Corona-Bonus: Staatsregierung darf die MFAs nicht vergessen

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München, 8. April 2020 – Der Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie ist gerade für die Hausarztpraxen eine besondere Belastung. Zum einen müssen flächendeckend in Stadt und Land Patienten mit anderen, teilweise ebenfalls schweren Erkrankungen weiter versorgt werden, zum anderen gilt es, noch nicht lebensbedrohlich erkrankte Corona-Patienten zu behandeln, damit die Kapazitäten in den Krankenhäusern möglichst lange ausreichen und die stationäre Versorgung nicht, wie in anderen Ländern bereits geschehen, kollabiert. Bislang ist dieser außergewöhnliche Einsatz erfolgreich: Sechs von sieben Corona-Patienten werden derzeit in Deutschland ambulant versorgt.

„Diese Doppelbelastung stemmen wir Hausärztinnen und Hausärzte nur, weil wir mit unseren MFAs hoch kompetente und sehr engagierte Mitarbeiterinnen an unserer Seite haben. Es ist deshalb absolut unverständlich, warum gerade die MFAs von der an sich begrüßenswerten Corona-Bonusregelung des Freistaates Bayern ausgenommen werden. Hier muss die Staatsregierung umgehend nachjustieren“, erklärt Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes.

Zum Hintergrund: Die bayerische Staatsregierung hat am Dienstag eine Bonusregelung für Mitarbeiter im Gesundheits- und Pflegebereich verabschiedet. Demnach sollen Pflegekräfte in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie ambulanten Pfle-gediensten und Notfallsanitäter und Rettungsassistenten eine einmalige Sonderzahlung von 500 Euro erhalten. Begründung: Diese Berufsgruppen würden „Enormes bei der Bewältigung der Corona-Pandemie leisten“ und „die wichtige Gesundheitsversorgung am Laufen“ halten. Außerdem seien sie „trotz aller Vorkehrungen einem zusätzlichen Infektionsrisiko ausgesetzt“.

Als „blinder Fleck in der ambulanten Versorgung“ kritisiert Stefanie Teifel, 1. Vorsitzende Landesverband Süd des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V., die Ausgrenzung der MFAs. In einem Brief an Ministerpräsident Markus Söder macht der Verband seinem Ärger Luft: „Die ambulante ärztliche und zahnärztliche Versorgung ist in ihrer Gesamtheit systemrelevant und leistet in der aktuellen Situation Außergewöhnliches. Mehr als 400.000 Medizinische Fachangestellten und 200.000 Zahnmedizinische Fachangestellte sind die ersten Ansprechpartner für alle Patientinnen und Patienten, und dies täglich - ob Pandemie oder nicht.“

Da nach wie vor Schutzausrüstungen fehlen, seien insbesondere die MFAs gefährdet: „Trotz Quarantäne-Regeln, wie das Stopp-Schild an der Tür, ist der infizierte Patient nicht auf Anhieb zu erkennen. So mancher Unvernünftige ignoriert diese Warnhinweise und bedarf der besonderen Lenkung durch das Praxisteam, damit andere Patienten und weitere systemrelevante Berufsangehörige nicht gefährdet werden. Dies und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken sind für uns und unsere Berufsangehörigen selbstverständlich“, so Stefanie Teifel.

Dr. Beier: „Wir haben alle großen Respekt vor dem Einsatz der Pflegekräfte und Notfallsanitäter. Der Sonderbonus ist deshalb eine verdiente Anerkennung und Wertschätzung durch die bayerische Staatsregierung. Aber zu den Berufsgruppen, die jetzt besonders gefordert sind und sich täglich ei-nem zusätzlichen Infektionsrisiko aussetzen, gehören auch die Medizinischen Fachangestellten. Die MFAs leisten Enormes und haben diesen Bonus mehr als verdient.“

Gleichzeitig erneuerte Dr. Beier die Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes an die Politik, endlich entsprechende Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen unbedingt verhindert, dass das Virus weitergetragen wird oder Hausarztpraxen in Folge von Quarantänemaßnahmen ausfallen. Außerdem brauchen wir einen effektiven Schutz, um Risikopatienten, die beispielsweise in Alten- und Pflegeheimen leben, sicher versorgen zu können.“

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