Neues aus dem Bezirk

Bezirks-Newsletter September 2019

Veröffentlicht am .

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Einleitung
1. 116117 nicht mehr als eine schnelle Nummer?
2. Die ambulante Notfallversorgung muss in den Händen der KV bleiben
3. Neues aus HZV und EBM
4. Termine

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich hoffe Sie hatten schöne Sommermonate und auch Zeit, neue Energie zu tanken. Die Möglichkeit, das Smartphone einmal weg zu legen und die digitale Dauerdusche auszudrehen. So oder so möchte ich Sie zurück in der Praxis zu aktuellen Themen informieren.

Die Aktivitäten des Gesundheitsministeriums in Berlin bringen vieles in Bewegung. Das ein oder andere sicherlich auch im Positiven. So werden zum Beispiel die Softwarehäuser endlich gezwungen, Tools, die unsere Arbeit vereinfachen, schneller umzusetzen. Hierzu gehört unter anderem auch der bundeseinheitliche Medikationsplan. Insgesamt stehen wir als Hausärzteverband den aktuellen Ideen und der Art der Umsetzung allerdings sehr skeptisch gegenüber. Lesen Sie hierzu auch den nächsten Punkt: „116117 nicht mehr als eine schelle Nummer?“
Wir möchten uns an dieser Stelle bei den vielen bayerischen Abgeordneten bedanken, die die Sorgen des Verbandes teilen und sich entsprechend in den Gremien in Bayern und in Berlin für eine patientennahe hausärztliche Versorgung einsetzen; allen voran bei unserer bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml.
Der Hausärzteverband setzt sich für Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, ein, damit die zu befürchtenden Umbrüche unser aktuell in der hausärztlichen Versorgung verankertes Gesundheitssystem nicht gänzlich aus den Angeln heben.
Wir versuchen auch über weitere Verbesserungen in der HZV, hier gegen zu steuern. Die HZV ist nicht nur besser vergütet als die KV-Versorgung, sondern sie basiert auch auf dem Gedanken, den Hausarzt, die Hausärztin im Zentrum der Versorgung zu haben.
Vielleicht bedarf es aber auch eines Gesetzes, das die Hausarztpraxis als selbstständige Einheit und auch die flächendeckende hausärztliche Versorgung schützt. Eine Art, frei nach Jens Spahn, „HVSG“ (Hausärztliche Versorgung Sicherungsgesetz).

1. „116117 nicht mehr als eine schnelle Nummer?“ - Ein Essay

Derzeit gibt es viel zu lesen über die Vorteile der Digitalisierung und die elektronische Patientenakte. In diesem Zusammenhang wird vom mündigen Patienten geschrieben, der ein Recht auf Information und einen schnellen Zugang zu medizinscher Versorgung hat, wann immer er es wünscht. Termine sollten schnell verfügbar sein, möglichst ohne Wartezeiten.
Wenn das ein Patient hört, dann kann er guten Mutes von einer Revolution für seine Rechte ausgehen. Für ihn erkämpft, durch den aktuellen Gesundheitsminister Jens Spahn.
Jedoch wird es am Ende dieser Revolution ein böses Erwachen für die Patienten geben. Nichts von dem, was sie sich erhofft haben, werden sie vorfinden.
Los geht es mit einer schnellen Nummer der 116117. Da werden akute Bedürfnisse befriedigt. Das macht auf Dauer aber auch nicht glücklich und schon gar nicht gesund. Die Arztzeit nämlich, also die Zeit, die der Arzt, die Ärztin mit dem Patienten verbringt, soll in Zukunft deutlich verknappt werden. Der mündige Patient soll sich seine Informationen zu Gesundheitsfragen über Apps, Roboter und Physician Assistents (PAs) holen. Einen Arzt gibt’s nur noch im lebensbedrohlichen Notfall und sonst vielleicht ein oder zwei Mal im Jahr, wenn es eben unbedingt notwendig ist. Und dann auch gerne jedes Mal einen anderen. Der Patient wird unendliche Runden drehen im Callcenter, bis er aufgibt, ähnlich wie bei der Telekom und anderen Großkonzernen mit monopolartiger Macht.
Jetzt sollte man meinen, alles wird wenigstens deutlich billiger. Aber nein, die Marge wird zu 100% von der Gesundheitsindustrie eingestrichen. Längst sind Fresenius Medical Care & Co. dabei, „All inclusive Angebote“ für die Politik vorzubereiten.

2. Die ambulante Notfallversorgung muss in den Händen der KV bleiben.

Nicht zuletzt auch durch die konsequente Unterstützung der Delegierten des Bayerischen Hausärzteverbandes in der KVB ist es Wolfgang Krombholz in den letzten Jahren gelungen, den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst so zu reformieren, dass die Versorgung für die Patienten verbessert wurde und gleichzeitig die Dienstbelastung für die Ärzte deutlich reduziert werden konnte. Und tatsächlich zeigen aktuelle Zahlen auch einen deutlichen Rückgang der Fälle in den Nothilfen der Kliniken. Aber weil Bayern nicht Deutschland ist und es auch immer Spezialinteressen gibt, wie z.B. die der Krankenhausgesellschaft oder die der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA), sieht das Bundesgesundheitsministerium weiter Handlungsbedarf und möchte den Sicherstellungsauftrag für die Notfallversorgung auf die Länder übertragen.
Jetzt könnte man meinen super, dann sind wir raus aus der Nummer. Das wäre aber zu kurz gedacht, denn ohne die Niedergelassenen wird es nicht gehen. Dann schreibt die Dienstpläne aber nicht mehr unsere KV, sondern das Ministerium oder noch besser die Krankenhäuser. Außerdem wäre das eventuell auch ein Versuchsballon, dem der Verlust des gesamten Sicherstellungsauftrages folgen könnte.

