dr. Beier: „Das VERAH-Modell funktioniert nur deshalb so ausgezeichnet, weil die VERAH Teil des Hausarztteams ist und tagtäglich eng mit dem Hausarzt zusammenarbeitet. Die VERAH kennt die Patienten. Und die Patienten kennen die VERAH. Ich warne deshalb vor Überlegungen, die Substitution von nicht-ärztlichen Leistungen an Drittanbieter auszulagern. Das führt nur zu Abstimmungsproblemen und geht auf Kosten der Patienten. Eine Substitution lehnen wir deshalb ab."

Ein weiteres Thema des Vier-Augen-Gesprächs war die Digitalisierung, die, so waren sich Imhof und Dr. Beier einig, vor dem Bereich Gesundheit und Pflege nicht Halt machen werde. Imhof: „Der Gesetzgeber muss dieser Entwicklung standhalten. Er muss sie gestalten und darf nicht von ihr getrieben sein. Wir brauchen ein sektorenübergreifendes Denken und müssen die künstliche Trennung von Gesundheit und Pflege überwinden."

 

 

 

Bundestagsabgeordneter Harald Weinberg (DIE LINKE): "HzV-Patienten sollten Bonus erhalten"

MdL Harald Weinberg Dr. Markus BeierZum Vergrößern bitte klicken.

Klare Unterstützung für die Hausarztverträge: „Alle Versicherten, die sich freiwillig in einen Hausarztvertrag einschreiben, sollten auch einen Bonus erhalten. Zum Beispiel, in dem sie von der Medikamentenzuzahlung befreit werden“, erklärt Harald Weinberg und unterstützt damit eine zentrale Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes. Der Bundestagsabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE besuchte im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin die Praxis Dr. Markus Beier in Erlangen, um mit dem 1. Stellvertretenden Vorsitzenden des Bayerischen Hausärzteverbandes über Gesundheitspolitik zu sprechen.

Weinberg2Zum Vergrößern bitte klicken.

Zum Hintergrund: In Baden-Württemberg befreien bereits mehrere Krankenkassen ihre HzV-Versicherten von der Medikamentenzuzahlung. Und in Bayern belohnt die Bosch BKK die Einschreibung in den Hausarztvertrag mit 40 Euro pro Jahr. Dr. Markus Beier: „Die Hausarztverträge sind der richtige Weg, um eine qualitativ hochwertige Hausarztmedizin auch in der Zukunft allen Bürgerinnen und Bürgern zuteil werden zu lassen. Ein wichtiger Meilenstein ist dafür ein im Gesetz verankertes Bonussystem.“

Thematischer Schwerpunkt in dem Vier-Augen-Gespräch war die Frage, wie die hausärztliche Versorgung in Stadt und Land auch in Zukunft sichergestellt werden kann. Einig waren sich MdB Weinberg und Dr. Beier, dass junge Hausärztinnen und Hausärzte dringend gebraucht werden. „Der Numerus Clausus hat ausgedient. Wir brauchen andere Zugänge zum Medizinstudium, um genau die jungen Menschen zu finden, die sich später unter anderem als Hausärztin oder Hausarzt niederlassen wollen“, so Harald Weinberg, der aber gleichzeitig spezielle Landarztprogrammen eher kritisch sieht, „weil nicht sicher ist, ob sich der eine oder andere später nicht freikauft“. Dr. Beier warnte in diesem Zusammenhang vor vermeintlich schnellen Lösungen.

„Wir haben die Talsohle durchschritten und sehen ein steigendes Interesse unter Medizinstudierenden an einer späteren Karriere als Facharzt für Allgemeinmedizin. Aber bis sich das in der Praxis auswirkt, werden noch Jahre vergehen. Was wir jetzt nicht brauchen, sind Schnellschüsse, wie ein Physician Assistant als Doktor Light, oder die Delegation von medizinischen Leistungen an externe Dienstleister.“ Stattdessen, so Dr. Beier, solle die VERAH weiter gestärkt werden. Die speziell weitergebildete Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis entlastet den Hausarzt unter anderem bei Routine-Hausbesuchen. Vorteil gegenüber externen Anbietern: Die VERAH ist Teil des Hausarzt-Teams und kennt die Patienten oft seit Jahren.  Mittlerweile, so stellte Dr. Beier dem Bundestagsabgeordneten vor, habe man die VERAH zur Tele-VERAH weiterentwickelt. Mit modernster Computertechnik kann die VERAH so direkt mit dem Hausarzt kommunizieren und in Echtzeit – und verschlüsselt – alle wichtigen Untersuchungsdaten übermitteln.

 

 

Landtagsabgeordneter Prof. Dr. Peter Bauer (Freie Wähler): "Ich möchte aus erster Hand wissen, wo der Schuh drückt"

2018 05 Prof. Bauer Dr. BüttnerZum Vergrößern bitte klicken.

Prof. Dr. Peter Bauer, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler und Mitglied im Gesundheitsausschuss, hat im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin die Praxis von Dr. Jürgen Büttner in Roth besucht, der sich als Schatzmeister und Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes seit Jahrzehnten berufspolitisch engagiert.

Dr. Jürgen Büttner: „Wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Prof. Bauer ist in Franken daheim und weiß aus seiner Arbeit als Landtagsabgeordneter, wie entscheidend für die Bürgerinnen und Bürger es ist, die flächendeckenden hausarztzentrierte Versorgung in Stadt und Land nachhaltig für die Zukunft zu erhalten.“

Prof. Bauer: „Als Gesundheitspolitiker trete ich dafür ein, allen Menschen eine wohnortnahe medizinische Versorgung auf hohem Niveau zu sichern. Der Hausarzt als ,Lotse’ im Gesundheitswesen hat sich bewährt und ist unverzichtbar. Deshalb habe ich wie im Vorjahr die Chance genutzt, um im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin eine Hausarztpraxis zu besuchen und direkt vor Ort mit dem Hausarzt zu sprechen. Ich möchte aus erster Hand wissen, wo der Schuh drückt “

Dr. Büttner erläuterte Prof. Bauer, wie wichtig die Hausarztverträge insbesondere bei der Nachwuchsgewinnung sind: „Gerade junge Medizinerinnen und Mediziner brauchen eine wirtschaftlich sinnvoll Perspektive, um sich niederzulassen. Wir müssen die Hausarztverträge weiterentwickeln und zum Beispiel ein Bonussystem für Versicherte einführen, die sich in die HzV einschreiben.“ Dieser Vorschlag fiel bei Prof. Bauer auf durchaus fruchtbaren Boden. „Die hausarztzentrierte Versorgung ist ein wichtiger Bestandteil in unserem Gesundheitssystem und sollte weiter gestärkt werden. Unter Beibehaltung der freien Arztwahl kann es deshalb zielführend sein, Patienten, die sich freiwillig in die HzV einschreiben, einen Bonus zu gewähren.“

2018 05 Praxisbesuch Dr. Büttner Prof. BauerZum Vergrößern bitte klicken.

