Zum Hauptinhalt springen


Interessenvertretung für angestellte Hausärztinnen und Hausärzte: „Wir entwickeln spezielle Angebote für diese Gruppe“

verfasst am 19. Dezember 2025
Interview mit Dr. Oliver Abbushi zur Arbeit des Ausschuss Angestellte im Hausärztinnen- und Hausärzteverband

Den angestellten Mitgliedern des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes und seiner Landesverbände bietet der Ausschuss Angestellte eine Plattform und setzt sich für ihre Interessen ein. Im Ausschuss sind sowohl angestellte als auch selbstständige Ärztinnen und Ärzte aktiv. Für den Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverband engagiert sich Dr. Oliver Abbushi im Ausschuss Angestellte.

Herr Dr. Abbushi, welche spezifischen Bedürfnisse/Anforderungen haben angestellte Ärztinnen und Ärzte an den BHÄV als ihren Berufsverband?

Dr. Abbushi: Erst einmal haben sie den berechtigten Anspruch, als Angestellte im Verband wertgeschätzt und auch als Gruppe gesehen zu werden.

Sie selbst sind inzwischen schon einige Jahre selbstständig in eigener Praxis tätig. Wie passt das mit der Interessensvertretung angestellter Kolleginnen und Kollegen zusammen?

Dr. Abbushi: Ganz einfach - der Praxis geht es gut, wenn es den Angestellten gut geht. Deshalb ist der Ausschuss ganz wichtig, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die sowohl Angestellte als auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zufrieden stellen. Im Ausschuss sind deshalb neben angestellten Kolleginnen und Kollegen auch Selbstständige aktiv. Ich kann meine berufspolitische Erfahrung einbringen und den Blickwinkel des Arbeitgebers.

Was tut der BHÄV/der Ausschuss Angestellte für diese Zielgruppe?

Dr. Abbushi: Im Ausschuss Angestellte haben wir ein offenes Ohr für die Anliegen der angestellt tätigen Hausärztinnen und Hausärzte und setzen uns für bestmögliche Arbeitsbedingungen ein. Dazu gehören auch Wertschätzung und eine faire Vergütung. Für angestellte Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung gab es bereits den Kodex Gute Weiterbildung und einen Musterarbeitsvertrag, der dies widerspiegelt. Für angestellte Fachärztinnen und Fachärzte haben wir jetzt nachgezogen und einen Kodex Anstellung erarbeitet sowie einen Musterarbeitsvertrag, der unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. angefordert werden kann. Das gibt gerade den jungen Kolleginnen und Kollegen Sicherheit und Orientierung beim Eintritt in ein neues Arbeitsverhältnis.

Wir entwickeln weitere spezielle Angebote für diese Zielgruppe, zum Beispiel im Fortbildungsbereich in Zusammenarbeit mit dem IhF, oder bei der Vermittlung von Stellen für Angestellte durch eine entsprechende Stellenbörse für diese Zielgruppe auf der Website des Bundesverbands. Auch in der Stellenbörse des Bayerischen Landesverbands erleichtern wir Angestellten die Stellensuche durch entsprechende Filterfunktionen.

Natürlich muss sich eine Anstellung für die Praxis auch tragen. Viele Hausärztinnen und Hausärzte schrecken vielleicht vor der Anstellung eines Kollegen oder einer Kollegin zurück, obwohl sie Entlastung brauchen könnten, einfach, weil sie befürchten, dass die Praxis dadurch in finanzielle Schieflage geraten könnte. Deshalb sei an dieser Stelle auch auf das „Berechnungstool Angestellte Ärzte“ hingewiesen, das wir als Bayerischer Hausärztinnen- und Hausärzteverband auf der Verbands-Homepage zur Verfügung stellen. Es bietet Orientierung und trägt so sicher dazu bei, die eine oder andere neue Stelle in einer Hausarztpraxis zu schaffen.

Das ZI kommt in einer Umfrage zu dem Schluss, dass die meisten angestellten Ärztinnen und Ärzte sich eine spätere Niederlassung vorstellen können bzw. diese nicht ausschließen. Deckt sich das mit den Beobachtungen/Erfahrungen der AG Angestellte Ärzte?

Dr. Abbushi: Ja, das deckt sich weitgehen mit meinen Erfahrungen. Ich wäre von etwa 70 Prozent der Angestellten ausgegangen, die sich den Schritt in die Selbstständigkeit vorstellen können. Dass in der ZI-Umfrage gerade mal 15 Prozent diesen Schritt für sich ausschließen, freut mich.

