Numerus Clausus zum Teil Verfassungswidrig: Bayerns Hausärzte erwarten mehr Transparenz und Gerechtigkeit durch Karlsruher Entscheidung

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München, 20. Dezember 2017 – „Als eine dringend notwendige Maßnahme gegen den Hausärztemangel fordert der Bayerische Hausärzteverband seit Jahren eine Reform der Zulassung zum Medizinstudium. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass die derzeitige Praxis der Studienplatzvergabe in Teilen verfassungswidrig ist, findet deshalb grundsätzlich unsere Zustimmung. Mit den angemahnten Neuregelungen bleibt das Bundesverfassungsgericht allerdings hinter dem Maßnahmenkatalog zur Neustrukturierung der Zulassungskriterien zum Medizinstudium zurück, die der Bayerische Hausärzteverband für nötig erachtet“, kommentiert Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, die Karlsruher Entscheidung.

In den vergangenen Jahren hatte die Delegiertenversammlung des Bayerischen Hausärzteverbandes mehrfach gefordert, den Numerus Clausus als faktisch alleiniges Zugangskriterium für das Medizinstudium abzuschaffen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der Fachärzte für Allgemeinmedizin zu erhöhen. Konkret fordert der Bayerische Hausärzteverband, dass

  • bundeseinheitlich und verpflichtend 20 Prozent der Studienplätze über ein sachgerechtes Assessmentverfahren vergeben werden;
  • bundeseinheitlich und verpflichtend 10 Prozent der Studienplätze über eine Bindung an eine spätere Beschäftigung in unterversorgten Regionen vergeben werden;
  • jedes Jahr einer Ausbildung oder einer Tätigkeit im sozialen, pflegerischen, pädagogischen bzw. medizinischen Bereich mit einer Notengutschrift von 0,4 bewertet wird;
  • bundeseinheitlich der Medizinertest wieder als Möglichkeit etabliert wird, um dadurch bei überdurchschnittlichen Leistungen unabhängig von der Abiturnote in 20 Prozent der Fälle einen Studienplatz zu erhalten und die
  • Erhöhung der Studienplätze für Humanmedizin um 10 Prozent.

Dr. Geis: „Ein guter Hausarzt verfügt nicht nur über ein tiefes medizinisches Wissen, sondern auch über Empathie für den Umgang mit kranken und alten Menschen. Diese unverzichtbaren Charaktereigenschaften lassen sich nicht aus einer Abiturnote ableiten. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung grundsätzlich an der Abiturnote als Hauptkriterium für den Zugang zum Medizinstudium nicht gerüttelt“, bedauert Dr. Geis. „Allerdings erwarte ich durch das Karlsruher Urteil künftig mehr Transparenz und Gerechtigkeit bei der Vergabe der Studienplätze. Wir begrüßen es ausdrücklich, dass die hochschuleigenen Eignungsprüfungen in Zukunft nach standardisierten und strukturierten Verfahren ablaufen müssen und dabei neben der Abiturnote mindestens ein ergänzendes, nicht schulnotenbasiertes Auswahlkriterium zu berücksichtigen ist.

Auch die von den Karlsruher Richtern geforderte Begrenzung der Wartezeit bei der anteiligen Vergabe nach Wartezeitquote ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dass sich derzeit nur rund zehn Prozent der Medizinstudierenden für eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin entscheiden, zeigt, dass viele junge Menschen, die gerne Hausarzt werden würden, entweder keinen Studienplatz bekommen oder sich aufgrund von jahrelangen Wartezeiten umentscheiden. Das müssen wir dringend ändern, um die medizinische Versorgung für unsere Patienten in Stadt und Land nachhaltig sicherzustellen.“

Ansprechpartner Presse: Torsten Fricke, Tel. 0171-41 58 329 / Heike Blümmel, Tel. 089-12 73 92 71 2

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