Sitter 4 kZum Vergrößern bitte klicken.

Es kann jeden Tag passieren, zu jeder Stunde: Ein Patient bricht zusammen, ist nicht mehr ansprechbar, sein Herz hört auf zu schlagen. Notfall in der Praxis. Was nun?
„Gerade von uns Ärzten wird erwartet, dass wir auch auf eine solche Extremsituation vorbereitet sind und entsprechend professionell handeln“, erklärt Dr. Simon Sitter, Facharzt für Allgemeinmedizin und erfahrener Notarzt. Gemeinsam mit seinem Bruder Dr. Sören Sitter, der ebenfalls Allgemeinarzt und Notfallmediziner ist, hat er daher für seine Gemeinschaftspraxis in Bechhofen ein vielschichtiges und ISO 9001 zertifiziertes Programm entwickelt, um auf einen eventuellen Notfall vorbereitet zu sein.

„Der entscheidende Punkt ist die Ausbildung. Das ganze Team trainiert deshalb regelmäßig an Puppen die wichtigsten Notfallmaßnahmen, wie Herzmassage, künstliche Beatmung mit Sauerstoff und das Anlegen der Elektroden für den Einsatz des Automatisierten Externen Defibrillators, kurz AED. Hinzu kommt, dass wir das Notfallmanagement standardisiert haben. Jeder weiß, was in welcher Lage zu tun ist.“

Der zweite Punkt ist die Ausrüstung. „Wenn AED, Endotrachealtubus  und Sauerstoffflasche sowie die Notfallmedikamente in unterschiedlichen Räumen gelagert werden, kostet das im Notfall wertvolle Zeit“, so Dr. Sitter. In seiner Gemeinschaftspraxis in Bechhofen hat der Mediziner deshalb direkt neben dem ebenerdigen Eingang einen Notfallraum eingerichtet, indem sich alles vor Ort befindet. „Wir haben Checklisten entwickelt und überprüfen regelmäßig die Vollständigkeit der Ausrüstung, das Verfallsdatum der Medikamente, den Ladezustand von Akkus und ob Geräte demnächst zum TÜV müssen. Außerdem hängen alle Informationen gut sichtbar an der Wand, wie individualisierte Rettungs-Algorithmen für bestimmte Notfälle, Dosierungstabellen und die wichtigsten Telefonnummern.“

Sitter 7 kZum Vergrößern bitte klicken.

Diese systematische Vorbereitung auf den Fall X hat sich bereits mehrfach ausgezahlt. „Letztes Jahr konnte in unserer Praxis dank optimaler Erstversorgung ein 43-jähriger Patient mit Myokardinfarkt und Kammerflimmern erfolgreich reanimiert werden“, berichtet Dr. Sitter. „In einem weiteren Fall versorgten MFAs, die beim Aufräumen nach Sprechstundenende ohne Arzt in der Praxis waren, einen Patienten im Status asthmaticus mit beginnendem Laryngospasmus routiniert, bis der Arzt eintraf. Wie sinnvoll ein jährliches Routinetraining in Reanimations- und Notfallsituationen prinzipiell ist, zeigte sich auch im Fall einer Praxismitarbeiterin. Sie wurde daheim von Nachbarn zur Laienreanimation geholt, wo sie eine suffiziente Basisreanimation bis zum Eintreffen des Notarztes sicherstellen konnte.“

Dr. Sitter hofft, dass dieses Notfall-Management möglichst breit Schule macht. Auf dem 2. Hausärztekongress des Bayerischen Hausärzteverbandes im Ötztal wird er deshalb im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung das Konzept im Detail vorstellen.