Einig waren sich Prof. Bauer und Dr. Büttner auch in der Forderung nach mehr Studienplätzen sowie nach Lehrstühlen für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten. Prof. Bauer: „Auch in Augsburg und in Regensburg müssen Lehrstühle für Allgemeinmedizin schnellstmöglich eingerichtet werden. Wir brauchen in einer immer älter werdenden Gesellschaft mehr Hausärztinnen und Hausärzte.“

In diesem Zusammenhang warnte Dr. Büttner eindringlich vor Ideen in der Politik, medizinische Aufgaben an Nicht-Ärzte außerhalb der Praxen zu delegieren, um so den Hausarztmangel vermeintlich zu lindern. Dr. Büttner: „Die Zeche würden am Ende unsere Patientinnen und Patienten zahlen. Mit unseren VERAHs, den speziell weitergebildeten Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis, haben wir eine weitaus bessere Lösung, da VERAH und Hausarzt eng zusammenarbeiten und beide die Patienten kennen. Das VERAH-Modell hat sich längst bewährt.“

Fazit von Prof. Bauer: „Der Praxisbesuch und das offene Gespräch mit Dr. Büttner haben mir wieder deutlich gemacht, wie wichtig die hausärztliche Versorgung für alle Menschen ist und dass es
noch viel zu tun gibt, um die Probleme der Unterversorgung in bestimmten Gebieten Bayerns und die Nachfolge von Hausärzten zu lösen.“

Landtagsabgeordneter Bernhard Seindenath (CSU): "„Wir müssen deshalb bewusst das Thema Hausarzt als Schwerpunkt setzen“

Grassl Seidenath RitterZum Vergrößern bitte klicken.

„Eine überall im Land ausreichende medizinische Versorgung dauerhaft sicherzustellen, ist eines der drängendsten politischen Themen, die wir in Bayern haben. Wir müssen deshalb bewusst das Thema Hausarzt als Schwerpunkt setzen“, sagt Bernhard Seidenath. Der Landtagsabgeordnete der CSU ist unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag und
Mitglied des Landesgesundheitsrates. Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin besuchte der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Dachau die Gemeinschaftspraxis Dr. Grassl in München, um mit Dr. Christoph Grassl und Dr. Wolfgang Ritter über die aktuellen Herausforderungen in der Gesundheitspolitik zu sprechen.

Schnell einig waren sich die drei Gesprächspartner in der Forderung nach mehr Medizin-Studienplätzen. Seidenath: „Wir haben derzeit knapp 13.000 Medizinstudienplätze in Deutschland. Allein in der neuen Medizinfakultät an der Universität Augsburg werden ab 2019 binnen sechs Jahren 1500 neue Studienplätze entstehen. Bayern kann aber nicht für ganz Deutschland Mediziner ausbilden, deshalb brauchen wirbundesweit mehr Medizinstudienplätze – und für Bayern die Landarztquote, um jenen jungen Menschen bevorzugt einen Medizinstudienplatz zu geben, die sich später auch bei uns auf dem Land niederlassen wollen.“

Dr. Grassl und Dr. Ritter berichteten, dass sich die Anstrengungen der vergangenen Jahre, junge Menschen für den Hausarztberuf zu begeistern, mittlerweile positiv auswirken. „Wir haben die Talsohle durchschritten. Es gibt wieder ein verstärktes Interesse, Hausarzt zu werden, da sich viel getan hat. Die Hausarztverträge bieten gerade jungen Medizinern eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive sich niederzulassen, und nicht zuletzt die Reform des Bereitschaftsdienstes hat dazu geführt, dass der Beruf des Hausarztes familienfreundlicher geworden ist.“

Gleichzeitig warnten die beiden Hausärzte aber davor, dieses zarte Pflänzchen durch einen falschen politischen Aktionismus wieder kaputt zu machen.
„Wir Hausärztinnen und Hausärzte brauchen keinen Physician Assistant und keinen Facharzt für Geriatrie, weil damit die wachsende Attraktivität des Hausarztberufes auf einen Schlag zunichte gemacht werden würde. Und wir
brauchen auch keine externen Anbieter für Routine-Hausbesuche. Wegen der Abstimmungsprobleme würde dies nur auf Kosten unser Patienten gehen. Gerade in diesem Bereich sind wir über unsere VERAHS, die Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis, bestens aufgestellt.“

 

CSU-Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler zu Gast bei Dr. Jürgen Büttner

 

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Sie kam um zuzuhören: Marlene Mortler, CSU-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Roth/Nürnberger Land und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, besuchte im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin die Praxis von Dr. Jürgen Büttner in Roth. „Ich habe im Gespräch mit Frau Mortler unter anderem deutlich gemacht, dass die im Koalitionsvertrag niedergeschriebene Ausweitung der Sprechstundenzeiten von 20 auf 25 Stunden pro Woche eine Bumerang wird. Die Sprechstundenzeiten sind nur ein Teil unserer Arbeitszeit und eine Ausweitung würde unter anderem dazu führen, dass wir weniger Hausbesuche machen können. Auch wäre dies ein negatives Signal an junge Mediziner, sich als Facharzt für Allgemeinmedizin niederzulassen“, so Dr. Büttner, der auch Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes ist.

Dr. Büttner weiter: „Auch Terminvergabestellen für Haus- und Kinderärzte, wie es im Koalitionsvertrag heißt, sind unnötig und kontraproduktiv. Jeder Patient weiß, dass er bei einer akuten Erkrankung keinen Termin braucht und einfach zu uns in die Praxis kommen kann.“

Sehr erfolgreich, so Dr. Büttner, entwickle sich die Delegation medizinischer Aufgaben an die speziell weitergebildeten Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis. Rund zweitausend VERAHs sind mittlerweile in Bayern im Einsatz. „Die VERAH gehört zum Team der Hausarztpraxis und übernimmt für den Hausarzt unter anderem Routine-Hausbesuche. Sie kennt die Patienten und die Patienten kennen sie. Eine Delegation an externe Anbieter würde nur zu Abstimmungsproblemen und höheren Kosten führen und wäre auch kontraproduktiv für die Patienten“, erklärt Dr. Büttner.

Weitere Themen des Praxisbesuches waren Bonusanreize für Patienten, die sich in einen Hausarztvertrag (HzV) einschreiben, die schnelle und konsequente Umsetzung des Masterplans 2020, um junge Medizinstudierende für die Allgemeinmedizin zu begeistern sowie die schnelle Einrichtung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin auch an den Universitäten in Augsburg und Regensburg.

Nach dem Praxisbesuch zeigte Dr. Büttner der Bundestagsabgeordnete vor Ort im Altenheim Hans-Roser-Haus Roth, welche – eigentlich vermeidbaren – Probleme es in der täglichen Arbeit gibt: „Für jeden Patienten erstelle ich den Medikationsplan digital. Da die Computerprogramme im ambulanten und stationären Bereich nicht kompatibel sind, muss der Medikationsplan von einer Mitarbeiterin abgeschrieben und in das andere System überführt werden. Das ist eine Fehlerquelle, die wir unbedingt schließen sollten“, warnt Dr. Büttner.

