Sicherung der hausärztlichen Versorgung: "An einem Strang ziehen für mehr Hausärzte"

Veröffentlicht am .

Gruppenfoto6Zum Vergrößern bitte klicken.

Würzburg, 04. Juli 2018 – Um die hausärztliche Versorgung in der Region Würzburg wie andernorts für die Zukunft zu sichern, müs-sen Gemeinden, Ärzteverbände und Univer-sitäten an einem Strang ziehen und eine Niederlassung als Hausarzt für den Ärzte-nachwuchs noch attraktiver machen. Zu die-sem Ergebnis kamen Vertreter aus Ärzte-schaft und Politik in einer Diskussionsrunde, zu der die Gesundheitsregion Plus Stadt und Landkreis Würzburg am vergangenen Mitt-woch, 04. Juli, in das Ärztehaus Würzburg geladen hatte. Grundlage der Diskussion bildeten die Ergebnisse einer Umfrage unter Haus
ärzten der Region zu den Themen Nachfol-geregelung und Hausärztemangel,
initiiert von der Gesundheitsregion plus Stadt und Landkreis Würzburg und unterstützt vom Bayerischen Hausärzteverbandes, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und dem Ärztlichen Kreisverband Würzburg.

„Die nächsten fünf Jahre sind entscheidend. Denn dann werden viele Kolleginnen und Kollegen ihre Hausarztpraxis schließen oder abgeben - ohne geeigneten Nachwuchs steuern wir in eine Versor-gungsknappheit.“ Damit umriss Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, das zentrale Problem der Hausärztlichen Versorgung. Laut der Umfrage wollen 35 Prozent der Be-fragten ihre Hausarztpraxis abgeben, „das sind rund 80 Ärzte, die unsere Region in den nächsten Jahren verlassen werden“, betonte Christian Kretzschmann, Geschäftsstellenleiter der Gesundheits-region Plus Stadt und Landkreis Würzburg. Zeitgleich steigt die Zahl der Hausärzte, die in einem An-gestelltenverhältnis arbeiten, „bei Frauen und Männern“, betonte Gunnar Geuter, Medizinaloberrat vom Kommunalbüro für ärztliche Versorgung im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Le-bensmittelsicherheit. „Die Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigen im Stellenwert, kleinteilige Strukturen wie die Einzelpraxis sind hier deutlich im Nachteil - diesen Trend werden wir nicht aufhalten können“.

Um die hausärztliche Versorgung wohnortnah zu sichern, sieht Geuter gemeindeübergreifende Konzepte und Vernetzung als zentrale Lösungsansätze: „Gemeinschaftspraxismodelle, die sowohl örtlich als auch überörtlich organisiert sind, können die Versorgungsnachfrage bewältigen und gleichzeitig flexible Arbeitszeiten bieten.“ Positiv zu bewerten sind dabei die Entwicklungen bei der Berufsaus-übung des Hausarztes, auf die Dr. Pfeiffer, Bezirksvorsitzender Unterfranken und Regionaler Vor-standsbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns hinwies: „Man kann in der Stadt woh-nen und zur Arbeit aufs Land fahren, in Anstellung und in Teilzeit arbeiten; auch der neue Bereit-schaftsdienst kommt dem flexiblen Arbeitsmodell entgegen. Damit kann keine Klinik konkurrieren.“ Dr. Johann Paula, Direktor Medizin und Pflege des Klinikums Würzburg und Mitgründer des Weiter-bildungsverbundes Würzburg, plädierte auch für die engere Zusammenarbeit zwischen der klinischen und ambulanten Versorgung: „Ein wichtiger Aspekt ist, dass Fachärzte innerhalb der Kliniken auch Weiterbildungen für Allgemeinmediziner mitanbieten.“

Durch die Akademisierung der Allgemeinmedizin in Bayern hat man bereits wichtige Arbeit für die Anerkennung des Hausarztberufs geleistet: „Nur wenn wir auch an den Universitäten präsent sind, wird der Hausarztberuf für die Studenten interessant“, so Dr. Geis. Dabei kann die Gemeinde unterstützende Arbeit leisten: „Tun Sie etwas für die PJ-Studenten“, forderte Prof. Dr. Anne Simmenroth, Lehrstuhlinhaberin für Allgemeinmedizin an der Universität Würzburg. Sofern die Eltern keine finanzielle Unterstützung bieten können, sind die Studenten in ihrem Praktischen Jahr auf Hilfe von Dritten angewiesen. Hier könnten die Gemeinde und die auszubildenden Ärzte bei der Suche nach einer geeigneten und kostengünstigen Unterkunft helfen. Um das Landarztdasein für die Studenten attraktiver zu gestalten, brauche es außerdem ein Freizeit- und Kulturangebot. Prof. Dr. Simmenroth: „Die Region sollte den Studenten zeigen können: ‚schaut mal wie schön es bei uns ist‘, das wird oft ver-gessen.“

Für die Zukunft sei es wichtig, dass Vertreter aus allen Bereichen an einem Strang ziehen: „Auch wenn die Work-Life-Balance an Bedeutung gewinnt, braucht es weiterhin engagierte Ärztinnen und Ärzte, die bereit sind in der Politik mitzuwirken“, verdeutlichte die stellvertretende Landrätin Christine Haupt-Kreutzer. „Wir müssen bereit sein, uns zusammenzuschließen, nur so bleiben wir wett-bewerbsfähig und werden nicht von Konzernen überrollt“, appellierte Dr. Geis an die Teilnehmer. „Hierbei ist das Zusammenspiel von vielen unterschiedlichen Akteuren gefragt, die bereit sind, ihr Engagement nach außen hin zu präsentieren“, so Kretzschmann zum Schluss der Veranstaltung.

Applaus erntete der Aufruf von Dr. Potrawa: „Das Grundproblem ist, dass wir für den gesellschaftli-chen Wandel zu wenige Ärzte haben. Deshalb bin ich heute sehr dankbar, dass mit der Gesundheits-region plus jetzt etwas passiert – es ist nie zu früh und selten zu spät. Denken Sie groß – das steckt die Rahmenbedingungen, die den Wandel möglich machen.“

Ansprechpartner Presse: Dunya Oulatto, Tel. 089-12 73 927 62/ Christian Kretzschmann, Tel. 0931 8003-662

Pressemitteilung als PDF