5. Tag der Hausarztmedizin: Politiker besuchen Praxen

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München, 8. Mai 2019 – Rund um den Tag der Hausarztmedizin treffen sich Politiker mit Hausärzten in deren Praxen zum persönlichen Meinungs- und Informationsaustausch. „Gesundheit ist das höchste Gut. Es ist deshalb wichtig, dass Politiker aus erster Hand erfahren, wie es um die medizinische Versorgung in Stadt und Land bestellt ist, um frühzeitig die richtigen Maßnahmen einleiten zu können“, erklärt Dr. Markus Beier, der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes.

Die Kernthemen, die den Hausärzten derzeit auf den Nägel brennen, sind die Sicherung der Freiberuflichkeit, die Weiterentwicklung der Hausarztverträge, der Kampf um den hausärztlichen Nachwuchs, die Förderung der VERAH und die Kritik am neuen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG).

So beobachtet der Bayerische Hausärzteverband mit Sorge, dass Kapitalgesellschaften und private Gesundheitsunternehmen gezielt Arztsitze aufkaufen, eigene Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gründen und festangestellte Ärzte dort nach ihren Vorgaben arbeiten lassen. Dr. Markus Beier: „Diese Kommerzialisierung der medizinischen Versorgung ist eine Gefahr für die Patienten, aber auch für uns Ärztinnen und Ärzte. Hausärzte dürfen nicht zu Befehlsempfängern von Controllern werden.“ Der Bayerische Hausärzteverband schlägt deshalb vor, die Größe von MVZ zu beschränken und Ärzte, die derzeit von Kapitalunternehmen als Strohmänner eingesetzt werden, mit in die Haftung nehmen.

2019 Drs.Berger Fabian MehringZum Vergrößern bitte klicken.

Positiv sieht Bayerns Hausärzteschaft dagegen die Entwicklung der Hausarztzentrierten Versorgung. Rund 1,2 Millionen Versicherte sind mittlerweile allein im Freistaat in einem Hausarztvertrag eingeschrieben und verfügen damit über einen festen Hausarzt. „Damit unser Gesundheitssystem nicht unter dem Druck des demographischen Wandels kollabiert, müssen wir die Hausarztzentrierte Versorgung weiter vorantreiben und zu einem freiwilligen Primärarztsystem mit Bonus-Regelung für die HzV-Versicherten entwickeln. Nur so können wir eine Kostenexplosion, zum Beispiel aufgrund teurer Doppel- und Falschuntersuchungen, verhindern“, erklärt Dr. Beier.

Ein wichtiges Thema ist nach wie vor der Kampf um den hausärztlichen Nachwuchs. Viele Regionen in Bayern stehen vor einer akuten Unterversorgung und selbst in München gibt es Stadtviertel, in denen Hausärzte fehlen. Als Gegenmaßnahmen fordert der Bayerische Hausärzteverband deshalb unter anderem, den Numerus Clausus als große Hürde zum Medizinstudium abzuschaffen und an allen medizinischen Fakultäten in Bayern Lehrstühle für Allgemeinmedizin einzurichten, um den Nachwuchs früh und kompetent mit der Allgemeinmedizin in Kontakt zu bringen. So fehlt an der Universität Regensburg nach wie vor ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, obwohl gerade die Oberpfalz akut von einer hausärztlichen Unterversorgung bedroht ist.

2019 Stich Lippert DeinleinZum Vergrößern bitte klicken.

Dr. Beier: „Der Bayerische Hausärzteverband fordert aber nicht nur Maßnahmen von der Politik, sondern engagiert sich selbst auf vielfältige Weise für die Nachwuchsgewinnung. So hat unsere Stiftung Bayerischer Hausärzteverband zwei Förderprogramme aufgelegt, um Studierende bei einer Famulatur auf dem Land und bei einem Praktikum im Rahmen des PJs in einer Allgemeinarztpraxis zu unterstützen.“

Um den Beruf des Hausarztes attraktiver zu machen, sei außerdem die Delegation von ärztlichen Leistungen sinnvoll, „aber nur unter ärztlicher Führung“, so Dr. Beier. Umgesetzt wurde dies
mit der Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH). Die VERAH ist eine Medizinische Fachangestellte mit einer hochwertigen Zusatzausbildung, die für den Arzt zum Beispiel Routine-Hausbesuche übernimmt. Bundesweit wurden bislang knapp 12.000 VERAHs ausgebildet, davon 2.468 in Bayern. Dr. Beier: „Es macht deshalb wenig Sinn, über andere Betreuungsformen außerhalb der Praxis oder über die Einführung eines Physician Assistent nachzudenken. Die Folgen wären nur höhere Kosten und eine schlechte Patientenversorgung aufgrund von mangelnder Abstimmung.“

Kritik übt der Bayerische Hausärzteverband am Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das in den nächsten Wochen in Kraft tritt. „Das TSVG geht an der Versorgungsrealität völlig vorbei. Statt Hausärzte als erste Anlaufstelle der Patienten zu stärken, werden Ärzte und Selbstverwaltung mit praxisfernen Vorgaben gegängelt. Mehr noch: Das Gesetz öffnet dem ineffektiven Chipkarten-Tourismus Tür und Tor, indem Spezialisten gezwungen werden, freie Sprechstunden ohne vorherige Terminvereinbarung zu vergeben und ihnen dafür Honorarzuschläge in Aussicht gestellt werden“, warnt Dr. Beier.

Der Tag der Hausarztmedizin wurde auf Initiative des Bayerischen Hausärzteverbandes vom Deutschen Hausärzteverband ins Leben gerufen und findet seit 2015 jeweils am 7. Mai statt. Die ersten Politikervisiten haben bereits stattgefunden. So besuchte Florian Töpper (SPD), Landrat von Schweinfurt, in der vergangenen Woche das Hausarztzentrum in Grafenrheinfeld und diskutierte mit den Hausärzten Dr. Jürgen Schott, Dr. Klaus-Ulrich Schmier, Dr. Astrid Schott und Dr. Heidrun Koenen. In Kemnath empfing Dr. Peter Deinlein den Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert (Freie Wähler). Und in Meitingen trafen sich Dr. Jakob Berger und Dr. Johannes Berger mit dem Landtags-abgeordneten und Parlamentarischen Geschäftsführer der Freien Wähler, Dr. Fabian Mehring.

Weiterhin geplant sind folgende Politikerbesuche in der Praxen: MdL Jürgen Mistol (B90/Die Grünen) bei Dr. Stefan Semmler am 9. Mai in Lappersdorf (Kreis Regensburg), stv. Landrat Kurt Unger bei Dr. Detlef Fuchs am 15. Mai in Feuchtwangen (Kreis Ansbach), MdL Johannes Becher (B90/Die Grünen) bei Dr. Rainer Hart am 27. Mai in Erding, MdL Dr. Dominik Spitzer (FDP) bei Dr. Stefan Gram-lich am 29. Mai in Blaichach (Kreis Oberallgäu) und MdL Klaus Holetschek (CSU) bei Dr. Alexander Zaune und Dr. Kristina Schoger am 13. Juni in Dillingen.

Ansprechpartner Presse: Torsten Fricke, Tel. 0171-41 58 329 / Heike Blümmel, Tel. 089-12 73 927-0

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