Die Bundestagsabgeordnete versprach, auch dieses Thema mit nach Berlin zu nehmen, und zog anschließend ein positives Fazit ihres Praxisbesuchs.

Marlene Mortler: „Die Hausärztinnen und Hausärzte sowie deren Mitarbeiterinnen leisten Tag für Tag hervorragende Arbeit. Gerade in ländlichen Räumen und für ältere Patienten ist es unentbehrlich, eine Hausarztpraxis in der Nähe zu haben. Ich werde mich deshalb weiterhin mit großem Engagement für die flächendeckende hausärztliche Versorgung in Stadt und Land einsetzen. Der Bund und der Freistaat Bayern haben hier bereits wichtige Weichen gestellt, wie zum Beispiel die gesetzlich verankerte Sicherung der Hausarztverträge im Fünften Sozialgesetzbuch. Angesichts des demografischen Wandels dürften wir allerdings in unseren Bemühungen nicht nachlassen. Wir brauchen mehr Medizin-Studienplätze und mehr Medizinstudierende, die Hausarzt werden wollen.“

 

Landtagsabgeordneter Dr. Karl Vetter (Freie Wähler): "Wir brauchen in Bayern mehr Medizin-Studienplätze"

MdL Dr. Karl VetterZum Vergrößern bitte klicken.

Dr. Karl Vetter, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler und Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Pflege, besuchte anlässlich des Tages der Hausarztmedizin die Hausarztpraxis von Annette Pazdernik in Roding im Landkreis Cham. Ein wichtiges Gesprächsthema: Der Nachwuchsmangel bei den Hausärzten, insbesondere auf dem Land.

Annette Pazdernik: „In der Oberpfalz wird es für die Kollegen immer schwieriger einen geeigneten Nachfolger zu finden. In Roding haben wir zwar auf dem Papier einen Versorgungsgrad von 110 Prozent, aber diese Zahl trügt. Über 40 Prozent der Hausärzte in Roding sind über 60 Jahre alt und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Wir stehen also vor der großen Herausausforderung, die hausärztliche Versorgung nachhaltig sicherzustellen.“

Dr. Karl Vetter: „Wir brauchen in Bayern mehr Medizin-Studienplätze, um Nachfolger für die Praxen zu haben. Und wir müssen die ländlichen Regionen gezielt stärkt, damit das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land nicht noch größer wird.“ Wichtig sei es außerdem, so der Landtagsabgeordnete, die Allgemeinmedizin bereits im Studium zu stärken. Dr. Vetter: „Gerade in der Oberpfalz werden Hausärzte händeringend gesucht. Deshalb ist es dringend geboten, dass auch die Universi-tät Regensburg den anderen Hochschulen in Bayern folgt und einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin einrichtet.“

Bei dem Praxisbesuch war auch Pazderniks Kollege Dr. Andreas Korschofsky anwesend, der als Allgemeinarzt in Arnschwang niedergelassen ist. Die beiden Ärzte berichteten Dr. Vetter auch von der aktuellen Bereitschaftsdienstreform, die in ihrem Bereich positiv verlaufe. Annette Pazdernik: „Die Dienstbelastung hat sich deutlich verringert – was ein weiteres Argument für junge Mediziner ist, sich auf dem Land als Hausärztin oder Hausarzt niederzulassen.“

 

 

MdL Ruth Waldmann (SPD) auf Praxisbesuch bei Dr. Wolfgang Ritter in München: "Hausärztemangel nicht nur auf dem Land!“

MdL Ruth Waldmann Dr. Wolfgang RitterZum Vergrößern bitte klicken.

Der drohende Hausarztmangel auf dem Land ist mittlerweile Top-Thema in der Politik. Doch auch in der Stadt fehlen Hausärzte. So seien die nördlichen Stadtteile von München untersorgt, stellte die SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann fest: „Fahren Sie mal als Mutter mit einem fiebrigen Kind eine halbe Stunde mit der U-Bahn in die Stadt, um die nächste Praxis zu erreichen. Oder als alter Mensch, dessen Mobilität mittlerweile eingeschränkt ist.“

Dr. Ritter ist kooptiertes Mitglied im Landesvorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes und Delegierter des Bezirks München. Sein Fazit nach dem Gespräch mit der Gesundheitspolitikerin: „Wir sind uns einig, dass wir mehr Medizin-Studierende brauchen, die sich später als Facharzt für Allgemeinmedizin niederlassen. Wir sind hier auf einem guten Weg und spüren ein stärkeres Interesse unter den Studierenden am Hausarztberuf. Doch das braucht Zeit. Die Politik sollte jetzt nicht auf vermeintlich schnelle Lösungen setzen. Wir Hausärztinnen und Hausärzte brauchen keinen Physician Assistant und keinen Facharzt für Geriatrie. Wir brauchen auch keine externen Anbieter für Routine-Hausbesuche, da wir diesen Bereich bereits hervorragend über unsere VERAHS, die Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis, abdecken.“

Auf offene Ohren stieß Dr. Ritter bei der Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann auch mit der Forderung nach alternativen Zugangsregeln zum Medizin-Studium anstelle des Numerus Clausus und nach der sofortigen Einrichtung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin auch an den Universitäten in Augsburg und Regensburg. „Wir müssen die Allgemeinmedizin frühzeitig im Studium verankern. Nur so können wir Studierende für eine spätere Karriere als Fachärztin oder Facharzt für Allge-meinmedizin begeistern“, erklärt Dr. Ritter.

Wichtig sei es auch, die Hausarztverträge weiterzuentwickeln, so Dr. Ritter: „Wir brauchen ein Bonussystem für Patienten, die sich freiwillig in einen Hausarztvertrag einschreiben. Gerade in Mün-chen erleben wir, dass Versicherte völlig ungesteuert von einem Facharzt zum anderen pilgern. Das ist nicht nur teuer, sondern bringt auch nicht immer den erwünschten Erfolg. 80 Prozent alle Fälle lösen wir Hausärztinnen und Hausärzte selbst. 20 Prozent der Patienten schicken wir zum richtigen Facharzt und koordinieren, weil es sich meist um multimorbide Patienten handelt, die gesamte Behandlung. Dabei haben wir immer den ganzen Menschen im Blick.“

Ruth Waldmann: „Bei den vielen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürger erlebe ich täglich, wie wichtig eine gute medizinische Versorgung für die Menschen ist. Vom drohenden Hausarzt-mangel sind allerdings nicht nur die ländlichen Regionen betroffen, sondern auch innerhalb großer Städte wie München, Nürnberg oder Augsburg gibt es Stadtviertel mit akutem Mangel an Hausärz-ten. Hier herrscht eine sehr ungleiche Verteilung. Auch hier muss die Politik handeln. Generell wird es keine einfachen oder schnellen Lösungen geben. Wir brauchen einen langen Atem – auch das nehme ich aus meinem Besuch in der Hausarztpraxis für meine politische Arbeit mit.“

CSU-Landtagsabgeordnete Carolina Trauter: "Wir brauchen schnellstmöglich einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin!"

MdL Carolina Trauter2Zum Vergrößern bitte klicken.

