26. Bayerischer Hausärztetag: Drei Kernforderungen an die Politik

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Würzburg/München, 28. April 2018 – Die Stärkung der hausärztlichen Aus- und Weiterbildung, die Verbesserung der Rahmenbedingungen der Praxistätigkeit und die Förderung der Hausarzt-zentrierten Versorgung (HzV) sind die Kernforderungen der bayerischen Hausärztinnen und Haus-ärzte zur bayerischen Landtagswahl. Ein entsprechender Beschluss wurde von den Delegierten des Bayerischen Hausärzteverbandes auf dem 26. Hausärztetag, der am Freitag und Samstag unter dem Motto „Hausarztmedizin 2018 – traditionsverbunden - zukunftsstark“ in Würzburg stattfand, ein-stimmig verabschiedet. 

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Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, lobte in seiner Rede, dass sich die Situation für die Hausärzte in den vergangenen Jahren deutlich verbessert habe: „Wir haben die Trendwende einläutet. So wächst auch das Interesse der Medizinstudierenden, sich später als Facharzt für Allgemeinmedizin niederzulassen.“ Als Gründe nannte Dr. Geis die gesetzliche Absicherung der Hausarztverträge, die Abschaffung der Regresse, die Reform des Bereitschaftsdienstes, die Streichung der Residenzpflicht und die Zulassung von hausärztlichen MVZs als wichtige Meilensteine, um den Hausarztberuf attraktiver zu machen.

„Junge Mediziner können jetzt frei entscheiden, wo und wie sie in den Beruf starten wollen: Ob gleich als niedergelassener Hausarzt mit eigener Praxis oder zusammen mit Kollegen in einer Ge-meinschaftspraxis oder zunächst festangestellt bzw. in Teilzeit. Hausarzt zu sein, ist heute nicht nur der schönste Beruf der Welt, sondern auch der familienfreundlichste“, stellte Dr. Geis fest und forderte die Politik auf, bei den gemeinsamen Anstrengungen gegen den drohenden Hausärzte-mangel nicht nachzulassen.

Dringend notwendig seien deshalb unter anderem die zügige Umsetzung des Masterplans 2020, mehr Medizinstudienplätze in Bayern, die sofortige Etablierung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin auch an den Universitäten in Augsburg und Regensburg sowie die finanzielle Förderung von Lehrpraxen, die PJ-Studierende ausbilden.

Außerdem mahnen die bayerischen Hausärzte die Politik an, endlich Schritte zum Bürokratieabbau zu unternehmen. Dr. Geis: „Wir brauchen jede Minute, um uns um unsere Patientinnen und Pati-enten zu kümmern und nicht, um irgendwelche sinnlosen Formulare auszufüllen oder nicht funkti-onsfähige Konnektoren zu installieren und für die Krankenkassen über den Stammdatenabgleich Verwaltungsaufgaben zu übernehmen, ohne adäquat oder überhaupt hierfür vergütet zu werden.“

Eine weitere Kernforderung der bayerischen Hausärztinnen und Hausärzte bleibt nach wie vor die Stärkung der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV). Gerade die Bereiche Geriatrie, Palliativ- und Telemedizin müssten von Krankenkassen im Rahmen der HzV weiter gefördert und gestärkt werden. Außerdem sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die auch junge Menschen motivieren, sich in die HzV einzuschreiben.

Dr. Geis: „In der HzV ist der Hausarzt der zentrale Dreh- und Angelpunkt für den Patienten. Davon profitieren alle. Die Hausärzte wegen einer leistungsgerechten Vergütung, die Patienten wegen der besseren Versorgung und die gesetzlichen Krankenkassen wegen der Kosteneinsparungen, weil zum Beispiel Fehl- und Doppeluntersuchungen eher vermieden werden.“

In einem weiteren Beschluss begrüßen Bayerns Hausärzte die Ankündigung der neuen Bundesre-gierung im Koalitionsvertrag, die hausärztliche Versorgung und die sprechende Medizin besser zu vergüten und die Weiterbildung Allgemeinmedizin weiter zu fördern. Als völlig unnötige Gängelei durch die Politik und abschreckend für den hausärztlichen Nachwuchs wird hingegen die Erhöhung der Sprechstundenzeit, die nur einen Teil der ärztlichen Arbeitsbelastung ausmacht, auf 25 Stunden eingeschätzt.

Dr. Geis: „Jeder dritte Hausarzt ist über 60 Jahre alt. Noch immer schließt allein Bayern jede Woche eine Hausarztpraxis, weil sich kein Nachfolger findet. Wir dürfen deshalb nicht nachlassen, alles zu unternehmen, um die medizinische Versorgung der Patienten in Stadt und Land zu sichern, aber wir sehen auch erste Erfolge.“

Ansprechpartner Presse: Torsten Fricke, Tel. 0171-41 58 329 / Heike Blümmel, Tel. 089-12 73 927-12

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