So wollen angehende Mediziner arbeiten

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Wie die Mediziner von Morgen sich ihre zukünftige Tätigkeit vorstellen und was sie nicht wollen, vor allem aber, welche Institutionen sie wann und wie auf ihrem Weg zum Traumberuf in der ambulanten Versorgung unterstützen, waren die Schwerpunkte einer Nachwuchsveranstaltung Ende Oktober, die auf Initiative der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und in Kooperation mit der Fachschaft der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München stattfand.

Gestärkt durch ein zweites Frühstück, waren die Medizinstudierenden aufgefordert, auf Kärtchen für eine Pinnwand festzuhalten, wie sie sich ihre künftige Tätigkeit vorstellen beziehungsweise was sie keinesfalls wollen. Erwartungsgemäß zählten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eine ausgewogene Work-Life-Balance zu den Wünschen der Studierenden an ihre spätere Tätigkeit. Aber auch den Weg dorthin thematisierten einige. „Ich möchte Struktur, Mentoring, und ein einheitliches Curriculum im PJ“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt, „Ich will Struktur, Sicherheit und fachlich soziale Unterstützung in Weiterbildung und Beruf“, formulierte ein anderer.

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Auch die schwierige finanzielle Situation im PJ thematisierten die Studierenden – etwas, das sie nicht wollen: „Ich möchte nicht ein ganzes Jahr im PJ unbezahlt arbeiten müssen.“ Generell sind unbezahlte Überstunden ein No-Go für die junge Generation.

Die Allgemeinmedizin steht hingegen vor allem bei den Medizinstudentinnen hoch im Kurs. „Interessant war, dass sich viele Studierende durchaus bereits im 3. Semester vorstellen können, in die Allgemeinmedizin zu gehen“, berichtet Heike Blümmel, Hauptgeschäftsführerin des Bayerischen Hausärzteverbandes. Die Veranstalter hatten Verbände unterschiedlicher Bereiche eingeladen, sich und ihre Angebote für den Weg in die Niederlassung vorzustellen. Die Allgemeinmedizin war mit dem Bayerischen Hausärzteverband, der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin (KoStA) und dem Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern (KWAB) gut vertreten.
Heike Blümmel, die am Stand des Bayerischen Hausärzteverbandes mit vielen interessierten Medizinstudierenden sprach, zieht ein positives Fazit der Veranstaltung: „Unsere verschiedenen Projekte zur Nachwuchsförderung kamen bei den Studierenden ebenso wie die Forderung nach mehr Medizinstudienplätzen sehr gut an“, stellt sie fest.

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Auch der Kurs „Arzt und Unternehmer“, der an der LMU und inzwischen auch an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) in Erlangen - finanziell unterstützt durch den Bayerischen Hausärzteverbandes - angeboten wird stieß auf Interesse. „Vielleicht ein Hinweis darauf, dass die neue Medizinergeneration einer späteren Niederlassung - am besten als Hausärztin oder Hausarzt - gar nicht abgeneigt gegenübersteht“, hofft Heike Blümmel.

Sein Fazit: Es sind zum einen mehr Ärzte nötig, um den Standard der medizinischen Versorgung aufrecht zu erhalten, und die vorhandenen Ärzte sollten entlastet werden, beispielsweise durch vernünftige Delegation, keinesfalls aber Substitution, Entbürokratisierung sowie durch Digitalisierung, Telemedizin und Fernbehandlung. Für ländliche Regionen gelte es, Mobilitätskonzepte zu entwickeln wie mobile Praxen oder Patienten-Busse beziehungsweise -Taxen. Ein weiteres Stichwort, das er nannte, ist die Patientensteuerung, beispielsweise bei der Inanspruchnahme der Notfallambulanzen.