Mit dem Start des Lehrbetriebes an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg im Wintersemester 2019/2020 brauchen wir schnellstmöglich einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin“, stellt Carolina Trautner, Staatssekretärin im Bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus, klar und unterstützt damit eine wichtige Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes. Die CSU-Landtagsabgeordnete aus Augsburg besuchte im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin die Gemeinschaftspraxis von Maria Stich und Stefanie Berger in Thierhaupten im Landkreis Augsburg.

In der Fugger-Stadt wird ein Modellstudiengang implementiert, der das übliche Vorklinikum, also die natur- und sozialwissenschaftliche Ausbildung in den ersten Semestern, mit der medizinischen Ausbildung verknüpft, um frühestmöglich Kompetenzen im Umgang mit Patienten aufzubauen.

„Gerade dieser innovative Modellstudiengang verlangt die frühe Einbindung der Allgemeinmedizin. Ich werde deshalb auf die neue Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Marion Kiechle zugehen. Wir brauchen möglichst gleich zum Start des Lehrbetriebs einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, um den Medizin-Studierenden zu zeigen, dass es eine gute Entscheidung sein kann, sich später als Hausarzt niederzulassen. Am besten natürlich in der Region Augsburg“, so Carolina Trautner, die auch Mitglied im Kuratorium der Hochschule Augsburg ist.

Vor ihrer politischen Karriere hatte Carolina Trautner in Würzburg Pharmazie studiert und später als Apothekerin gearbeitet. Seit 1988 ist sie mit dem Internisten Dr. Hans Trautner verheiratet.

MdL Carolina Trauter Maria Stich Stefanie BergerZum Vergrößern bitte klicken.

Das Paar hat zwei mittlerweile erwachsene Kinder. Bei ihrem Besuch in Thierhaupten zeigte sich die CSU-Landtagsabgeordnete besonders beeindruckt von der neuen Praxis, die die beiden Hausärztinnen aufgebaut haben: „Die Bürgerinnen und Bürger von Thierhaupten und Umgebung profitieren von dieser modernen und technisch hochwertig eingerichteten Praxis. Damit ist in dieser Region die hausarztzentrierte Versorgung nachhaltig gesichert. Bemerkenswert finde ich, dass die beiden Hausärztinnen je zwei kleine Kinder haben. Das zeigt, dass sich im Beruf des Landarztes vieles zum Guten geändert hat und es heute möglich ist, Beruf und Familie in Einklang zu bringen.“

„Wir haben unsere Kinder zwar fast zeitgleich bekommen, konnten uns aber gegenseitig gut vertreten. Hausarzt zu sein, ist immer noch unser Traumberuf“, erzählen Maria Stich und Stefanie Berger. Ein wesentlicher Punkt für ihre Entscheidung, sich in der Region niederzulassen, seien die Hausarztverträge, die der Gesetzgeber mittlerweile nachhaltig im SGB V verankert hat. „Damit wird unser Umsatz planbarer, und wir sind besser in der Lage, in die Praxis nachhaltig zu investieren“, erklärten die beiden Hausärztinnen.

Maria Stich und Stefanie Berger haben ihre Praxis gemeinsam gestaltet und dabei besonderen Wert auf die Arbeitsbedingungen gelegt. „Wir setzen stark auf Teamwork und auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mehrere unserer Medizinischen Fachangestellten haben sich mittlerweile zur VERAH, also zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, weitergebildet und können uns bei Routine-Hausbesuchen entlasten“, berichteten die beiden Hausärztinnen der Gesundheitspolitikerin und warnten davor, diese Erfolgsmodell namens VERAH zu gefährden. „Wir brauchen keine externen Anbieter, die Hausbesuche übernehmen. Das würde nur zu höheren Kosten und Abstimmungsproblemen führen. Allein in Bayern gibt es mittlerweile rund 2000 VERAHs. Als Teil unseres Teams kennt die VERAH die Patienten und die Patienten kennen sie. Besser geht es nicht.“

 

 

Grünen-Politiker Thomas Gehring zu Gast bei Allgemeinarzt Boris Ott

2018 05 23 Dr. Boris Ott und MdL Thomas GehringZum Vergrößern bitte klicken.

„Ärzte, die das Allgemeinbefinden ihrer Patienten im Auge haben und Hausbesuche machen sind mir wichtig und wir müssen darauf achten, dass sie auch im ländlichen Raum heute und in Zukunft ihren Beitrag zur ärztlichen Versorgung der Bevölkerung leisten können“, erklärt der Allgäuer Landtagsabgeordnete Thomas Gehring. Im Rahmen des Tags der Hausarztmedizin besuchte der Grünen-Politiker die Allgemeinarztpraxis von Boris Ott in Blaichach um über aktuelle gesundheitspolitische Themen zu diskutieren.

Boris Ott wies darauf hin, dass neben der notwendigen Spezialisierung der Fachärzte auch Allgemeinärzte notwendig sind, die ihre Patienten und deren Umfeld kennen und eben den „ganzen Menschen“ im Blick haben. „In einer Allgemeinarztpraxis können wir eine große Bandbreite an Untersuchungen durchführen, mit den Hausbesuchen betreuen wir vor allem chronisch kranke und alte Menschen“.

Allerdings entscheiden sich im Verhältnis zu früher weniger junge Mediziner für den Weg der Allgemeinmedizin, so dass in vielen Regionen Nachwuchsmangel an ausgebildeten Hausärzten besteht. Auch im Oberallgäu finden einige Hausärzte keine Nachfolger. Um die Allgemeinmedizin für Studierenden attraktiver zu getsalten verweist Boris Ott auf die notwendige Umstrukturierung des Lehrplans: „Im Medizinstudium wird viel zu wenig vermittelt, welche Vielseitigkeit die Allgemeinmedizin mit sich bringt. Oft wird dann erst in der Famulatur gesehen, was wir wirklich alles machen“. Es sei daher wichtig auch während dem Studium einen praxisorientierten Zugang zur Allgemeinmedizin zu schaffen. 

Doch es gibt auch positive Entwicklungen, so habe sich laut Boris Ott das Image der Allgemeinmedizin deutlich gebessert: „Früher musste man sich noch anhören "Barfuß-Medizin" zu betreiben, das hat sich mittlerweile geändert".

Um die ärztliche Versorgung auf dem Land zu sichern, waren auch mögliche Zukunftsmodelle Thema des gemeinsamen Gesprächs: „Oft sind es die jungen Kolleginnen, die mit der Übernahme einer Praxis hadern“, erklärt der Allgemeinarzt Boris Ott. So bräuchten etwa auch Frauen flexiblere Arbeitszeitmodelle. Um der Versorgungsknappheit auf dem Land entgegenzusteuern sei zu überlegen, ob nicht Kommunen freiwerdende Hausarztpraxen aufkaufen und diese dann mit mehreren Allgemeinärztinnen und – ärzten besetzt werden können. Boris Ott: „Die Übernahme eines Medizinischen Versorgungszentrums durch die Gemeinde könnte den Bestand der Allgemeinärzte in Zukunft sichern“.

