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Im Kommunalzirkel "Veränderungsprozesse in der Bevölkerungsstruktur aktiv gestalten" beteiligen sich rund 30 Gemeinden aus ganz Bayern, um Entwicklungsprozesse, Aufgaben und neue Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren und voneinander zu lernen. Das jüngste Arbeitstreffen am Dienstag dieser Woche (25.10.2016) im mittelfränkischen Spalt befasste sich mit dem Thema "Daseinsvorsorge und (Haus-)Ärztemangel – kommunale Strategien". Im Rahmen des Treffens gab es eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Was muss man tun, damit der Hausarzt kommt?“. An der Diskussion, die von rund 35 Bürgermeistern und kommunalen Geschäftsführern aufmerksam verfolgt wurde, beteiligten sich auch zwei Mitglieder des Bayerischen Hausärzteverbandes: Dr. Hans-Erich Singer, Bezirksvorsitzender Mittelfranken des Bayerischen Hausärzteverbandes, und der angehende Hausarzt Benjamin Haugg.

Bei der Frage, was die verschiedenen Organisationen bereits gegen den Hausarztmangel auf dem Land unternommen haben, konnte Dr. Singer, der sowohl als Verbandsvertreter als auch als Regionaler Vorstandbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) sprach, auf etliche konkrete Maßnahmen seitens der Ärzte verweisen. So engagiert sich der Bayerische Hausärzteverband unter anderem über die Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin (KoStA) gemeinsam mit der Bayerischen Ärztekammer und der KVB für die Etablierung und Förderung von Weiterbildungsverbünden, die das Ziel haben, die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin attraktiver zu gestalten.
Dr. Singer hob auch die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) hervor, für die sich der Bayerische Hausärzteverband stark macht: Dieses Versorgungsmodell verbessert nicht nur die Patientenversorgung, sondern stärkt auch den Stellenwert des Hausarztes in der medizinischen Versorgung, garantiert eine angemessene Vergütung und macht den Hausarztberuf so attraktiver für den Nachwuchs.

Weitere Aktivitäten des Bayerischen Hausärzteverbandes zur Nachwuchsförderung setzen schon im Studium an: Hier tritt der Verband für mehr Allgemeinmedizin in der Ausbildung ein und unterstützt Medizinstudierende, die sich für ein Famulatur in einer Landarztpraxis fern ab der Universitätsstätte entscheiden, über Famulaturförderungen. Dr. Singer nannte das gemeinsame Famulaturförderprojekt mit der Techniker Krankenkasse und das lokale Projekt „Ärzte schnuppern Landluft“.

Auch von Seiten der KVB werde einiges getan, um Hindernisse für eine Niederlassung auf dem Land aus dem Weg zu räumen, angefangen von der Reform es Bereitschaftsdienstes, mit der sich abschreckend hohe Dienstbelastungen auf ein verträgliches Maß reduzieren lassen, und der Abschaffung von Arzneimittelregressen, die in der Vergangenheit ebenfalls junge Ärzte vor der Niederlassung zurückschrecken ließen. Mit der Anpassung der von Berlin vorgegeben Bedarfsplanung an die Begebenheiten in den ländlichen Regionen Bayerns ebne die KVB zudem den Weg für die Niederlassung auf dem Land.

Die Diskussion zeigte, dass auch die Gemeinden einiges tun können, um erfolgreich junge Hausärztinnen und Hausärzte anzulocken. So gelte es, die Außendarstellung im regionalen Kontext zu verbessern: Anstatt in Konkurrenz zueinander zu treten beim Werben um junge Allgemeinmediziner, tun Gemeinden gut daran, gemeinsam die Vorteile ihrer Region für eine Niederlassung herauszustellen. Dabei sei es ratsam, den Schulterschluss mit den Hausärzten vor Ort zu suchen und gemeinsame Strategien zu entwickeln.

„Die junge Generation Allgemeinmediziner arbeitet nicht gerne alleine, sondern lieber im Team“, ist Dr. Singer überzeugt – eine Auffassung, die der angehende Hausarzt Benjamin Haugg bestätigte. Deshalb sei es auch erfolgversprechender, wenn sich Hausärzte bei der Suche nach Nachfolgern zusammentun und so Kooperationsformen anbieten können, anstatt auf einen Einzelkämpfer zu hoffen, der die Praxis übernimmt. „Wie in der Kerntechnik braucht man eine kritische Masse, um eine Kettenreaktion auszulösen: Wenn erst mal drei oder vier junge Hausärzte in die Region geholt werden konnten, kommen weitere von alleine nach“, so Dr. Singer.