Bayerischer Hausärzteverband fordert bessere Rahmenbedingungen

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Dr. SpitzerVerah Anja KlingsteinerDr. GramlihZum Vergrößern bitte klicken.

München/Nürnberg, 19. November 2019 – Einstimmig haben die Delegierten des Bayerischen Hausärzteverbandes auf ihrer Delegiertenversammlung am Wochenende in Nürnberg einen zwölf Punkte umfassenden Forderungskatalog verabschiedet.

„Die Rahmenbedingungen hausärztlicher Tätigkeit müssen so weiterentwickelt werden, dass wir Hausärztinnen und Hausärzte unbürokratisch und ohne den Zwang übergeordneter Kapitalinteressen bei einem angemessenen Honorar unsere Patientinnen und Patienten versorgen können“, begründet Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, die Initiative.

Ganz oben auf der Agenda bei den bayerischen Hausärztinnen und Hausärzten stehen die Förderung der sprechenden Medizin sowie die Weiterentwicklung und nachhaltige Stärkung der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) als freiwilliges Primärarztsystem. Dr. Beier: „Es ist mittlerweile wissenschaftlich belegt, dass die von uns Hausärztinnen und Hausärzte außerhalb der KV-Strukturen eigenständig entwickelte und bis hin zur Abrechnung der hausärztlichen Leistungen umgesetzte Hausarztzentrierte Versorgung eine qualitativ bessere Patientensteuerung garantiert und das komplette Spektrum hausärztlicher Tätigkeit und deren Schwerpunkte besser abbildet. Für die Patientinnen und Patienten müssen wir kurzfristig zusammen mit den Kassen ein einfaches und unbürokratisches Bonussystem schaffen, um die HZV als freiwilliges Primärarztsystem stärken und weiterentwickeln zu können.“

Wichtig ist den Hausärzten auch das Thema Impfen. Schon aus Glaubwürdigkeitsgründen gegenüber den Patienten müsse aber eine entsprechende Beratung unabhängig davon honoriert werden, ob eine Impfung erfolge oder nicht. Mögliche Fehlentwicklungen müssten in einem zweiten Schritt geprüft werden. Zudem sei es nicht hinnehmbar, dass immer wieder Impfstoffe und Medikamente nicht verfügbar seien. „Diese Lieferengpässe gefährden die Gesundheit vieler Menschen weitaus mehr als etliche der vermeintlichen Probleme, die derzeit diskutiert werden. Die Weigerung fast aller großen Pharmafirmen, weiter in die Entwicklung neuer Antibiotika zu investieren, ist skandalös und muss durch gesetzgeberisches Handeln sanktioniert werden“, erklärt der Bayerische Hausärzteverband.

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Kritsch setzt sich der Bayerische Hausärzteverband mit den aktuellen politischen Weichenstellungen auseinander. So gefährden die neuen Terminservicestellen die Versorgung chronisch kranker Patienten, da das Budget für diese Einrichtungen künftig in der Versorgung fehle.

Eine Fehlentwicklung sieht der Bayerische Hausärzteverband auch in den immer größer werdenden Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). „Wo das Primat von Kapitalinteressen herrscht, fehlt es systembedingt an der nötigen ärztlichen Fürsorge“, heißt es in dem 12-Punkte-Katalog. Der Bayerische Hausärzteverband verlangt deshalb von der Politik, die Größe der MVZs zu beschränken und so den Ausverkauf der medizinischen Versorgung ganzer Regionen an Investoren zu stoppen.

Dringend erforderlich sei auch eine Stärkung der zentralen Berufsbilder im Gesundheitswesen durch mehr Honorar und mehr Selbstbestimmung. Dr. Beier: „Mit der VERAH, den Versorgungsassistentinnen in der hausärztlichen Praxis, haben wir kompetente Mitarbeiterinnen in unseren Praxisteams, die unter anderem Routinehausbesuche übernehmen. Diesen Weg der Delegation unter hausärztlicher Leitung müssen wir weiter weitergehen.“ Keinen Sinn mache es dagegen, neue künstliche Versorgungsbereiche wie den Physician Assistant in der ambulanten Medizin einzuführen. Dies führe nur zu massiven Schnittstellenproblemen.

Um echte Notfälle in den häufig überlaufenen Notfallambulanzen der Krankenhäuser besser und schneller behandeln zu können, fordert der Bayerische Hausärzteverband eine Stärkung des Bereitschaftsdienstes durch eine sogenannte Triage-Steuerung. „Weder das subjektive Bedürfnis von Patienten noch die Kapitalinteressen von Anbietern dürfen die medizinische Versorgung steuern“, heißt es dazu in dem 12-Punkte-Papier. Der Bayerische Hausärzteverband schlägt deshalb vor, dass Patienten, die ungesteuert eine Notfallambulanz aufsuchen, obwohl kein vitaler Notfall vorliegt, eine Gebühr von 30 Euro zu entrichten haben.

Nach wie vor ist die Angst vor Regressen ein wichtiger Hinderungsgrund gerade für junge Medizinerinnen und Mediziner, sich niederzulassen. Der Bayerische Hausärzteverband fordert deshalb „klare, transparente und medizinische nachvollziehbare Regeln vorab“, damit die Hausärztinnen und Hausärzte nicht im Nachhinein aus heiterem Himmel zur Kasse gebeten werden.

Kritisch setzen sich die Hausärztinnen und Hausärzte auch mit der Digitalisierung auseinander. Zwar könne gerade die Telemedizin die Versorgung verbessern, aber insbesondere der Datenschutz müsse weiterhin garantiert werden. Strenge Regeln fordert der Bayerische Hausärzteverband deshalb bei den Gesundheits-Apps. Hier sollten nach Ansicht des Bayerischen Hausärzteverbandes die strengen Regeln der Medikamenten-Zulassung, insbesondere der sogenannte Wirknachweis, ebenfalls gelten.

Den vollständigen 12-Punkte-Forderungskatalog finden Sie auf der Homepage des Bayerischen Hausärzteverbandes unter www.hausaerzte-bayern.de .

Ansprechpartner Presse:
Dunya Oulatto, Tel.: 089/127 39 27 62, Torsten Fricke, Tel. 0171-41 58 329

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