Neues aus dem Bezirk

Rezept gegen Hausärztemangel gesucht

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Wie bekommt man junge Mediziner als Hausärzte auf’s Land? Der Frage ging eine Diskussionsveranstaltung der Jungen Union Oberbayern nach. Der Bezirksvorsitzende  Dr. Bernhard Kofler vertrat dabei die Position des Bayerischen Hausärzteverbandes.

Wie bekommt man junge Mediziner als Hausärzte auf’s Land? Eine Frage, die sich auch Bezirksrätin Claudia Hausberger (CSU) für den Landkreis Mühldorf stellt. Bei einer Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum“, veranstaltet von der Jungen Union Oberbayern vergangenen Freitag (27.02.2015) in Waldkraiburg berichtete sie, dass es derzeit im Landkreis Mühldorf 84 Hausärzte gebe, von denen in zwei Jahren voraussichtlich ein Drittel in den Ruhestand gehen werde. Ein Problem, wie ihr klar ist.

Warum Nachfolger für die Ruheständler ausbleiben, erläuterte aus seiner Warte der frisch examinierte Jungmediziner Stephan Pilsinger. Demnach sind die Gründe teils in der Ausbildung zu suchen: Pilsinger kritisierte Umfang und Qualität der Lehre der Allgemeinmedizin an der Universität. Außerdem halte vor allem die zeitliche Beanspruchung viele junge Kolleginnen  und Kollegen  davon abhalte, Hausarzt zu werden.

Die zwei größten Hindernisse, die Jungmediziner davon abhalten, sich für den Beruf des Landarztes zu entscheiden, seien die vielen Bereitschaftsdienste und die Regressbedrohung durch die Krankenkassen, ergänzte Dr. Bernhard Kofler, Bezirksvorsitzender Oberbayern im Bayerischen Hausärzteverband.

Hinzu kommt, dass auch neue Strukturen gefragt sind. Dr. Karl Dürner, Landarzt seit fast 40 Jahren und Bürgermeister von Schwindegg, zog Vergleiche zu der völlig anderen Situation zu Beginn seiner hausärztlichen Tätigkeit und bezweifelte, dass es die Einzelpraxis in der klassischen Form weiter geben wird.

Was also ist zu tun, um den Beruf des Landarztes für den Nachwuchs attraktiver zu machen? Dass es sich beim Hausärztemangel nicht nur um ein Verteilungsproblem handelt, dem mit dem Aufkauf von Praxen in scheinbar überversorgten Gebieten begegnet werden kann, ist offenbar zumindest in CSU-Kreisen angekommen. Tobias Zech, Mitglied des Bundestages und Bezirksvorsitzender der JU, nannte als Beispiel für die Bemühungen der CSU in Berlin zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung die im Versorgungsstärkungsgesetz geplante Regelung zu Aufkauf und Stilllegung von Praxen durch die KV bei Überversorgung: Es sei der CSU zu verdanken, dass sich das „kann“ darin nur zum „soll“  ändere, betonte Zech. Außerdem kämpfe seine Partei auch für wesentlich höhere Grenzwerte bei der Definition von „Überversorgung“.

Dr. Bernhard Kofler wies darauf hin, dass die Vertreter des Bayerischen Hausärzteverbandes in der KVB-Vertreterversammlung in Bezug auf die Hemmschuhe Bereitschaftsdienst und Regress bereits entscheidende Änderungen mit angestoßen beziehungsweise bei den Regressen schon erreicht haben und erläuterte, was sich aus Sicht des Bayerischen Hausärzteverbandes noch ändern muss, um die hausärztliche Versorgung auch auf dem Land flächendeckend zu erhalten.

Er nannte die seit Jahren bestehenden Forderungen des BHÄV,

  • Lehrstühle an jeder medizinischen Fakultät einzurichten,
  • den Zugang zum Studium nicht nur über den Notendurchschnitt zu regeln,
  • im Praktischen Jahr ein Pflichtquartal in einer Hausarztpraxis einzuführen,
  • rein hausärztliche MVZ zuzulassen und schließlich  
  • die hausarztzentrierte Versorgung zu sichern und weiter auszubauen.

Auf diese Weise sei eine hochwertige hausärztliche Versorgung auch unter geänderten demographischen und soziologischen Rahmenbedingungen sicher zu stellen. „Damit machen wir den ‚schönsten Beruf‘ in der Medizin auch für den Nachwuchs attraktiv“, zeigte er sich überzeugt. Der CSU bescheinigte er, sich im Gegensatz zur CDU nicht nur mit Worten für die Hausärzte einzusetzen.