Bayerischer Hausärzteverband fordert nachhaltige Corona-Strategie

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München, 19. August 2020 – Das neuerliche Aufflammen der Neuinfektionen mit COVID-19 erfordert mehr denn je eine nachhaltige Corona-Strategie. Angesichts der aktuellen Entwicklungen zum Thema Immunität und Impfstoff sei eine nur kurzfristige Planung nicht ausreichend, sondern die Corona-Pandemie werde die gesundheitliche Versorgung noch Monate oder gar Jahre vor große Herausforderungen stellen, heißt es in einem Positionspapier des Bayerischen Hausärzteverbandes. Die darin enthaltenen Forderungen müssen nun zügig umgesetzt werden, damit die Praxen für den Herbst gewappnet sind.

„Wir begrüßen es deshalb ausdrücklich, dass bei der Bayerischen Staatsregierung und in der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns Arbeitsgruppen unter Beteiligung von uns Hausärztinnen und Hausärzten eingesetzt werden, damit unsere Erfahrungen aus der Praxis mit in die Planungen einfließen“, erklärt Dr. Markus Beier als Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes und verweist auf die Zahlen: „Sechs von sieben Corona-Patienten sind in Deutschland ambulant versorgt worden, die meisten davon von uns Hausärztinnen und Hausärzten. Dies hat wesentlich dazu beigetragen, die Krankenhäuser zu entlasten und für lebensbedrohlich erkrankte Patienten frei zu halten. Gleichzeitig mussten wir Hausärzte aber auch die anderen Patienten, darunter viele alte und multimorbide Menschen, weiterhin versorgen. Diese Doppelbelastung haben wir kurzzeitig dank des enormen Engagements unserer MFAs und aller Kolleginnen und Kollegen gestemmt, aber wir brauchen jetzt insbesondere von der Politik eine nachhaltige Unterstützung. Es darf nicht wieder passieren, dass wir Hausärztinnen und Hausärzte erneut im Regen stehen gelassen werden.“

Der Bayerische Hausärzteverband hat deshalb einen Maßnahmenkatalog aufgestellt. Ein wichtiger Punkt: Der Nachschub an persönlicher Schutzausrüstung für die Praxen muss endlich sichergestellt werden. So rechnet der Bayerische Hausärzteverband damit, dass ab September 2020 der Bedarf an Testungen und Infektsprechstunden wieder deutlich steigt und in einer durchschnittlichen Hausarztpraxis bis zu 100 Corona-Abstriche pro Woche durchgeführt werden müssen. Dies führe auch zu erheblichen Mehrkosten, die sich in einem deutlichen Honorarzuschlag widerspiegeln müssen. „Aktuell besteht die absurde Situation, dass die Testung und Behandlung wirklich erkrankter Patientinnen und Patienten in keiner Weise zusätzlich vergütet wird“, erklärt Dr. Beier.

Außerdem sei es notwendig, Patientinnen und Patienten mit leichten oder gar keinen Symptomen vorab an einer regionalen Teststrecke zu testen, um Ressourcen zu sparen. Dr. Beier: „Die Möglichkeit, dass sich auch symptomfreie Patientinnen und Patienten testen lassen können, ist grundsätz-lich dann zu begrüßen, wenn verbindliche und transparente Detailregelungen geschaffen werden. So müssen bestimmte Gruppen, wie pädagogisches, pflegerisches und medizinisches Personal, priorisiert werden. Auch ein Konzept für Urlaubsrückkehrer aus neuen Hotspotregionen wird nötig sein. Unabdingbar ist ferner eine wissenschaftliche Begleitung auch dieser Testungen.“

Der Bayerische Hausärzteverband spricht sich außerdem dafür aus, dass bei einem Anstieg der Fallzahlen die Möglichkeit einer telefonischen AU wieder eingeführt wird. Außerdem müsse die Zuständigkeit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) gegenüber den Landkreisen und Städten sowie die Rolle des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) und der Gesundheitsämter klar definiert werden. Der Bayerische Hausärzteverband schlägt deshalb vor, dass für jede Region sogenannte Pandemieärzte von der KVB ernannt werden, die dann im engen Kontakt zu den Regionalen Vorstandsbeauftragten der KVB stehen. Außerdem müssten verpflichtende Absprache und Kommunikationswege zwischen ÖGD und Gesundheitsämtern mit den vor Ort tätigen (Haus-)Ärzten eingerichtet werden. Und jede Form der Reihentestung von Kontaktpersonen sei grundsätzlich zunächst Aufgabe des ÖGD.

Dr. Markus Beier: „Als Hausärztinnen und Hausärzte in Bayern drängen wir darauf, die notwendigen Maßnahmen kurzfristig umzusetzen. Die Pandemie lässt uns keine Zeit. Wir dürfen gerade jetzt nicht nachlässig werden.“

Pressemitteilung als PDF

Positionspapier: COVID-19 (Corona) - Zeit für grundlegende Weichenstellungen. Die wichtigsten Maßnahmen, die jetzt ergriffen werden müssen