5. Tag der Hausarztmedizin: Uni Regensburg braucht einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin

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Kemnath, 25. Juni 2019 – In der Oberpfalz droht ein akuter Mangel an Hausärzten. Jeder dritte Allgemeinarzt (34,1 Prozent) ist über 60 Jahre und wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Junge Mediziner zu finden, die sich in der Oberpfalz vor allem auf dem Land niederlassen wollen, wird immer schwerer. Die Nachwuchsgewinnung bei den Hausärzten war deshalb das große Thema bei der Praxisvisite von Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert (Freie Wähler). Im Rahmen des 5. Tages der Hausarztmedizin hatte der Landrat die Praxis von Dr. Peter Deinlein in Kemnath besucht, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen.

Dr. Peter Deinlein: „Hausarzt zu sein, ist der schönste Beruf der Welt, aber diese Erfahrung muss der Nachwuchs auch selbst machen können. Wir sollten deshalb bereits im Studium die Medizinstudierenden frühzeitig mit der Allgemeinmedizin in Kontakt bringen. Es ist deshalb für die gesamte Oberpfalz bedauerlich, dass die Universität Regensburg als einzige Hochschule mit medizinischer Fakultät in ganz Bayern noch keinen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin hat oder plant. Darüber hinaus müssen wir aber auch in unserem Landkreis aktiver werden und jungen Medizinern in unseren Kliniken und Praxen eine hervorragende Aus- und Weiterbildung bieten, um diese so für unsere Region zu begeistern.“

Wie wichtig es ist, bereits im Studium mit der Allgemeinmedizin in Kontakt zu kommen, konnte Dr. Deinleins Weiterbildungsassistentin Dr. Laura Stich aus eigener Erfahrung aufzeigen. „Ich habe in Leipzig studiert und war während meiner Famulatur und einem Teil meines Praktischen Jahres in der Allgemeinarztpraxis von Dr. Deinlein. Das hat mich geprägt. Mein Ziel ist es, mich nach meinem Abschluss als Fachärztin für Allgemeinmedizin in der Region niederzulassen.“

Um die hausarztzentrierte Versorgung in Stadt und Land nachhaltig sicherzustellen, hat die Politik bereits mehrere Maßnahmen ergriffen. So bieten die mittlerweile gesetzlich garantierten Hausarztverträge gerade jungen Allgemeinmedizinern eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive sich niederzulassen.

Um den Beruf als Allgemeinarzt noch attraktiver zu machen, indem man die Arbeitsbelastung für Ärzte reduziert, könne auch die Delegation von ärztlichen Leistungen sinnvoll sein - „aber nur unter ärztlicher Führung“, stellte Dr. Deinlein klar. Ein gutes Beispiel sei hierfür die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH). Die VERAH ist eine Medizinische Fachangestellte mit einer hochwertigen Zusatzausbildung, die für den Arzt zum Beispiel Routine-Hausbesuche übernimmt. Bundesweit wurden bislang knapp 12.000 VERAHs ausgebildet, davon 2.468 in Bayern. „Die VERAH ist ein Erfolgsmodell. Es ist deshalb kontraproduktiv, andere Betreuungsformen außerhalb unserer Praxen zu subventionieren. Das wäre ein fatales Signal an die kommende Hausarztgeneration“, so der Facharzt für Allgemeinmedizin. Die Folgen wären zudem höhere Kosten und eine schlechtere Patientenversorgung aufgrund von mangelnder Abstimmung. Dr. Deinlein: „Bei den Facharztprüfungen sehen wir seit 10 Jahren ein deutlich zunehmendes Interesse an der Allgemeinmedizin. Diesen Trend sollte die Politik nicht durch einen falsch verstandenen Aktionismus und alternative Versorgungsmodelle wieder zunichte machen.“

Landrat Wolfgang Lippert: „Der Praxisbesuch hat deutlich gemacht, wo den Hausärztinnen und Hausärzten in der Region der Schuh drückt. Gemeinsam haben wir das Ziel, die medizinische Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger nachhaltig sicherzustellen. Die Forderung nach einem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Universität Regensburg kann ich deshalb nur unterstützen.“

 Ansprechpartner Presse: Torsten Fricke, Tel. 0171-41 58 329 / Heike Blümmel, Tel. 089-12 73 927-0

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