"Der Bayerische Hausärzteverband hat es geschafft, die Allgemeinmedizin aus dem Dornröschenschlaf zu holen"

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Die Jobmesse „ZEIT für neue Ärzte“, die vergangenen Freitag in München stattfand, hat gezeigt: Die Allgemeinmedizin steht bei jungen Medizinern hoch im Kurs.

Auf der Podiumsdiskussion „Medizinstudium und dann? Wie gelingt der Berufseinstieg“ erzählte Dr. Michael Köhler, Mitglied im Bayerischen Hausärzteverband, von seiner erfüllenden Arbeit als niedergelassener Hausarzt im Berchtesgadener Land. „Ich befinde mich im Stadium meiner beruflichen und politischen Endverwertung“, scherzte er. Umso wichtiger war es für ihn den Studierenden zu zeigen, dass die Allgemeinmedizin heute einen anderen Stellenwert besitzt als noch vor einigen Jahren. Die Ausbildung und die Bedingungen für eine Niederlassung seien noch nie so gut gewesen, nicht zuletzt durch das große berufspolitische Engagement des Verbandes: „Der Bayerische Hausärzteverband hat es geschafft, die Allgemeinmedizin aus dem Dornröschenschlaf zu holen und mit den Hausarztverträgen für einen bessere Vergütung gesorgt“.

Doch wie sieht es mit den Arbeitszeiten aus, wollte ein Student wissen? „In meiner Hausarztpraxis bin ich nicht permanent eingespannt“, erklärte Dr. Köhler. Durch die Terminsprechstunden und den gut organisierten Notdienst könne er die freien Wochenenden genießen. Unterstützung bekommt er auch von den Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung. Besonders schätzte Dr. Köhler die Arbeit mit seinen Famulanten: „Die Studenten bringen viele neue Sachen mit, so lernt man ständig dazu. Es ist wichtig, offen für neue Impulse zu sein“.

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Im anschließenden Workshop „Berufsfeld Allgemeinmedizin – der Weg zu Vielfalt und Selbstbestimmung“ beantworteten Dr. Daniel Pohl, stellv. Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes Bezirk München, Dr. Dagmar Schneider, Leiterin der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin und Katharina Fränkel, Präsenzberaterin bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, Fragen zur Weiterbildung Allgemeinmedizin. Gleich zu Beginn räumte Dr. Pohl mit der Befürchtung auf, keine geeignete Weiterbildungsstelle oder Anstellung in einer Hausarztpraxis zu bekommen: „Die Häuser werden sich um Sie streiten. Sie sind so begehrt, sie werden umworben!“, verspricht er.

5 Jahre Weiterbildung – Wie sollte ich die aufteilen?

Mit der neuen Weiterbildungsordnung, die voraussichtlich im Mai 2019 in Kraft tritt, verkürzt sich der klinische Ausbildungsabschnitt von 18 Monaten auf 12 Monate. Die Zeit kann dann freiwillig

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verlängert werden. Doch Dr. Pohl und Dr. Schneider empfehlen den Studierenden die Zeit zu nutzen, um Erfahrung im ambulanten Bereich zu sammeln – „denn so werden Sie später einmal arbeiten und es hilft auch zu wissen welche Schritte der HNO- oder Kinderarzt unternimmt, an den Sie Ihre Patienten als Hausarzt später überweisen werden“. Dr. Pohl: „Wenn Sie wissen, wie Ihre Facharzt-Kollegen arbeiten, können Sie auch Ihre Patienten besser auf die weiterführende Behandlung vorbereiten und aufklären“.

Nimmt mich der Facharzt-Kollege auch nur für 3 oder 6 Monate?

Dr. Schneider: „Jeder Facharzt bekommt für Ihre Weiterbildung Geld. Daher werden Sie keine Probleme haben, eine Weiterbildungsstelle bei einem Facharztkollegen zu bekommen. Die Frage ist, wie sinnvoll ein Abschnitt von drei Monaten ist“. Sie empfehle mindestens 6 Monate in einer Praxis oder einer Klinikabteilung zu lernen – ansonsten komme man nur in den Genuss von „Hilfsarbeiten“. 

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Für den zweijährigen Weiterbildungsabschnitt in der Hausarztpraxis legt Dr. Pohl den Studierenden an’s Herz die Weiterbildung auf zwei Hausarztpraxen aufzuteilen „bewährt hat es sich, wenn Sie ein Jahr auf‘s Land gehen und ein Jahr in der Stadt lernen“, ergänzt Katharina Fränkel. Die Versorgung und die Arbeit auf dem Land sei „etwas komplett anderes“. Hier habe man wirklich die Möglichkeit Patienten „vom Enkel bis zur Großmutter“ zu begleiten und profitiere von einer engeren Arzt-Patienten-Beziehung. Ob man so arbeiten will, „ist abhängig von der Persönlichkeit“. Umso wichtiger sei es daher, sowohl Stadt- als auch Landerfahrung zu sammeln. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, welche Weiterbildungsbefugnis der Hausarzt hat. Die Dauer der Befugnis berechnet sich nach unter anderem nach den angebotenen Leistungen und Zusatzqualifikationen einer Hausarztpraxis. „Eine Befugnisdauer von 12 Monaten entspricht den Mindestanforderungen“ erläutert Dr. Schneider

Nach dem Workshop hatten die Teilnehmer noch die Gelegenheit, sich am Stand des Bayerischen Hausärzteverbandes zu informieren und ihre persönlichen Fragen im gemeinsamen Gespräch mit Dr. Pohl zu klären. Auf große Begeisterung stieß dabei das Unterstützungsangebot zur PJ- und Famulatur Förderung.