Bayerns Bürgerbeauftragter Klaus Holetschek: „Der Hausarzt muss die wichtigste Anlaufstelle für Patienten bleiben“

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Dillingen an der Donau, 4. Juli 2019 – Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin hat sich Bayerns Bürgerbeauftragter Klaus Holetschek in der Gemeinschaftspraxis Dr. Kristina Schoger und Dr. Alexander Zaune in Dillingen an der Donau über die Sorgen und Nöte zum Thema Gesundheitspolitik informiert.

Das größte Problem sei, so erklärte Dr. Kristina Schoger dem CSU-Landtagsabgeordneten, der zunehmende Zeitdruck, da auf immer weniger Hausärzte immer mehr Patienten kommen. „Die persönliche Betreuung von Mensch zu Mensch droht dabei verloren zu gehen“, so die Hausärztin.

Bereits jetzt ist das persönliche Engagement enorm. Dr. Schoger wohnt mit ihrer Familie in München und pendelt nach Dillingen. „Manchmal fahre ich jeden Tag nach Hause, wenn es sein muss." Ein normaler Arbeitstag beginnt für sie um acht Uhr in der Praxis und endet nach den Hausbesuchen manchmal auch erst spät am Abend. Hinzu kommen die Fahrten von und nach München. „Ich mache das, weil ich mit meinem Bruder Dr. Alexander Zaune die Praxis meiner Eltern weiterführen will.“

Dillingen ist zwar auf dem Papier noch nicht unterversorgt, hat aber in der Realität einen großen Bedarf an Hausärzten. Deshalb kann die Gemeinschaftspraxis mittlerweile auch keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Aktuell werden die 54.754 Bewohner im Planungsbereich Dillingen von 36 Hausärzten versorgt, wobei hier auch Hausärzte mitgezählt werden, die nicht Hausärzte im Sinne einer klassischen hausärztlichen Versorgerpraxis sind. Zudem sind ein Drittel dieser Hausärzte bereits über 60 Jahre alt und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Junge Hausärzte, wie Roman Ruef, der derzeit seine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in der Gemeinschaftspraxis Dres. Schoger & Zauner absolviert, werden deshalb auch in Dillingen dringend gesucht.

Klaus Holetschek: „Aufgabe einer verantwortungsbewussten Politik ist es, dass jeder Patient in Stadt und Land wohnortnah versorgt wird. Dabei muss der Hausarzt die wichtigste Anlaufstelle für die Patienten bleiben. Hinzu kommt die weitere Versorgung durch Fachärzte, ein flächendeckendes Angebot an Apotheken und eine bedarfsgerechte Krankenhausversorgung. Gesundheit ist schließlich das wichtigste Gut.“

Ein weiteres Problem, so Dr. Schoger, sei die zunehmende Bürokratie. „Das empfinde ich schon fast als Bedrohung“, klagt die Hausärztin und berichtet von einem schwergewichtigen Patienten, dem sie aufgrund der größeren Körpermasse eine höhere Dosis eines Medikamentes verschrieben hatte. „Die Mehrkosten von 1300 Euro musste ich selbst tragen. Ich hätte das sicher einklagen können, aber dann hätte ich noch weniger Zeit für meine Patienten."

Thema bei dem Gespräch war auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen. „Wir müssen die Digitalisierung gestalten und den Nutzen sowie den Mehrwert für die Patienten in den Mittelpunkt stellen“, so Holetschek. Dr. Kristine Schoger warnte, dass unter allen Umständen die Daten der Patienten geschützt werden müssen: „Die Daten unserer Patienten müssen in unseren Händen bleiben.“

Kritisch sah Dr. Schoger auch das Thema Physician Assistant. „Hausärzte können nur durch Hausärzte ersetzt werden und nicht durch einen Doctor light, der nur ein Kurzzeitstudium absolviert hat“, stellte die Fachärztin für Allgemeinmedizin klar. Die Delegation ärztlicher Leistungen sei zwar sinnvoll, aber nur unter ärztlicher Kontrolle. „Dafür haben wir unsere VERAH. Die speziell weitergebildeten Versorgungsassistentinnen in der Hausärztlichen Praxis übernehmen jetzt schon Routinehausbesuche für den Hausarzt und sind eine wichtige Säule in der hausarztzentrierten Versorgung. Bundesweit wurden bislang knapp 12.000 VERAHs ausgebildet, davon 2.468 in Bayern.“

Ansprechpartner Presse: Torsten Fricke, Tel. 0171-41 58 329 / Heike Blümmel, Tel. 089-12 73 927-0

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