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Münchner Hausärzte diskutieren mit MdB Dr. Georg Nüßlein

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2019 07 23 Praxisbesuch Jürgen Mistol Dr. SemmlerZum Vergrößern bitte klicken.

Hoher Besuch bei einer Fortbildungsveranstaltung in Ottobrunn bei München: Dr. Georg Nüßlein, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Bundestagsabgeordneter aus Schwaben, diskutierte einen Abend mit Hausärzten über die aktuelle Gesundheitspolitik.

 

Dr. Oliver Abbushi, Bezirksvorsitzender München des Bayerischen Hausärzteverbandes: „Der Bayerische Hausarztverband hat in den letzten Jahren - auch mit Unterstützung der bayerischen Staatsregierung - viel geleistet, um den Beruf Facharzt für Allgemeinmedizin wieder attraktiv zu machen. Die Anzahl der Prüfungen zum Facharzt für Allgemeinmedizin steigt wieder deutlich an. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dafür die hausarztzentrierte Versorgung, die sich als freiwilliges Primärarztsystem bewährt hat und weiter ausgebaut werden sollte. Patienten, die sich in die HzV einschreiben, sollten deshalb dafür einen Bonus bekommen, weil sie verantwortlich mit den Ressourcen umgehen.“

„Ein unreguliertes Ärztehopping“, so ergänzte Dr. Jakob Berger, Bezirksvorsitzender Schwaben, „nutzt dem Patienten nicht und sorgt nur für explodierende Kosten. Die Zechen zahlen am Ende wir alle.“

Die beiden Vertreter des Bayerischen Hausärzteverbandes kritisierten außerdem die aktuelle Gesetzesflut aus dem Gesundheitsministerium mit 16 Gesetze innerhalb von wenigen Monaten. Viele Gesetze seien unausgegoren und würden nur zu einer weiteren Bürokratisierung führen. „Schon immer haben wir Hausärzte in dringenden Fällen für unsere Patienten einen Termin beim Facharzt koordiniert. Die Terminservicestellen sind überflüssig, teuer und verschlimmbessern die Lage nur“, nannte Dr. Berger als Beispiel.

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Ein weiteres Beispiel führte Dr. Abbushi an: „Im aktuellen Entwurf des Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz steht allen Ernstes, dass Diagnosen von Hausärzten für die finanziellen Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds an die Krankenkassen weniger relevant sein sollen, wie die der anderen Gebietsfachärzten. Das ist ein Schlag ins Gesicht für uns Fachärzte der Allgemeinmedizin. Ein solcher Schritt stellt die Versorgung von den Füssen auf den Kopf.“

„Ich bin wild entschlossen, dieses Thema wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen“, versprach Dr. Nüßlein sich in Berlin für vernünftige Lösungen stark zu machen. Gleichzeitig lobte der CSU-Bundestagsabgeordnete die Hausarztverträge: „Die Hausärzte erbringen im Rahmen der Hausarztverträge qualitativ hervorragende Leistungen. Allein diese bessere Versorgung ist bereits ein attraktives Angebot für die Patienten sich in die HzV einzuschreiben. Wie man den Anreiz zur Einschreibung weiter erhöhen kann, muss noch einmal politisch diskutiert werden.“

Vor der politischen Diskussionsrunde hatte als Gastgeber der Kardiologe und Hausarzt Dr. Georg Eike Böhme von der Praxis KardioMUC - Kardiologe München über die aktuellen Forschungsfortschritte in der Kardiologie referiert, die Ergebnisse vom Kongress der European Society of Cardiology (ESC) zusammengefasst und die neuen Leitlinien vorgestellt. Ein weiteres Thema seines Vortrags war die Antikoagulation, also die Gabe eines Medikamentes zur Hemmung der Blutgerinnung, bei Diabetes und Niereninsuffizienz.