Insgesamt kann Boris Ott "sehr positiv" auf das Gespräch zurückblicken und auch Lantagsabgeordneter Thomas Gehring konnte überzeugt werden: „Zu einer guten medizinischen Versorgung gehören auch in Zukunft die Spezialisten für das Allgemeine und unseren Hausärztinnen und Hausärzte des Vertrauens, deshalb müssen wir die politischen Rahmenbedingungen dafür schaffen“.

 

Tag der Hausarztmedizin 2017

Im Wahljahr 2017 hat der Bayerische Hausärztetag den Tag der Hausarztmedizin am 7. Mai zum Anlass genommen, Politiker unterschiedlicher Parteien in bayerische Hausarztpraxen einzuladen.

CSU-Politiker Reiner Meier für Lehrstuhl Allgemeinmedizin in Regensburg

 

Reiner Meier 3 kZum Vergrößern bitte klicken.

Politische Praxisvisite bei Dr. Peter Deinlein im oberpfälzischen Kemnath:  Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin besuchte der CSU-Bundestagsabgeordnete Reiner Meier die Gemeinschaftspraxis, um mit Dr. Peter Deinlein über gesundheitspolitische Fragen zu diskutieren. Sichtlich beeindruckt zog der Abgeordnete nach seinem Besuch eine positive Bilanz und kündigte an, einige Themen politisch aufzugreifen.

Reiner Meier: „Ich freue mich über das große Engagement der Hausärzte für eine flächendeckende Versorgung. Mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 stärken wir die Allgemeinmedizin bereits im Studium und fördern eine Entscheidung für den Beruf des Hausarztes. Auch in der Oberpfalz wünsche ich mir eine Vertretung der Allgemeinmedizin an der Universität Regensburg durch einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin.“

Eher zurückhalten kommentierte Meier dagegen die Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes, Patienten, die sich in die HzV einschreiben, einen Bonus zu gewähren. „Die CSU-Landesgruppe hat sich vor drei Jahren erfolgreich für die Abschaffung der gesetzlichen Honorarobergrenze eingesetzt. Von einer verpflichtenden Bonusregelung bin ich noch nicht ganz überzeugt. Es stünde im Widerspruch zur besseren Versorgungsqualität in HzV-Verträgen und könnte Versicherte zu der Annahme verleiten, ihnen würde ein Billig-Vertrag verkauft. Das sollte nicht unser Ziel sein“, so Reiner Meier, der auch Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestages ist.

Da Meier persönlich tief in der nördlichen Oberpfalz verwurzelt ist, steht die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Stadt und Land bei ihm ganz oben auf der Agenda. Der Abgeordnete auf die Frage, welche Vorschläge er unterstützt, um diese wichtige Herausforderung zu meistern: „Mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 hat der Gesetzgeber das Ziel formuliert, die Hausarztversorgung in der Ausbildung zu stärken. Seit einigen Jahren hat der Freistaat Bayern zusätzlich Förderprogramme für Niederlassungen auf dem Land aufgelegt, von der auch die Allgemeinmedizin sehr profitiert. Am Ende muss aber das Landleben für junge Ärzte attraktiv sein, damit möglichst viele dort sesshaft werden. Dazu gehört für mich eine gute Infrastruktur, kulturelle Angebote und eine starke Wirtschaft, die auch für Partnerinnen und Partner entsprechende Jobs bereithält.“

Grünen-Politiker Ulrich Leiner offen für HzV-Bonus

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„Es gibt noch Hausärzte, denen ihr Beruf noch Spaß macht und die mit viel Engagement ihren Beruf ausüben. Mein wesentlicher Eindruck beim Besuch der Praxis Dr. Conradi war, dass dort ein gut zusammenarbeitendes Team tätig ist und sich um die Patienten kümmert“, so die Bilanz des Landtagsabgeordneten Ulrich Leiner.

Der Sprecher für Gesundheit und Pflege der Grünen hatte im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin mit Dr. Marco Conradi in dessen Praxis in Sonthofen über aktuelle gesundheitspolitische Themen diskutiert.
Der Grünen-Politiker zeigte sich dabei auch offen für die Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes, Patienten, die sich in einen Hausarztvertrag einschreiben, einen Bonus zu gewähren.

Ulrich Leiner: „Die hausarztzentrierte Versorgung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Gesundheitsversorgung. Der Hausarzt soll nach unserer Meinung den Einstieg in die ärztliche Versorgung darstellen und die Patienten gegebenenfalls in die Fachbereiche überweisen. Den Patienten einen Bonus für den hausärztlichen Erstbesuch zu gewähren, sollte sorgfältig geprüft werden. Vorstellbar wäre Modellversuche und deren Evaluierung.“

Das Wichtigste sei die qualitativ hochwertige Versorgung der Patientinnen und Patienten, stellte der Landtagsabgeordnete fest und unterstrich dabei das Potential, das die Hausarztverträge bieten: „Sollten sich die positiven Auswirkungen der hausarztzentrierten Versorgung auch in anderen Bundesländern bestätigen, werden vermutlich die Krankenkassen ganz von selbst ein starkes Eigeninteresse an diesen Verträgen entwickeln“, so Leiner.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Stadt und Land. Der Grünen-Politiker forderte in diesem Zusammenhang eine breite Unterstützung für die Allgemeinmedizin.

Ulrich Leiner: „Motivierte und gut qualifizierte Hausärztinnen und Hausärzte halten wir für unverzichtbar für ein funktionierendes Gesundheitssystem. Deshalb sprechen wir uns dafür aus, den Stellenwert der Allgemeinmedizin an den medizinischen Fakultäten zu stärken. Dazu bedarf es auch, dass jede medizinische Universität in Bayern einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin mit entsprechender Ausstattung hat.“

Neben Politik und Hochschulen sei aber auch die Selbstverwaltung gefordert, so Ulrich Leiner: „Werden junge Mediziner gefragt, weshalb sie sich nicht für eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin entscheiden, werden häufig die Verschuldung bei Praxisgründung, die ausufernden Arbeitszeiten und auch die Diskrepanz zwischen den hohen Anforderungen an die Hausärzte einerseits und ihre im Vergleich zu anderen Fachrichtungen niedrige Vergütung andererseits genannt. Diese Probleme können nicht alleine von Bund und Ländern und schon gar nicht per "Knopfdruck" gelöst werden. Wesentlich beitragen können sie aber zur Schaffung von Rahmenbedingungen, die die Entscheidung für den Hausarztberuf wieder wahrscheinlicher machen. Dazu gehört die Förderung kooperativer Versorgungsformen, die jungen Hausärzten ermöglichen, ihrem Beruf ohne die Gefahr finanzieller und zeitlicher Überbeanspruchung nachzugehen. Und dazu gehört auch der verbindliche Auftrag an die Selbstverwaltung, ein Honorarsystem zu entwickeln, das die besonderen Leistungen der Primärversorgung, also die Team-, Präventions-, Koordinations-, Kooperations- und Managementleistungen, berücksichtigt.“

SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner: „Hausarztverträge sind richtig und wichtig!“

Dr. Alexander Wiedemann Kathrin SonnenholznerSonoZum Vergrößern bitte klicken.

