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Münchner Kinderschutzkonferenz am 11.07.2018: Kinderschutz braucht starke Netze

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Engelmayr nl 2016Zum Vergrößern bitte klicken.

Ein Kind wird wegen starker Erkältung oder zur Vorsorgeuntersuchung vorgestellt, und der Arzt findet Hämatome am ganzen Körper – was tun, wenn man mit einem solchen Fall konfrontiert ist? Wie kann das Kind vor weiteren gewaltsamen Übergriffen geschützt werden? Antwort darauf lieferte die Münchner Kinderschutzkonferenz mit dem Titel „Kinderschutz braucht starke Netze“ am 11. Juli in München mit Fachvorträge zu den Strukturen und Ansprechpartnern des Jugendamts der Landeshauptstadt München.

Schon der Titel macht klar: Wenn es um den Schutz von Kindern vor Gewalt, Vernachlässigung und Missbrauch geht, ist interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt. Der gegenseitige Austausch war deshalb ein wichtiger Aspekt. „Neben denn Fachinformationen bot der Termin eine gute Gelegenheit, Ansprechpartner der Jugendhilfe und ihre Aufgabenbereiche kennenzulernen, sich zu vernetzen und Probleme anzusprechen“, berichtet Dr. Ernst Engelmayr. „So haben einige Ärzte die Erfahrung gemacht, dass bei Verdacht auf Kindemisshandlung beim Jugendamt nach 16 Uhr niemand zu erreichen war, und es war gut zu hören, dass die vor einem Jahr eingerichtete bundesweite Hotline unter der 0800 19 210 00 Abhilfe geschaffen hat: Damit haben wir Ärzte bei Verdacht auf Gewalt und Missbrauch nun auch außerhalb der Bürozeiten eine Anlaufstelle.“

Wertvoll sei auch das Angebot Remed-online der Kinderschutzambulanz München: Unter www.remed-online.de haben Ärzte die Möglichkeit, einen Verdachtsfall auf Kindesmisshandlung unter geschützten Rahmenbedingungen vorzustellen und die Einschätzung von Rechtsmedizinern dazu einzuholen.

Positiv bewertet Dr. Engelmayr auch die Einrichtung von Kinderschutzgruppen an den Krankenhäusern. Die multiprofessionellen Teams kümmern sich um eingewiesene Kinder und Jugendliche, deren Indikation den Verdacht von Missbrauch und Gewalteinwirkung nahelegt.

Der erfahrene Hausarzt nutze auch die Gelegenheit für den Hinweis, dass Hausärzte mit ins Netz gehören, wenn es um das Erkennen und Vermeiden von Vernachlässigung, Missbrauch und Gewalt gegen Kinder geht, da sie als Familienmediziner oft einen tieferen Einblick in das familiäre Umfeld der Kinder haben und dadurch schon frühzeitig mitbekommen können, wenn etwas nicht stimmt. „Deshalb gehören Schulungen zu dieser Thematik zum Fortbildungsprogramm des Bayerischen Hausärzteverbandes“, erklärt er.

Empfehlen kann er selbst den Leitfaden „Gewalt gegen Kinder und Jugendliche erkennen und handeln“ des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS), den Isabella Gold vom Referat „Jugendpolitik – Jugendhilfe“ des StMAS Ärztinnen und Ärzten ans Herz legte.
Er kann hier auf der Homepage des StMAS heruntergeladen oder als gebundene Broschüre werden.