Grußwort von Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns

Dr. Markus Beier
Dr. Wolfgang Krombholz

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die vergangene Legislaturperiode unter dem ehemaligen Gesundheitsminister Jens Spahn war – neben der Corona-Krise – in weiten Teilen von der Digitalisierung des Gesundheitswesens geprägt.

Die Digitalisierung bietet auch im hausärztlichen Bereich durchaus große Chancen. In aller erster Linie kann sie Praxen von Bürokratie entlasten: man denke hier beispielsweise an vereinfachte Dokumentationsverfahren. Sie kann aber auch zu einer besseren Vernetzung zwischen den Gesundheitsberufen beitragen – und damit im Idealfall zu einer effizienteren Behandlung des Patienten.

Eine Digitalisierung des Gesundheitswesens ist demnach grundsätzlich begrüßenswert. Aber: Digitalisierung muss verantwortungsvoll und unter Wahrung des Datenschutzes ablaufen und darf nicht getreu dem Motto „Quantität vor Qualität“ vorangetrieben werden. Ansonsten droht eine Überforderung der Praxen durch ein „Zuviel“ an neuen, teilweise unfertigen Anwendungen, die im Praxisalltag keine Erleichterung bringen, sondern – ganz im Gegenteil – nur unnötigen bürokratischen Mehraufwand verursachen.

Weiterhin gilt es, private Telemedizinanbieter, die mittels ihrer Internet-Plattformen zunehmend auf den deutschen Gesundheitsmarkt drängen, aus hausärztlicher Perspektive zumindest kritisch zu hinterfragen. Wenn einzig wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, dann hilft Digitalisierung weder dem Arzt noch dem Patienten weiter.

Daher gilt: Digitalisierung ja, aber mit Bedacht! Digitale Anwendungen sollten erst dann in den Praxen zur Anwendung kommen, wenn sie funktionsfähig und wirklich sinnvoll in den Praxisalltag integriert werden können. Kurzum: Sie müssen einen echten Mehrwert haben, sowohl für den Arzt als auch für die Patienten.

Eines ist mir zum Schluss noch wichtig: Digitalisierung kann Behandlungen sinnvoll begleiten, aber niemals ersetzen! Ohne den persönlichen Bezug ist das Patientenwohl in Gefahr. Der Goldstandard bleibt das persönliche, vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis. Das will der Arzt und das will auch der Patient und danach muss sich das Gesundheitswesen ausrichten.

Ihr
Dr. Wolfgang Krombholz

 

 

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