3.Neues aus HZV und EBM

Lange hat sich im EBM für die Hausärzte nichts getan. Aktuell befürchten wir den Verlust der Finanzierung der DMPs. Und wir fürchten das Langzeitrezept über bis zu 4 Quartale. Diese Regelung könnte viele Chroniker aus den Praxen fernhalten. Das würde nicht nur die Qualität unserer hausärztlichen Versorgung beeinträchtigen, sondern auch ein größeres Stück aus dem EBM-Kuchen brechen, das in keiner Weise refinanziert ist. Ich meine, sinnvoll wäre durchaus ein Dauerrezept über maximal 2 Quartale, aber nur mit der Vergütung einer kontaktunabhängigen Pauschale im 2. Quartal, um die hausärztlichen Vorhalte- und Betreuungskosten gegen zu finanzieren.

Ab 01.09. kann die Ziffer 03008 für den dringenden HA-Vermittlungsfall an den Facharzt abgerechnet werden, zusätzlich muss im Schein die Betriebsstättennummer der Facharztpraxis eingegeben werden (diese kann man online bei der KVB abfragen). Cave, der Termin muss innerhalb von 4 Tagen stattfinden. Näheres unter www.kvb.de.
Folgende Facharztgruppen müssen ab September fünf offene Sprechstunden pro Woche anbieten und die Sprechzeiten offiziell der KVB melden, wo sie dann auch online abzufragen sind: Augenärzte, Chirurgen, Gynäkologen, HNO-Ärzte, Hautärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Nervenärzte, Neurologen, Neurochirurgen, Orthopäden, Psychiater und Urologen.
Auch Hausärzte müssen ab September 25 Stunden Kassensprechstunde pro Woche leisten. Da Hausbesuche eingerechnet werden, ist eine Aktualisierung der Sprechzeiten bei der KVB aktuell noch nicht zwingend nötig.

HZV-Verträge TK Bayern und vdek (ohne TK): Bei den Chronikern gelten seit 01.07. wieder alle Diagnosen wie im KV System. Es gibt keine stufenweise Honorierung mehr. Der BHÄV hat eine angemessene Chronikerpauschale mit den Krankenkassen verhandelt. Einzelheiten unter: https://hzv.bhaev.de

4. Termine

  • 09.10.2019, 15:00 Uhr: Informationsveranstaltung „Fit für die Hausarztpraxis – Berufliche Chancen für MFA“ des Bayerischen Hausärzteverbandes / in der KVB München (https://www.hausaerzte-bayern.de/index.php/berufspolitik/terminkalender/1030.html)
  • 16.10.2019, 18.30 Uhr: Die Zukunft der Allgemeinmedizin in Forschung und Lehre,
    Poliklinik der LMU (Tel: 089/440054928)
  • 13.11.2019, 18:30 Uhr: Pharmako-Qualitätszirkel rund um die Dermatologie / Urtikaria / Psoriasis Jagdschlössl Harlaching, (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
  • 13./14.12.2019 Allgemeinmedizin kompakt, Teil2 an der LMU (Vergünstigung für Mitglieder des Bayerischen Hausärzteverbandes)
  • 15. – 21.02.2020 - 7. Bayerischer Hausärztekongress im Ötztal, Österreich (https://www.hausaerzte-bayern.de/index.php/fortbildung/hausaerztekongress.html)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Bezirk München versucht, Ihrer aller berufliche Interessen nach bestem Gewissen zu vertreten und durchzusetzen. Sie unterstützen uns am besten mit ihrer Mitgliedschaft im Bayerischen Hausärzteverband (falls Sie nicht bereits Mitglied sind): Tel 089 1273927-0; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Oder mit einer Spende an die „Stiftung Bayrischer Hausärzteverband“ www.hausaerzte-bayern.de/stiftung.

Wir freuen uns jederzeit über Ihre Unterstützung auch bei den Aktivitäten im Bezirk München

Kontakt: Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Fax: 089/6252710


Oliver Abbushi                           Daniel Pohl

Delegierte:

Christoph Grassl     Andreas Durstewitz       Katharina Teubner       
Friedrich Kiener Georg-Eike Böhme Tanja Poenitsch
Wolfgang Ritter Hans-Joachim Willerding  


Ersatzdelegierte:

Günther Holthausen   Peter Hausber      Markus Frühwein
Ernst Engelmayr Viktoriya Mintser Jörg Schelling
Rudolf Schäfer Christina Adamczyk Nicolaus Sonnweber

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