Neues aus dem Bezirk

„Das Wesen des Hausarztberufes erhalten“

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Dr. Bernhard Kofler tritt seine dritte Amtzeit als Bezirksvorsitzender für Oberbayern im Bayerischen Hausärzteverband an. Im Strukturwandel der hausärztlichen Versorgung sieht er eine wesentliche Herausforderung für die kommenden Jahre, wie er  im Interview erläutert.

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Sie sind seit 1996 berufspolitisch aktiv, unter anderem seit 2006 als Bezirksvorsitzender Oberbayern. Wie haben sich die Schwerpunkte berufspolitischer Arbeit seither verändert?

Dr. Kofler: Als ich damals angefangen habe, mich im Bayerischen Hausärzteverband zu engagieren, war die „Ärzteschwemme“ in aller Munde, und es wurde vor allem über die Eindämmung der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen diskutiert. Das war es auch, was mich damals dazu gebracht hat, mich im Bayerischen Hausärzteverband zu engagieren: Die Wut über die Schnappsidee der Politik, Kollektivregresse für Arznei- und Heilmittel einzuführen. Innerhalb von 20 Jahren ist dann aus der Ärzteschwemme der Ärztemangel geworden, das ist schon faszinierend.

War der Ärztemangel  nicht schon seit längerem absehbar?

Dr. Kofler: Der Bayerische Hausärzteverband warnt bereits seit sieben oder acht Jahren vor dieser Entwicklung. Aber Politiker neigen nun mal dazu, erst zu reagieren, wenn sich Missstände bereits manifestiert haben.

Welche regional-spezifische Besonderheiten der hausärztlichen Versorgung gibt es in Oberbayern?

Dr. Kofler: Besonders ist in Oberbayern, dass die Versorgung in den landschaftlich begünstigten Regionen wie im Alpenvorland, am Chiemsee oder am Starnberger See  insgesamt deutlich besser ist als in anderen bayerischen Bezirken, weil sich Ärzte dort gerne niederlassen. In anderen Regionen Oberbayerns, beispielsweise im nördlichen Oberbayern in der Gegend um Ingolstadt herum, sieht das schon wieder ganz anders aus. Hier bestehen bereits erste Versorgungslücken.

Wo sehen Sie in den nächsten vier Jahre die Prioritäten Ihrer Arbeit als Bezirksvorsitzender?

Dr. Kofler: Wir erleben zur  Zeit einen Strukturwandel weg von der klassischen Einzelpraxis mit überwiegend männlichen Vollzeit-Ärzten hin zu weiblich dominierten Gemeinschaftspraxen mit Teilzeitmodellen und einer Zunahme angestellter Mediziner. Diese Entwicklung so zu begleiten, dass das Wesen des Hausarztberufes erhalten bleibt, betrachte  ich als eine der wichtigsten Herausforderungen in den kommenden Jahren.

Wie können die Bezirksdelegierten Sie dabei unterstützen?

Dr. Kofler: Die Delegierten spielen eine entscheidende Rolle dabei, den Bezug zur Basis herzustellen, mit jungen Hausärztinnen und Hausärzten in Kontakt zu treten und herauszufinden, welche Angebote der Verband gerade auch angestellten Kolleginnen und Kollegen machen kann.