Welche Gründe sprechen für eine Anstellung, welche für eine Niederlassung?

Dr. Abbushi: Eine Anstellung ist gerade am Anfang des Berufslebens gut geeignet, um Erfahrungen in der hausärztlichen Versorgung zu sammeln – so lernen die jungen Hausärztinnen und Hausärzte, dass das Führen einer Praxis kein Hexenwerk ist. Außerdem kann man die Zeit der Anstellung auch nutzen, um Startkapital für die Eröffnung oder Übernahme einer hausärztlichen Praxis zur Seite zu legen.

Letztlich ist aber die selbstständige Tätigkeit, sei es in der Einzelpraxis oder in Zusammenschlüssen wie einer Berufsausübungsgemeinschaft, sprich Gemeinschaftspraxis, langfristig erstrebenswert: Man ist sein eigener Herr, arbeitet selbstbestimmt und kann bei der Festlegung der Arbeitszeiten eigene Bedürfnisse wie beispielsweise Kinder und Familie berücksichtigen. Und man geht mit einer anderen Einstellung in die Praxis, wenn man Teilhaber oder Eigentümer ist. Man trägt Verantwortung für das ganze Team und den Erhalt der Praxis, bestimmt selbst die Abläufe mit, kann auf die Wünsche der Patientinnen und Patienten eingehen, mit viel Herzblut das eigene Unternehmen Praxis gestalten und sich so ganz individuell verwirklichen, was sehr viel Freude bereitet. Die Arzt-Patienten-Beziehung ist in der Regel langjähriger und tiefer, weil nicht ein eventueller Jobwechsel im Raum steht. Das erhöht auch das Verantwortungsgefühl gegenüber den Patientinnen und Patienten. Für mich sind inhabergeführte Praxen deshalb das Rückgrat der ambulanten Versorgung. Hinzu kommt, dass die Einkünfte als Selbstständiger in einer gut organisierten Praxis deutlich über den Einkünften eines angestellten Arztes beziehungsweise einer angestellten Ärztin liegen.

Wie unterstützt der BHÄV niederlassungswillige Hausärztinnen und Hausärzte?

Dr. Abbushi: Da ist an erster Stelle der Bavarian Circle zu nennen, ein Fortbildungswochenende speziell für niederlassungswillige oder erst kürzlich niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte. Auf dem Programm stehen jeweils vier Module aus dem „Werkzeugkasten Niederlassung“, die ganz konkret auf Themen rund um die Niederlassung eingehen, von der Finanzierung über rechtliche Aspekte, Personalführung bis hin zu Abrechnung. Der Bavarian Circle macht auf diese Weise Mut für den Schritt in die Selbstständigkeit. Nebenbei ist der Bavarian Circle eine tolle Plattform, um Ärztinnen und Ärzte in ähnlicher Situation zu treffen – hier haben sich schon Partner von Gemeinschaftspraxen gefunden.
Teilnehmenden steht zudem das Hospitationsprogramm „Bavarian Circle Backstage“ offen: In diesem Rahmen können die zukünftigen Praxischefinnen und -chefs erfahrenen Kolleginnen und Kollegen über die Schulter schauen und Einblicke in deren Praxisorganisation gewinnen.

Im Bezirk München haben wir zusätzlich gemeinsam mit dem JADE Stammtisch München ein weiteres Format ausprobiert: Der Infoabend „Die eigene Praxis – ist das was für mich?“ kam letztes Jahr so gut an, dass wir eine Folgeveranstaltung planen. Außerdem haben wir ein „Netzwerk BHÄV München“ geründet, in dem wir aktuelle Fragen, die Angestellte, aber auch angehende Selbstständige bewegen, in kleiner Gruppe diskutieren.

Und natürlich stehen wir als Berufsverband auch außerhalb dieses Rahmens jungen Kolleginnen und Kollegen gerne mit Rat und Tat zur Seite- bei Bedarf einfach bei der Geschäftsstelle unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. melden oder auf den jeweiligen Bezirksvorstand zugehen!

Zur Person

Dr. Oliver Abbushi ist Facharzt für Allgemeinmedizin und seit 2007 niedergelassen in Deisenhofen bei München. Er ist Bezirksvorsitzender München des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Vorstand der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband und engagiert sich im Ausschuss Angestellte des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes auf Bundesebene. Zudem ist er auch in weiterte Gremien berufspolitisch aktiv, unter anderem als Mitglied der Vertreterversammlung der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB-VV) und Delegierter des Ärztlichen Kreisverbands München.

Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.