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Fit im Umgang mit Formularen – JA-Bay-Seminar mit Unterstützung des Bayerischen Hausärzteverbands

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Fortbildungen zu medizinischen Themen sind wichtig und das Angebot ist relativ groß. Gerade jungen Hausärzten, die noch nicht auf eine jahrelange Praxiserfahrung zurückblicken,  machen jedoch die nicht-medizinischen Aspekte des Praxisalltags oft zu schaffen. Dazu gibt es kaum gute Fortbildungsangebote. Deshalb hat  die „Junge Allgemeinmedizin Bayern“, kurz JA-Bay*, in Kooperation mit dem Bayerischen Hausärzteverband 2012 eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die sich besonders den bürokratischen Aspekten und dem Praxismanagement widmet. Vergangenes Wochenende, am 2. November, stand bei einer Veranstaltung in München das Thema „Formulare“ an.
Selbstredend, dass Referent Ruben Bernau, Hausarzt aus Niedersachsen, nicht auf alle 98 Formulare im Detail eingehen konnte, mit denen sich Allgemeinmediziner bei der Betreuung von Kassenpatienten herumschlagen müssen. Aber zu den wichtigsten Vordrucken und solchen, bei denen erfahrungsgemäß am ehesten Probleme auftreten können, stand Bernau Rede und Antwort. Praxisnah informierte er beispielsweise über die Tücken beim Ausstellen von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, wie Musterformulare am effektivsten zu bearbeiten sind und worauf es bei Attesten ankommt.
Dr. Oliver Abbushi, stellvertretender Bezirksvorsitzender für München im Bayerischen Hausärzteverband, schilderte die administrativen Herausforderungen, die – freilich in weit geringerem Umfang als in der Regelversorgung - mit der Teilnahme an Verträgen zur Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) auf junge Hausärzte zukommen. Hier ging es im Wesentlichen um die Teilnahmeerklärung von Arzt und Patient. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er darüber hinaus dem AMTHO-Formular. Die Abkürzung steht für „Arzneimittel-Therapieoptimierung“ und bezeichnet eine Leistung im Hausarztvertrag der AOK Bayern, die gerade für ältere und multimorbide Patienten lebensrettend sein kann: zweimal pro Kalenderjahr geht der Hausarzt mit dem eingeschriebenen AOK-Patienten, der dauerhaft mindesten sechs verschiedene Medikamente einnimmt, oder mit dessen Betreuer alle Präparate durch, überprüft, ob sie geeignet sind für den Patienten und miteinander verträglich sind, und tauscht gegebenenfalls Arzneien aus oder streicht sie. So können Unverträglichkeitsreaktionen und Wechselwirkungen vermieden werden. Die Leistung wird mit 85 bis 135 Euro aufwandsentsprechend vergütet.
Bei den Seminarteilnehmern kam die Veranstaltung sehr gut an, berichtet Dr. Tanja Goldbrunner, Organisatorin der Veranstaltung bei JA-Bay. Es sei bereits die vierte Veranstaltung innerhalb eines Jahres gewesen, erzählt sie. Bei den anderen Seminaren ging es um die Grundstruktur der GKV, den Nutzen von Screenings und die Möglichkeiten der Deeskalation im KV-Bereitschaftsdienst. „Alle Veranstaltungen sind bei den Teilnehmern ausgesprochen gut angekommen und decken offenbar einen Bedarf“, sagt Dr. Goldbrunner – auch wenn es dafür meist keine Fortbildungspunkte gibt. Viele Seminarbesucher seien „Wiederholungstäter“, erklärt sie.
Was die jungen Hausärzte wiederkommen lässt, sind laut Einschätzung von Dr. Goldbrunner neben praxisnahen und benötigten Informationen auch der Austausch untereinander – vor, während und nach den Seminaren. Dabei spielt auch das Thema Berufspolitik eine Rolle. „Über die Hausarztverträge und die Bedeutung des Bayerischen Hausärzteverbandes als Interessensvertretung für uns Hausärzte haben wir uns letztes Wochenende noch lange unterhalten“, erzählt sie.
Das Thema Formulare ist übrigens für nächstes Jahr wieder eingeplant. Der Termin steht laut Dr. Goldbrunner noch nicht fest – „aber 25 Voranmeldungen haben wir schon!“
*Die JA-Bay ist eine Regionalgruppe  des Netzwerkes JADE, der „Jungen Allgemeinmedizin Deutschland“.