Im Rahmen des Tages der Allgemeinmedizin haben Politiker auf Einladung des Bayerischen Hausärzteverbandes Allgemeinarztpraxen besucht, um sich vor Ort ein Bild über die medizinische Versorgung zu machen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner ist selbst Ärztin und hat mit Dr. Alexander Wiedemann in dessen Praxis in Eichenau bei Fürstenfeldbruck über aktuelle Themen der Gesundheitspolitik gesprochen. Kathrin Sonnenholzner leitet als Vorsitzende den Landtagsausschuss für Gesundheit und Pflege und ist stellvertretende Vorsitzende des Landesgesundheitsrates. Im Anschluss zog die SPD-Politikerin im Interview Bilanz.

Frau Sonnenholzner, was nehmen Sie aus dem Praxisbesuch für Ihre politische Arbeit mit?

Kathrin Sonnenholzner: Wie auch schon bei früheren Besuchen allgemein die umfassende Rolle des Hausarztes und die Bereicherung durch den Einsatz der Versorgungsassistentin gerade bei alten Patientinnen und Patienten. Als konkreten Handlungsauftrag nehme ich mit, mich für die Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten in den Seniorenheimen einzusetzen, auch um vermeidbare Krankenhauseinweisungen zu reduzieren.

Patienten, die sich in die hausarztzentrierte Versorgung einschreiben, verpflichten sich freiwillig, immer zuerst zu ihrem Hausarzt zu gehen, der dann auch die Behandlung durch die Fachärzte koordiniert. Dadurch werden unter anderem auch Falsch- oder Doppeluntersuchung vermieden, was am Ende auch Kosten spart. Wie stehen Sie deshalb zu der Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes, Patienten, die sich in die HzV einschreiben, einen Bonus zu gewähren?

Kathrin Sonnenholzner: Hausarztverträge sind richtig und wichtig! Bonuszahlungen oder Sanktionen widersprechen meiner Meinung nach aber dem Grundcharakter der solidarischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung, in der Starke für Schwache und Gesunde für Kranke einstehen. Ich setze daher auf die Kraft der Argumente statt finanzieller „Incentives“.

Ein gesamtgesellschaftliches Thema ist die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Stadt und Land. Welche Vorschläge haben Sie, um diese wichtige Herausforderung auch mit Blick auf den demographischen Wandel zu meistern?

Kathrin Sonnenholzner: Die bereits getroffenen Maßnahmen wie Stipendien, finanzielle Unterstützung bei Praxisgründung oder Förderung der Allgemeinmedizin durch Lehrstühle - um nur einige zu nennen - sind jeweils Mosaiksteinchen in dem Bemühen, langfristig eine flächendeckende Versorgung zu sichern. Das gelingt leider sowohl in Brennpunkten in den Städten als auch auf dem Land nicht überall. Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass bei den nachwachsenden Generationen die Work-Life-Balance eine große Rolle spielt und die Bereitschaft zur Praxisübernahme und damit unternehmerischer Verantwortung sinkt und das nicht nur bei Ärztinnen und Ärzten. Wir müssen daher andere Organisationsformen für Praxen weiter fördern und auch durch verlässliche Angebote die Mobilität der Patientinnen und Patienten erhöhen, um die Hausärztinnen und Hausärzte erreichbar zu machen.

CSU-Bundestagskandidat Stephan Pilsinger zu Gast bei Dr. Oliver Abbushi

 

Dr. Oliver AbbushiStephan PilsingerZum Vergrößern bitte klicken.

Im Rahmen des Tages der Allgemeinmedizin hat Stephan Pilsinger die Praxis von Dr. Oliver Abbushi in Deisenhofen bei München gleich in doppelter Funktion besucht: Als Politiker und als Arzt. Der 30-Jährige absolviert derzeit seine Facharztausbildung in Landsberg und kandidiert gleichzeitig für die CSU als Direktkandidat im Wahlkreis München-West um den Einzug in den Bundestag.

„Als Kollege ist Stephan Pilsinger vom Fach und kann unsere hausärztlichen Anliegen nachvollziehen. Wir hatten ein sehr anregendes und informatives Gespräch“, erklärte Dr. Oliver Abbushi nach dem Treffen. Im Kurzinterview zog auch Stephan Pilsinger eine positive Bilanz des Treffens.

Herr Pilsinger, was nehmen Sie aus dem Praxisbesuch für Ihre politische Arbeit mit?

Stephan Pilsinger: „Als Arzt in einem kommunalen Krankenhaus ist es für mich eine wichtige Gelegenheit, die Abläufe, Schwerpunkte und Herausforderungen aus der Perspektive einer Hausarztpraxis besser kennenzulernen. Hier nehme ich viele Eindrücke mit.“

Dr. Oliver AbbushiStephan PilsingerBlutdruck messenZum Vergrößern bitte klicken.

Patienten, die sich in die hausarztzentrierte Versorgung einschreiben, verpflichten sich freiwillig, immer zuerst zu ihrem Hausarzt zu gehen, der dann auch die Behandlung durch die Fachärzte koordiniert. Dadurch werden unter anderem auch Falsch- oder Doppeluntersuchung vermieden, was am Ende auch Kosten spart. Wie stehen Sie deshalb zu der Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes, Patienten, die sich in die HzV einschreiben, einen Bonus zu gewähren?

Stephan Pilsinger: „Vorteile für Patienten, die das Hausarztmodell gewählt haben, haben auch früher schon die hausarztzentrierte Versorgung gestärkt, zum Beispiel durch den Wegfall der damaligen Praxisgebühr. Weiteren Incentives für Patienten, die den effizienten Weg der hausarztzentrierten Versorgung wählen, stehe ich offen gegenüber.“

Ein gesamtgesellschaftliches Thema ist die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Stadt und Land. Welche Vorschläge haben Sie, um diese wichtige Herausforderung auch mit Blick auf den demographischen Wandel zu meistern?

Stephan Pilsinger: „Die Politik hat das Problem im Blick. In Bayern gibt es seit geraumer Zeit ein Förderprogramm für innovative medizinische Versorgungskonzepte und ein Stipendienprogramm. Sehr viel verspreche ich mir vom Masterplan Medizinstudium 2020 und der „Landarztquote“, bei der sich Bewerber für das Medizinstudium verpflichten können, eine gewisse Zeit in unterversorgten Regionen zu arbeiten. Das ist sinnvoll, solange es kein „Tauschgeschäft für unzureichende Eignung zum Mediziner“ ist. Da die Verfassungskonformität der „Landarztquote“ bestätigt wurde, sollte sie jetzt auch kommen und möglichst viele Bundesländer sollten von ihr Gebrauch machen.“

Politiker auf Praxis-Visite: MdL Prof. Dr. Peter Bauer zu Gast bei Dr. Hans-Erich Singer

Dr. Hans Erich SingerProf. Dr. Peter Bauer 2 webZum Vergrößern bitte klicken.

