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Nachwuchsförderung in der Region Würzburg: "Es ist nie zu früh und selten zu spät"

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Die Gesundheitsregion Plus Stadt und Landkreis Würzburg lud am vergangenen Mittwoch Vertreter aus Ärzteschaft und Politik in das Ärztehaus Würzburg ein, um über die Zukunft der Hausärztlichen Versorgung zu diskutieren. Neben der stellv. Landrätin Christine Haupt-Kreutzer und Dr. Adolf Bauer, Bürgermeister der Stadt Würzburg, sprachen auch Vertreter der einzelnen Kooperationspartner:

„Wir haben in den letzten zehn Jahren vieles erreicht und geschafft. So ist es uns gelungen, die Hausarztzentrierten Versorgung auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus konnten wir viele neue Fördermaßnahmen anstoßen. Gemeinsam mit der Politik und den Universitäten haben wir in Sachen Nachwuchsförderung die Trendwende eingeleitet“, betonte Dr. Dieter Geis, Vorstandsvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, in seinem Grußwort an die Teilnehmer. Er warnte aber auch, gerade jetzt nicht nachzulassen: „Die nächsten fünf Jahre sind entscheidend. Denn dann werden viele Kolleginnen und Kollegen ihre Hausarztpraxis schließen oder abgeben - ohne geeigneten Nachwuchs steuern wir in eine Versorgungsknappheit.“

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Das zeigen auch die neuesten Umfrageergebnisse aus der Region Würzburg. Initiiert von der Gesundheitsregion plus Stadt und Landkreis Würzburg und unterstützt vom Bayerischen Hausärzteverband, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und dem Ärztlichen Kreisverband Würzburg, wurden Ende letzten Jahres 290 Hausärztinnen und Hausärzte zum Thema Nachfolgeregelung und Hausarztmangel befragt. Laut der Umfrage wollen 35 Prozent der Befragten ihre Hausarztpraxis abgeben, „das sind rund 80 Ärzte, die unsere Region in den nächsten Jahren verlassen werden“, betonte Christian Kretzschmann, Geschäftsstellenleiter der Gesundheitsregion Plus Stadt und Landkreis Würzburg. Zwar gebe es derzeit keine Unterversorgung, „doch der Teufel steckt im Detail“, erklärte Gunnar Geuter, Medizinaloberrat vom Kommunalbüro für ärztliche Versorgung im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, und präsentierte den Teilnehmern aktuelle Zahlen aus den Statistiken. „Wir stehen mitten in einem Generationenwechsel und der birgt Konfliktpotenzial in sich.“ Demnach nehme die Zahl der angestellten Hausärzte in Bayern stetig zu, „bei Frauen und Männern“, betonte Geuter. „Die Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigen im Stellenwert, kleinteilige Strukturen wie die Einzelpraxis sind hier deutlich im Nachteil - diesen Trend werden wir nicht aufhalten können.“

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„Um die hausärztliche Versorgung wohnortnah zu sichern, brauchen wir neue und innovative Formen der Berufsausübung“, erklärt Geuter weiter und nennt dabei gemeindeübergreifende Konzepte und Vernetzung als zentrale Lösungsansätze: „Gemeinschaftspraxismodelle, die sowohl örtlich als auch überörtlich organisiert sind, können die Versorgungsnachfrage bewältigen und gleichzeitig flexible Arbeitszeiten bieten.“

Dr. Christian Pfeiffer, Bezirksvorsitzender Unterfranken und Regionaler Vorstandsbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, betonte dabei, welche vielfältigen und neuen Möglichkeiten die jungen Ärztinnen und Ärzte heute hätten. Man könne in der Stadt wohnen und zur Arbeit aufs Land fahren, in Anstellung und in Teilzeit arbeiten; auch der neue Bereitschaftsdienst würde dem flexiblen Arbeitsmodell entgegen kommen. „Kein Krankenhaus kann mit diesem Arbeitsmodell konkurrieren“, stellt Dr. Pfeiffer klar und erklärt: „Wir müssen den Studenten und jungen Ärzten jetzt die Möglichkeit zum Leben dieser Bedingungen geben.“ Auch Dr. Christian Potrawa, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes Würzburg und Umgebung, machte deutlich, dass der Hausarztberuf der Arbeit in der Klinik einiges Voraus hat: „Die Schönheit unseres Berufs ist das Begleiten von Menschen – von jung bis alt und über Generationen hinweg. Dieses wesentliche Element lernen die angehenden Mediziner in der Arztpraxis zu schätzen.“

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Bei der Frage, was die Gemeinde dabei leisten kann, verwies die Lehrstuhlinhaberin für Allgemeinmedizin an der Universität Würzburg, Prof. Dr. Anne Simmenroth, auf den Medizinernachwuchs: „Tun Sie etwas für die PJ-Studenten“, fordert sie. Während eines Praxistertials hätten diese kein Einkommen und wären auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Hier könnten die Gemeinde und die auszubildenden Ärzte bei der Suche nach einer geeigneten und kostengünstigen Unterkunft helfen. Um das Landarztdasein für die Studenten attraktiver zu gestalten, brauche es auch ein Freizeit- und Kulturangebot. Prof. Dr. Simmenroth: „Die Region sollte den Studenten zeigen können: ‚schaut mal wie schön es bei uns ist‘, das wird oft vergessen.“

Dr. Johann Paula, Direktor Medizin und Pflege des Klinikums Würzburg und Mitgründer des Weiterbildungsverbundes Würzburg, plädierte auch für die engere Zusammenarbeit zwischen der klinischen und ambulanten Versorgung: „Ein wichtiger Aspekt ist, dass Fachärzte innerhalb der Kliniken auch Weiterbildungen für Allgemeinmediziner mitanbieten.“ Dr. Geis stellte dabei heraus, wie wichtig eine praxisnahe und abwechslungsreiche Ausbildung ist. Durch die Akademisierung der Allgemeinmedizin in Bayern habe man bereits viel für die Anerkennung des Hausarztberufs geleistet: „Nur wenn wir auch an den Universitäten präsent sind, wird der Hausarztberuf für die Studenten interessant.“

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Das Fazit der Podiumsdiskussion war bei allen Teilnehmern eindeutig: „Ich wünsche mir, dass Sie das, was uns die Zahlen sagen, ernst nehmen und einen Chor der Willigen bilden, die bereit sind, neue Wege zu gehen“, verdeutlichte Geuter gegenüber den Teilnehmern. „Wir müssen bereit sein, uns zusammenzuschließen, nur so bleiben wir wettbewerbsfähig und werden nicht von Konzernen überrollt“, appellierte auch Dr. Geis. „Hierbei ist das Zusammenspiel von vielen unterschiedlichen Akteuren gefragt, die auch bereit sind, ihr Engagement nach außen hin zu präsentieren“, erklärte Christian Kretzschmann zum Schluss der Veranstaltung.

Applaus erntete der Aufruf von Dr. Potrawa: „Das Grundproblem ist, dass wir für den gesellschaftlichen Wandel zu wenige Ärzte haben. Deshalb bin ich heute sehr dankbar, dass mit der Gesundheitsregion Plus Satdt und Landkreis Würzburg jetzt etwas passiert – es ist nie zu früh und selten zu spät. Denken Sie groß – das steckt die Rahmenbedingungen, die den Wandel möglich machen.“