Masterplan Medizinstudium 2020: Bayerischer Hausärzteverband fordert schnelle Umsetzung

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Dr. Dieter Geis: „Wir begrüßen die Verabschiedung des Masterplans Medizinstudium 2020. Nun muss die Finanzierung der beschlossenen Maßnahmen umgehend gesichert werden, um deren Umsetzung nicht zu gefährden. Jede Verzögerung bei der Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 würde allen bisherigen Bemühungen zur Förderung der Allgemeinmedizin zuwiderlaufen und den Mangel an hausärztlichem Nachwuchs weiter verschärfen.“

München, 31. März 2017 – Die flächendeckende ambulante hausärztliche Versorgung in Bayern ist in Gefahr. Vielerorts drohen Lücken, weil nicht genug junge Allgemeinmediziner nachrücken. So liegt das Durchschnittsalter der bayerischen Hausärztinnen und Hausärzte aktuell bei knapp 55 Jahren, in einzelnen Planungsbereichen bereits über 60 Jahren: Laut dem kürzlich veröffentlichte Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) kommen die 37 Hausärztinnen und Hausärzte im unterfränkischen Planungsbereich Schweinfurt-Süd bereits auf ein Durchschnittsalter von 61 Jahren. Im mittelfränkischen Planungsbereich Wassertrüdingen liegt das Durchschnittsalter sogar darüber bei 61,5 Jahren. Höchste Zeit, zu handeln.

Der Bayerische Hausärzteverband begrüßt deshalb ausdrücklich, dass Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und Bundesforschungsministerin Professorin Johanna Wanka sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gesundheits- und der Kultusministerkonferenz der Länder und der Koalitionsfraktionen des Deutschen Bundestages mit ihrem gestrigen Beschluss den Weg freigemacht haben für die Umsetzung des „Masterplan Medizinstudium 2020“. Noch unklar ist die Finanzierung. Deshalb haben die Delegierten des Bayerischen Hausärzteverbandes auf ihrer Delegiertenversammlung am Bayerischen Hausärztetag 2017 heute in München in einer einstimmig verabschiedeten Resolution die Bundesregierung sowie die Bayerische Staatsregierung mit den sie tragenden Fraktionen im Deutschen Bundestag und im Bayerischen Landtag aufgefordert, die Finanzierung der Umsetzung des Masterplan Medizinstudium 2020 kurzfristig und ausreichend zu sichern. Nur so ließen sich die Hindernisse zur Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 aus dem Weg räumen und der bestehende Koalitionsvertrag auch in diesem Punkt umsetzen.

Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes: „Die weitere Verzögerung der Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 hätte fatale Folgen für die hausärztliche Nachwuchsgewinnung. Gelingt es nicht, den Masterplan schnell und ausreichend zu finanzieren, sind alle bisherigen Förderprogramme für eine Niederlassung im hausärztlichen Bereich gerade in ländlichen Regionen für die Katz! Das Nachwuchsproblem wird sich mangels Sichtbarkeit des Fachs Allgemeinmedizin an den Universitäten nicht nur in Bayern weiter verschärfen. Die Sicherung der wohnortnahen hausärztlichen Versorgung in allen Regionen Deutschlands und Bayerns wird noch schwieriger werden. Die Sicherstellung der Finanzierung des Masterplan Medizinstudium 2020 ist daher ein unerlässlicher Beitrag der Regierungen in Bund und Land für die Zukunft der hausärztlichen Versorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger. Bestehende Programme zur Förderung von Niederlassungen – auch der Bayerischen Staatsregierung und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns – machen nur dann Sinn, wenn es gelingt, genügend junge Medizinstudierende für den Beruf der Hausärztin / des Hausarztes schon während des Studiums zu begeistern. Deshalb muss die Finanzierung des nun verabschiedeten Masterplans Medizinstudium 2020 umgehend gesichert werden und mit der Umsetzung der darin enthaltenen Maßnahmen ohne weiteren Zeitverzug begonnen werden. Der Masterplan Medizinstudium 2020 darf nicht scheitern!“

Einstimmig haben die Delegierten des Bayerischen Hausärzteverbandes auch ihren Forderungskatalog an die Politik für die Bundestagswahl 2017 bekräftigt. „Unser Ziel bleibt weiterhin, dass alle Parteien sich mit unseren guten Argumenten auseinandersetzen und unsere berechtigten Forderungen in ihren Wahlprogrammen mit aufnehmen“, so Dr. Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes.


Hintergrund: MASTERPLAN Medizinstudium 2020

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat am 16.03.2017 die Beratung und Beschlussfassung zum Masterplan Medizinstudium 2020 aufgrund von ungeklärten Fragen der Finanzierung ausgesetzt und mitgeteilt, die Länder erwarteten „einen angemessenen Finanzierungsbeitrag des Bundes“ und der für die ärztliche Versorgung zuständigen Träger.

Der Masterplan Medizinstudium 2020 sieht ca. 40 verschiedene Maßnahmen vor, um das Medizinstudium allgemein zu reformieren und die Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin / zum Allgemeinmediziner im Besonderen zu fördern. Der Masterplan Medizinstudium 2020 beinhaltet Regelungen zur Stärkung der Wissenschaftlichkeit im Studium ebenso wie zur Förderung der interprofessionellen Ausbildung und Kompetenzorientierung des Studiums. Außerdem sieht er eine Weiterentwicklung der Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkataloge Medizin (NKLM) und Zahnmedizin (NKLZ) vor.

Um das Fach Allgemeinmedizin aufzuwerten, sollen laut Masterplan Medizinstudium 2020 Lehrstühle für Allgemeinmedizin an jeder Medizinischen Fakultät in Deutschland eingerichtet und das Fach Allgemeinmedizin als verpflichtender mündlicher Prüfungsgegenstand im dritten Staatsexamen etabliert werden. Darüber hinaus sollen Studierende ein Quartal ihres PJ verpflichtend in der ambulanten Versorgung absolvieren. Die Stärkung und Aufwertung des Fachs Allgemeinmedizin an den Universitäten ist ein ganz wesentlicher Baustein bei der Gewinnung von hausärztlichem Nachwuchs - gerade auch in ländlichen Regionen.

Ansprechpartner für die Medien:
Bayerischer Hausärzteverband, Geschäftsstelle
Tel. 089/127 39 27-42, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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