„Der Praxisbesuch und das eingehende Gespräch mit dem Kollegen Dr. Singer zeigte ganz deutlich, wie wichtig die hausärztliche Versorgung für alle Menschen ist“, erklärt Prof. Dr. Peter Bauer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, nach seinem Praxisbesuch bei Dr. Hans-Erich Singer in Mitteleschenbach im Landkreis Ansbach. Das Treffen fand im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin statt, zu dem der Bayerische Hausärzteverband Politiker zu gesundheitspolitischen Gesprächen mit den Hausärztinnen und Hausärzten in die Praxen eingeladen hatte.

Prof. Bauer: „Bei dem Gespräch mit Dr. Singer wurde besonders deutlich, dass es noch viel zu tun gibt, um die Probleme der Unterversorgung in bestimmten Gebieten Bayerns und die Nachfolge von Hausärzten zu lösen.“ Alle Politiker seien deshalb aufgefordert, bei der Lösung dieser Probleme aktiv mitzuwirken. „Wir brauchen insbesondere im strukturschwachen ländlichen Raum bessere und attraktivere Modelle für die Hausärzte. Ein guter Anfang ist zwar gemacht, das reicht jedoch nicht aus“, so Prof. Bauer.

Gleichzeitig bekräftige der Landtagsabgeordnete die Forderung nach Lehrstühlen für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten in Bayern. Ergänzend sollten die Stipendien für die Studenten, die sich für eine Niederlassung als Hausarzt verpflichtet haben, ausgebaut werden. Außerdem forderte Prof. Bauer eine Reform der Niederlassungsmöglichkeiten mit noch flexibleren Arbeitszeitmodellen sowie eine Nachjustierung und Verfeinerung der Bereitschaftsdienstbereiche in Bayern.

Prof. Bauer sprach sich zudem dafür aus, die hausarztzentrierte Versorgung unter Beibehaltung der freien Arztwahl weiterzuentwickeln und Patienten, die sich freiwillig in die HzV einschreiben, einen Bonus zu gewähren. „Die hausarztzentrierte Versorgung ist ein wichtiger Bestandteil in der GKV. Der Hausarzt als ,Lotse’ im Gesundheitswesen hat sich bewährt und ist unverzichtbar. Diese wichtige Funktion sollte durchaus belohnt werden“, findet der Abgeordnete der Freien Wähler und fordert deshalb eine breite Unterstützung für die Allgemeinmedizin: „Der Hausarzt als wichtiges Bindeglied im Gesundheitswesen muss erhalten und gestärkt werden.“

MdB Sabine Dittmar und MdL Volkmar Halbleib zu Gast in der Gemeinschaftspraxis Dr. Pfeiffer

Dr. Christian PfeifferVolkmar HalbleibSabine Dittmar webZum Vergrößern bitte klicken.

Ärztin und Politikerin Sabine Dittmar trifft praktizierenden Hausarzt: Die SPD-Bundestagsabgeordnete besuchte gemeinsam mit dem SPD-Landtagsabgeordneten und parlamentarischen Geschäftsführer Volkmar Halbleib die Gemeinschaftspraxis von Dr. Christian Pfeiffer in Giebelstadt im Landkreis Würzburg. Die Politikerin vertritt ihre Fraktion im Gesundheitsausschusses des Bundestages. Ein Hauptgesprächsthema war der Nachwuchsmangel bei den Hausärzten.

Dr. Pfeiffer: „Als eine effektive Gegenmaßnahme schlägt der Bayerische Hausärzteverband vor, die Hausarztverträge weiterzuentwickeln, um vor allem jungen Hausärztinnen und Hausärzten eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive zu geben, sich niederzulassen. So sollen Patienten, die sich freiwillig in einen Hausarztvertrag einschreiben, generell einen Bonus erhalten, wie es einige Krankenkassen bereits anbieten, da sie verantwortlich mit den medizinischen Ressourcen umgehen, ohne dabei auf eine erstklassige medizinische Betreuung zu verzichten.“

Bei Sabine Dittmar stieß dieser Vorschlag auf offene Ohren. „Es ist sicherlich nicht verwunderlich, dass ich als Hausärztin eine Verfechterin der primärärztlichen Versorgung bin. Aus eigener Erfahrung weiß ich um den Stellenwert des Hausarztes als Lotse im Gesundheitssystem, der Patienten und deren Familien meist über viele Jahre hinweg begleitet“, sagte die Bundestagsabgeordnete nach ihrem Praxis-Besuch und unterstrich dabei, dass „die Zukunft der Versorgung in erster Linie vom ärztlichen Nachwuchs“ abhänge.

Praxisteam Dr. Christian PfeifferVolkmar HalbleibSabine Dittmar webZum Vergrößern bitte klicken.

Die Politikerin fordert deshalb weitere Maßnahmen im Kampf gegen den Nachwuchsmangel: „Neben dem Masterplan Medizinstudium, mit dem wir die Allgemeinmedizin stärken und der nun zügig umgesetzt werden muss, ist es vor allem notwendig, die strukturierte Weiterbildung in Weiterbildungsverbünden auszubauen. Hilfreich sind hier sicher die an Universitäten angesiedelten Kompetenzzentren Weiterbildung Allgemeinmedizin und die Etablierung der Stiftung Weiterbildung, um grundsätzlich die ärztliche Weiterbildung besser zu organisieren. Daneben müssen auch die Kompetenzen der Gesundheitsfachberufe besser in die Versorgung integriert werden. VERAH ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Aufgaben neu verteilt werden können und der Arzt bei der Versorgung vor allem von älteren und multimorbiden Patienten entlastet und unterstützt wird. Aber auch die Kommunen müssen strukturell gestärkt werden, um zum Beispiel auch in ländlichen Regionen ein attraktives Arbeitsumfeld bieten zu können.“

Dass eine sehr gute hausärztliche Versorgung auf dem Land kein Widerspruch sein muss, davon war Sabine Dittmar spätestens nach der Visite in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Christian Pfeiffer in Giebelstadt überzeugt. 

Die SPD-Politikerin: „Besonders bemerkenswert ist das breit aufgestellte diagnostische Angebot der Hausarztpraxis, dass eine gute Versorgung von Alten wie jungen, chronisch Kranken und Akutfällen gleichermaßen ermöglicht und ein attraktives und vielseitiges Arbeitsumfeld bietet. Die Erfahrungen und Gespräche, die ich als Gesundheitspolitikerin führe, zeigen mir jedoch auch, dass wir weitere Maßnahmen brauchen, um den medizinischen Nachwuchs für die Allgemeinmedizin zu begeistern. Daher freut es mich umso mehr, dass die Praxis in Giebelstadt als Lehrpraxis fungiert.“

MdB Harald Weinberg zu Gast in der Praxis Dr. Singer

Dr. Hans Erich SingerHaralt Weinberg 2 HPZum Vergrößern bitte klicken.

"Ich hatte ein interessantes und gutes Gespräch mit Dr. Singer", berichtet Harald Weinberg, Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Krankenhauspolitik und Gesundheitsökonomie der Fraktion DIE LINKE, über seinen Praxisbesuch im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin, in Mitteleschenbach bei Ansbach.

