Neues aus dem Bezirk

„Man kann mehr erreichen, wenn man in verschiedenen Gremien tätig ist“

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Dr. Jakob Berger, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands im Bayerischen Hausärzteverband und kürzlich wiedergewählter Bezirksvorsitzender Schwaben, erläutert im Interview, warum er sich auf verschiedenen Ebenen politisch engagiert und wo er Prioritäten seiner Verbandsarbeit in den nächsten vier Jahren sieht.

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Herr Dr. Berger, neben Ihren Ämtern im Bayerischen Hausärzteverband als Bezirksvorsitzender Schwaben und 2. Stellvertretender Landesvorsitzender sind Sie auch in der KVB und in der Landesärztekammer berufspolitisch aktiv. Außerdem sind Kreisvorsitzender des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises (GPA) der CSU im Landkreis Augsburg. Ist Politik neben der Hausarztmedizin so etwas wie Ihre zweite Berufung?

Dr. Berger: Nein, so würde ich das nicht sehen. Das hat sich alles vielmehr so entwickelt, weil ich unzufrieden war mit manchen Rahmenbedingungen der hausärztlichen Tätigkeit – dass was nicht stimmt, merkt man ja auch erst, wenn man in einer Sache drinsteckt. Und weil nur Jammern nichts bringt, bin ich berufspolitisch aktiv geworden. Ich habe dann gemerkt, dass man mehr erreichen kann, wenn man in verschiedenen Gremien tätig ist. Sich in einer Partei zu engagieren, erleichtert beispielsweise den Zugang zu Politikern. Das kann ich jedem nur empfehlen, der bei berufspolitischen Zielen vorankommen möchte.

Für so viel Engagement ist viel Zeit und Energie nötig. Woher schöpfen Sie Kraft, was treibt Sie an?

Dr. Berger: Mit der Praxis und dem berufspolitischen Engagement bleibt natürlich weniger freie Zeit übrig. Kraft dafür gibt mir meine Familie, besonders meine Frau, die mir in vielen privaten Angelegenheiten den Rücken frei hält. Was mich antreibt ist, dass mein Beruf als Hausarzt mir sehr viel Spaß macht und ich darin eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft sehe. Deshalb kämpfe ich dafür, dass die nachfolgende Generation von Medizinern gute Bedingungen für die hausärztliche Tätigkeit vorfindet und sich für diesen schönen Beruf begeistern lässt.

Vor Ihnen liegen weitere vier Jahre als Bezirksvorsitzender Schwaben. Welche regionalspezifischen Probleme haben für Sie jetzt Priorität?

Dr. Berger: Ein Schwerpunkt in meiner neuen Amtszeit wird darauf liegen, noch mehr Kolleginnen und Kollegen in unserem Bezirk von der Hausarztzentrierten Versorgung zu überzeugen, einmal, weil dadurch die Patientenversorgung verbessert wird und zum anderen, weil die HzV Grundlage für das Fortbestehen der Hausarztpraxen vor Ort ist. Damit hängt ein weiterer berufspolitischer Schwerpunkt der kommenden Jahre zusammen: Praxisnachfolger in ausreichender Zahl zu finden, unter anderem durch eine sinnvolle Gestaltung des Bereitschaftsdienst.

Hält die Verpflichtung zur Teilnahme am Bereitschaftsdienst junge Ärzte davon ab, in die ambulante hausärztliche Versorgung zu gehen?

Dr. Berger: Ja, das spielt bei vielen eine Rolle, zusammen mit einer generellen Angst vor der Selbstständigkeit und vor Regressforderungen der Krankenkassen. Außerdem haben viele noch die Vorstellung, dass die Tätigkeit als Hausarzt zwangsläufig mit langen Arbeitszeiten verbunden ist. Dabei gibt es inzwischen viele Möglichkeiten, hausärztlich tätig zu werden, auch mit überschaubaren Arbeitszeiten beziehungsweise in Teilzeit.

Wo sehen Sie konkret Aufgaben, die Bezirksdelegierte übernehmen können?

Dr. Berger: Delegierte sind Vermittler zwischen der Verbandsspitze und den Hausärztinnen und Hausärzten vor Ort: Sie geben Informationen von der Verbandsspitze an die Kolleginnen und Kollegen in den Bezirken weiter und umgekehrt. Eine weitere wichtige Aufgabe der Bezirksdelegierten sehe ich darin, dass sie den jungen Ärztinnen und Ärzten in den Kliniken ein positives Berufsbild des Hausarztes vermitteln und sie für die Niederlassung in einer Hausarztpraxis begeistern.

Wie lassen sich aus Ihrer Erfahrung heraus junge Hausärztinnen und Hausärzte für ein berufspolitisches Engagement motivieren?

Dr. Berger: Ich denke, man muss ihnen klar machen, dass sie auch in Zukunft gute Arbeitsbedingungen von der Politik und den Krankenkassen nicht auf dem Silbertablett serviert bekommen, sondern erkämpfen müssen. Hier ist persönlicher Einsatz beispielsweise in den Verbandsgremien gefragt. Wir müssen da Vorbild sein und es schaffen, dass der Funke der Begeisterung für die Berufspolitik auf junge Hausärzte überspringt, denn auch in der Berufspolitik brauchen wir Nachwuchs. In Schwaben sind wir da, denke ich, auf einem guten Weg. Bei der Bezirkswahl Ende März konnten wir auch einige junge Kolleginnen und Kollegen für eine Kandidatur zum Delegierten oder Ersatzdelegierten motivieren.