Tag der Hausarztmedizin: „„Selbst in München gibt es Stadtviertel mit akutem Mangel an Hausärzten“

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Ruth Waldmann, Landtagsabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, besuchte Dr. Wolfgang Ritter in der Gemeinschaftspraxis Dr. Grassl in München.

MdL Ruth Waldmann Dr. Wolfgang RitterZum Vergrößern bitte klicken.

München, Juni 2018 – Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft: Rund um den Tag der Hausarztmedizin laden Hausärztinnen und Hausärzte in ganz Bayern Abgeordnete zum Besuch in ihre Praxen ein. 

Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes: „Diese Praxisbesuche sind eine gute Gelegenheit, um den Politikern anschaulich zu zeigen, welche Herausforderungen wir Hausärztinnen und Hausärzte jeden Tag meistern müssen, um die flächendeckende Versorgung für unsere Patientinnen und Patienten in Stadt und Land sicherzustellen. Unsere Themenschwerpunkte beim Tag der Hausarztmedizin sind in diesem Jahr die Stärkung der hausärztlichen Aus- und Weiterbildung, die Verbesserung der Rahmenbedingungen der Praxistätigkeit und die Förderung der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) über Bonusanreize für die Versicherten.“

Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin besuchte Ruth Waldmann, Landtagsabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, die Gemeinschaftspraxis Dr. Grassl in München, um sich mit Dr. Wolfgang Ritter auszutauschen.

Der drohende Hausarztmangel auf dem Land ist mittlerweile Top-Thema in der Politik. Doch auch in der Stadt fehlen Hausärzte. So seien die nördlichen Stadtteile von München untersorgt, stellte die Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann fest: „Fahren Sie mal als Mutter mit einem fiebrigen Kind eine halbe Stunde mit der U-Bahn in die Stadt, um die nächste Praxis zu erreichen. Oder als alter Mensch, dessen Mobilität mittlerweile eingeschränkt ist.“

Dr. Ritter ist kooptiertes Mitglied im Landesvorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes und Delegierter des Bezirks München. Sein Fazit nach dem Gespräch mit der Gesundheitspolitikerin: „Wir sind uns einig, dass wir mehr Medizin-Studierende brauchen, die sich später als Facharzt für Allgemeinmedizin niederlassen. Wir sind hier auf einem guten Weg und spüren ein stärkeres Interesse unter den Studierenden am Hausarztberuf. Doch das braucht Zeit. Die Politik sollte jetzt nicht auf vermeintlich schnelle Lösungen setzen. Wir Hausärztinnen und Hausärzte brauchen keinen Physician Assistant und keinen Facharzt für Geriatrie. Wir brauchen auch keine externen Anbieter für Routine-Hausbesuche, da wir diesen Bereich bereits hervorragend über unsere VERAHS, die Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis, abdecken.“

Auf offene Ohren stieß Dr. Ritter bei der Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann auch mit der Forderung nach alternativen Zugangsregeln zum Medizin-Studium anstelle des Numerus Clausus und nach der sofortigen Einrichtung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin auch an den Universitäten in Augsburg und Regensburg. „Wir müssen die Allgemeinmedizin frühzeitig im Studium verankern. Nur so können wir Studierende für eine spätere Karriere als Fachärztin oder Facharzt für Allgemeinmedizin begeistern“, erklärt Dr. Ritter.

Wichtig sei es auch, die Hausarztverträge weiterzuentwickeln, so Dr. Ritter: „Wir brauchen ein Bonussystem für Patienten, die sich freiwillig in einen Hausarztvertrag einschreiben. Gerade in München erleben wir, dass Versicherte völlig ungesteuert von einem Facharzt zum anderen pilgern. Das ist nicht nur teuer, sondern bringt auch nicht immer den erwünschten Erfolg. 80 Prozent alle Fälle lösen wir Hausärztinnen und Hausärzte selbst. 20 Prozent der Patienten schicken wir zum richtigen Facharzt und koordinieren, weil es sich meist um multimorbide Patienten handelt, die gesamte Behandlung. Dabei haben wir immer den ganzen Menschen im Blick.“

Ruth Waldmann: „Bei den vielen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürger erlebe ich täglich, wie wichtig eine gute medizinische Versorgung für die Menschen ist. Vom drohenden Hausarztmangel sind allerdings nicht nur die ländlichen Regionen betroffen, sondern auch innerhalb großer Städte wie München, Nürnberg oder Augsburg gibt es Stadtviertel mit akutem Mangel an Hausärzten. Hier herrscht eine sehr ungleiche Verteilung. Auch hier muss die Politik handeln. Generell wird es keine einfachen oder schnellen Lösungen geben. Wir brauchen einen langen Atem – auch das nehme ich aus meinem Besuch in der Hausarztpraxis für meine politische Arbeit mit.“

Ansprechpartner Presse: Torsten Fricke, Tel. 0171-41 58 329 / Heike Blümmel, Tel. 089-12 73 927-12

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