Impfen - der beste Lebensretter, den wir haben

 
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Weltweit sind Masern noch immer eine wesentliche Todesursache bei Kindern. Experten schätzen, dass im Jahr 2013 etwa 146.000 Kinder aufgrund von Masern verstarben, das sind 400 Kinder am Tag. Auch bei Erwachsenen führt Masern zu schwerwiegenden Komplikationen. Um das hoch ansteckende Virus in den Griff zu bekommen, reagiert die Bundesregierung jetzt mit einem neuen Gesetzt: Ab März 2020 müssen Kindergarten- und Schulkinder gegen Masern geimpft sein. Auch für Erzieherinnen, Lehrer und andere Erwachsene, die in Kitas und Schulen arbeiten, gilt vom kommenden Jahr an eine Impfpflicht.

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen befürwortet die neue Impfpflicht gegen Masern. Das belegt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Insgesamt 73 Prozent sprachen sich „voll und ganz" beziehungsweise „eher“ dafür aus. Zur Impfpflicht haben vor allem ältere Menschen eine klare Meinung. Die Zustimmung bei den über 55-Jährigen ist mit 80 Prozent am höchsten. Das könnte daran liegen, dass es in dieser Altersgruppe noch ein Bewusstsein für den gefährlichen Verlauf von Krankheiten gibt, die mit Hilfe von Impfungen heute so gut wie ausgerottet sind. So hatte die Bundesrepublik Deutschland vor sechzig Jahren die höchsten Kinderlähmungsraten in Europa. Die schwere Epidemie von 1961 zählte 4653 Erkrankte, 3300 Gelähmte und 272 Tote. Dank der Impfung gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) gilt Deutschland heute als poliofrei.


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„Impfungen gegen Windpocken, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis, Kinderlähmung, Masern, Tuberkulose oder gegen bakterielle Infektionen, verhindern jedes Jahr geschätzt fast sechs Millionen Todesfälle“, erklärt Prof. Dr. Jörg Schelling. Der Facharzt für Allgemeinmedizin und Gründungsdirektor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist Mitglied der Landesgemeinschaft Impfen (LAGI) und setzt sich für Impfaufklärung ein: „Keine medizinische Maßnahme ist so erfolgreich und effektiv wie das Impfen. Gleichzeitig bestehen hier oft unbegründete Sorgen und Wissensdefizite bei Patienten“. Eine Hartnäckige These, die sich bei Impfgegnern hält: Impfen verursacht Autismus. „Die Autismustheorie wurde bereits eindeutig widerlegt und als Wissenschaftsbetrug entlarvt“, weiß Prof. Schelling. Der britische Arzt Andrew Wakefield versuchte damals mit seiner Studie an zwölf Kindern einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen der Dreifachimpfung und Autismus herzustellen. Seine Thesen sind längst durch groß angelegte Studien widerlegt und inzwischen ist bekannt, dass Wakefield finanzielle Interessen mit seiner Untersuchung verfolgte: Er hatte von Anwälten Geld erhalten, die Eltern Autismus betroffener Kinder vertraten und nach Gründen suchten, um die Hersteller des Impfstoffes zu verklagen. Dem Arzt wurde 2010 die Approbation wegen unethischen Verhaltens entzogen.

Prof. Schelling: „Das Impfen ist der beste Lebensretter, den wir haben. Wir Hausärztinnen und Hausärzte sind dabei der wichtigste Ansprechpartner für Familien und Erwachsene, die natürlich Fragen oder Vorbehalte haben“. Hilfestellung erhalten Sie auch von der Ständigen Impfkommission (STIKO), die jedes Jahr eine aktuelle Empfehlung für die Schutzimpfungen veröffentlicht.

Übersicht aller empfohlenen Schutzimpfungen

Säuglinge, Kinder und Jugendliche

Schutzimpfungen gegen:

  • Rotaviren (erste Impfung ab der 6. Woche)
  • Hepatitis B
  • Diphtherie
  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Poliomyelitis (Polio, Kinderlähmung)
  • Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
  • Pertussis (Keuchhusten): Grundimmunisierung (in bis zu 4 Teilimpfungen von 2 bis 14 Monaten)
  • Masern
  • Mumps (Ziegenpeter)
  • Röteln
  • Varizellen (Windpocken)
  • Meningokokken C (Bakterien, die Gehirnhautentzündungen auslösen können): Grundimmunisierung ab 12 Monaten, zweite Teilimpfung ab 15 Monaten

Mädchen und Jungen zwischen 9 und 17 Jahren

Schutzimpfungen gegen:

  • humane Papillomviren (HPV, Auslöser von HPV-bedingten Krebsarten)

Erwachsene

Schutzimpfungen gegen:

  • Poliomyelitis (Polio, Kinderlähmung): Regelimpfung bei nicht grundimmunisierten Erwachsenen und Personen ohne einmalige Auffrischimpfung
  • Masernimpfung für alle Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und nicht bzw. in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft wurden.

Auffrischungsimpfungen (alle zehn Jahre empfohlen) gegen:

  • Diphtherie
  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Pertussis (Keuchhusten, bei der nächsten fälligen Impfung gegen Diphtherie und Tetanus)

Erwachsene ab 60 Jahre

Schutzimpfungen gegen:

  • Influenza (Grippe, jährlich)
  • Pneumokokken (Bakterien, die Lungenentzündungen auslösen können)
  • Herpes zoster (Gürtelrose)

Personen bestimmter Alters- oder Risikogruppen und deren Angehörige

Schutzimpfungen gegen:

  • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
  • Haemophilus influenza Typ b (Hib)
  • Hepatitis A und B
  • Herpes zoster (Gürtelrose)
  • Influenza (Grippe)
  • Meningokokken
  • Pneumokokken (Bakterien, die Lungenentzündungen auslösen können)
  • Röteln
  • Tollwut
  • Varizellen (Windpocken)

Grippesaison von Oktober bis April

Gerade für Erwachsene über 60 und chronische kranke Patienten rät die STIKO zu einer jährlichen Grippeimpfung. Seit letztem Jahr übernimmt Ihre Krankenkasse auch die Kosten für den so genannten Vierfach-Impfstoff. Der Vierfach-Impfstoff wirkt gegen mehr Virenstämme als der bislang standardmäßig verwendete Dreifach-Impfstoff und bietet Ihnen damit einen umfassenderen Schutz gegen die aggressiven Influenza-Viren.

Wichtige Infos

Die Kosten für die Schutzimpfungen werden von Ihrer Krankenkasse übernommen. Nicht bezahlt werden Reiseimpfungen aus nicht beruflichem Anlass. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt. Die Hausarztpraxis ist die erste Anlaufstelle, um sich Rat zu empfohlenen Impfungen zu holen.

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