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Schwaben: Diskussion um das Versorgungsstärkungsgesetz

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Die Schlossbrauerei Autenried war am 11. Februar Schauplatz einer gesundheitspolitischen Diskussionsveranstaltung, bei der es vor allem um das geplante Versorgungsstärkungsgesetz ging. Kritik gab es vor allem zu Plänen zum Aufkauf von Praxen in überversorgten Gebieten.

j bergerDr. Jakob BergerDie Schlossbrauerei Autenried war am 11. Februar Schauplatz einer gesundheitspolitischen Diskussionsveranstaltung, bei der es vor allem um das geplante Versorgungsstärkungsgesetz ging.  Ministerialdirigent Dr. Ulrich Orlowski vom Bundesgesundheitsministerium ging auf Details aus dem Gesetzentwurf ein, den das Bundeskabinett Mitte Dezember 2014 verabschiedet hatte. So sollen künftig Medizinische Versorgungszentren (MVZ) nur einer Fachrichtung ermöglicht werden. Der Bayerische Hausärzteverband fordert die schon seit Längerem, um insbesondere dem Mediziner-Nachwuchs mit reinen Hausarzt-MVZ eine zusätzliche Option zu eröffnen, hausärztlich tätig zu werden.

Dass zusätzliche Bemühungen notwendig sind, um mehr angehende Ärztinnen und Ärzte für die Allgemeinmedizin zu gewinnen, ist im Bundesgesundheitsministerium angekommen: Dr. Orlowski räumte ein, dass es in den kommenden zehn Jahren einen großen Bedarf an Hausärzten geben wird, der vorrausichtlich nicht abgedeckt werden kann. Es wird davon ausgegangen, dass  rund 20.000 Allgemeinmediziner fehlen werden. In der Konsequenz kündigte der Ministerialdirigent aus dem Bundesgesundheitsministerium an, dass es weitere Förderungsmaßnahmen geben werde, um gerade auf dem Land die Niederlassung von Hausärztinnen und Hausärzten zu fördern.

Heftige Kritik erntete Dr. Orlowski, als er die Pläne der Bundesregierung zur Bekämpfung von Überversorgung in manchen Gebieten erläuterte. Dr. Wolfgang Krombholz, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), verurteilte wie viele Ärzte im Publikum die anvisierte Regelung, dass die KVen frei werdenden Praxen bei Überversorgung aufkaufen sollen. Dr. Jakob Berger, 2. Stellvertretender Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes und Bezirksvorsitzender Schwaben, ärgert besonders, dass dies damit schlussendlich über die Mitgliedsbeiträge der niedergelassenen Ärzte finanziert werden würde: „Damit bezahlen wir quasi unsere eigenen Hinrichtung“, so Dr. Berger.

Ohnehin hält er die Definition der Überversorgung für fragwürdig: „Da wurden die Zahlen einfach schöngerechnet“, sagt er und weist darauf hin, dass durch den Gemeinsamen Bundesausschuss die Zahl der Patienten, die ein Hausarzt versorgen kann, von 1470 auf 1670 hochgesetzt wurde. Dabei müsste die Zahl eher herabgesetzt werden aufgrund der demografischen Entwicklung und des damit verbundenen wachsenden Versorgungsaufwands. „Unberücksichtigt bleibt bei diesen Planungen auch sowohl die Morbidität als auch das Alter der jetzt praktizierenden Ärzte“, gibt er zu Bedenken.

Weiterer Kritikpunkt: Die neue Bedarfsplanung, die teils städtische und ländliche Gebiete zu einem Mittelbereich zusammenfasst. Die höhere Arztdichte im Stadtgebiet kann schnell dazu führen, dass statistisch eine Überversorgung entsteht, währen auf dem Land die (Haus-)Ärzte fehlen. „Das müssen wir jetzt mühsam wieder korrigieren“, kritisiert Dr. Berger.

Der Bundestagsabgeordnete Dr. Georg Nüsslein (CSU), der die Veranstaltung in Autenried initiiert hatte, versuchte, Konfrontation abzubauen. Er verwies auf die bayerischen Abgeordneten im Bundestag, die die Situation im Freistaat kennen und sich für die Sicherung der Versorgung stark machen würden. Weitgehend einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass mehr Studenten zum Medizinstudium zugelassen werden müssen, um den steigenden Bedarf an Ärzten, insbesondere an Hausärzten, decken zu können.