Dr. Hans-Erich Singer: "Es war ein sehr offenes und konstruktives Gespräch. Ich habe deutlich gemacht, dass wir die flächendeckende medizinische Versorgung in Stadt und Land nur dann nachhaltig sicherstellen können, wenn wir die Hausarztverträge weiterentwickeln und Patienten, die sich freiwillig in die HzV einschreiben, von ihrer Krankenkasse einen Bonus erhalten."

Harald Weinberg: "Ich bin von der Steuerungswirkung monetärer Anreize nicht so überzeugt, aber wenn, dann eher Gratifikationen als Sanktionen. Ein Bonus für die Einschreibung in einen Hausarztvertrag ist als Satzungsleistung bereits möglich.
Auf der Basis Satzungsleistung ließen sich mit größeren Versorgerkassen Vereinbarungen zum beiderseitigen Nutzen treffen, wenn sich für die im Hausarztvertrag befindlichen Versicherten deutliche Kostenvorteile nachweisen lassen."

Ein weiteres wichtiges Thema war auch der Nachwuchsmangel.

Dr. Hans Erich SingerHaralt WeinbergGespräch 2 HPZum Vergrößern bitte klicken.

Harald Weinberg: "Vor dem Hintergrund einer neuen Ärztegeneration müssen wir auch andere Wege als den niedergelassenen Arzt beschreiten. Sicher ist die Niederlassung zu fördern und vor allem die Allgemeinmedizin im Studium deutlich aufzuwerten. Aber wir müssen auch an die Durchlässigkeit der Sektorengrenze ambulant-stationär heran, neue Formen der Zusammenarbeit wie MVZ, Poliklinik, mobile Praxen und Filialpraxen sowie neue Formen der Trägerschaft von solchen Modellen ausprobieren. Der Digitalisierung und der Telemedizin kommt dabei sicher eine große Rolle zu. Neue Wege in der Delegation und Substitution ärztlicher Leistungen können das unterstützen."

Dr. Hans-Erich Singer: "Eine Delegation medizinischer Leistungen ist nur dann verantwortbar, wenn sie unter ärztlicher Führung erfolgt. Mit der VERAH haben wir dafür die passende Lösung. Eine VERAH ist ein wichtiges Mitglied des Praxisteams, arbeitet täglich eng mit dem Arzt zusammen und kennt die Patienten in der Regel seit vielen Jahren. Hinzu kommt, dass eine VERAH über eine entsprechend gute Ausbildung verfügt. Anderer Modelle, wie externe Helferinnen, würden zu einer Verschlechterung der Versorgung führen."

Obwohl als Gesundheitspolitiker vom Fach, hat Harald Weinberg neue Fakten bei dem Vier-Augen-Gespräch erfahren. Der Bundestagsabgeordnete: "Über die geringe Bedeutung von Privatpatienten und IGeL-Leistungen in der Praxis von Dr. Singer war ich überrascht. Außerdem habe ich für die Bedarfsplanung Hinweise erhalten, dass alleine das Merkmal Arztsitz nicht reicht."

MdB Dr. Nüßlein zu Gast in der Gemeinschaftspraxis Dr. Berger

Dr. Jakob BergerDr. Georg NüssleinDr. Johannes Berger 1 webZum Vergrößern bitte klicken.

„Hausärzte leisten eine wichtige Aufgabe in der Patientenversorgung, sowohl medizinisch als auch über die menschliche Zuwendung und Empathie, die sie ihren Patienten entgegenbringen. Mit Blick auf die therapeutische Wirkung müssen wir die sprechende Medizin deutlich aufwerten“, sagt Dr. Georg Nüßlein. Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin, der jedes Jahr am 7. Mai stattfindet, hat der Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion die Gemeinschaftspraxis von Dr. Jakob Berger in Meitingen im Landkreis Augsburg besucht.

Dr. Jakob Berger, der auch 2. Stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes ist, sagte nach dem Treffen: „Wir hatten ein intensives Gespräch über die gesundheitspolitischen Herausforderungen. Ich habe noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, die Hausverträge weiterzuentwickeln und die Patienten zum Beispiel über Bonuszahlungen noch stärker von der HzV profitieren zu lassen. Patienten, die zuerst ihren Hausarzt aufsuchen, vermindern nicht nur das Risiko von Falsch- oder Doppeluntersuchungen, sondern tragen auch mit dazu bei, keine unnötigen Kosten für die Solidargemeinschaft zu verursachen.“

Diese Argumente stießen bei Dr. Georg Nüßlein auf offene Ohren. Der Bundestagsabgeordnete: „Bis vor einigen Jahren gab es für Patienten, die sich in Hausarztverträge eingeschrieben haben, die Möglichkeit, die Praxisgebühr zu erlassen. Auch auf Wunsch der Ärzte wurde die Praxisgebühr insgesamt abgeschafft. Ich denke, die Hausärzte erbringen im Rahmen der Hausarztverträge qualitativ so gute Leistungen, dass sie schon damit ein attraktives Angebot für die Patienten haben. Wie man den Anreiz zur Einschreibung erhöhen kann, muss noch einmal politisch diskutiert werden. Grundlage müssen echte Kosteneinsparungen sein.“

„Die Evaluation der Hausarztzentrierten Versorgung in Baden-Württemberg hat klar belegt, dass die HzV nicht nur den Patienten und den Hausärzten Vorteile bietet, sondern gleichzeitig auch den Kassen enorme Kosten spart“, erklärt Dr. Berger und verweist dabei auf das Fazit der wissenschaftlichen Studie: „Die Verträge verbessern die medizinische Versorgung, stärken die Rolle des Hausarztes als Gesundheitslotsen und können zu einer spürbaren finanziellen Entlastung beitragen, indem Über-, Fehl- und Unterversorgung systematisch adressiert werden. Diese Fakten kennen auch die Kassenvertreter. Deshalb gibt es bereits Krankenkassen, die ihren HzV-Versicherten freiwillig einen Bonus anbieten. Diesen Weg müssen wir weiter gehen“, argumentiert der Hausarzt.

Einig waren sich Dr. Nüßlein und Dr. Berger auch beim Thema Nachwuchs. Dr. Berger: „Wir müssen junge Mediziner für den schönsten Beruf der Welt begeistern. Als Facharzt für Allgemeinmedizin hat man eine spannende und erfüllende Aufgabe, und heute ist es auch kein Problem mehr, als Hausarzt Beruf und Familie in Einklang zu bringen.“

Dr. Nüßlein: „Wir müssen den Hausarztberuf weiterhin attraktiv gestalten. Dazu können auch die Berufsverbände einen Beitrag leisten, indem sie die positiven Seiten des Berufs hervorheben. Politisch werden wir im Rahmen der Novellierung des Medizinstudiums – zum Beispiel durch eine Landarztquote und durch Einbeziehung der Hausarztarbeit ins Studium – weitere Anreize setzen. Damit ergänzen wir die vielen bereits in den letzten beiden Legislaturperioden beschlossenen Verbesserungen für die Hausärzte.“