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Dr. Wolfgang Ritter: "Krankschreibung als Geschäftsmodell Riegel vorschieben!"

verfasst am 22. Januar 2026
Der BHÄV-Vorsitzende unterstreicht die Vorteile der telefonische AU für ihm bekannte Patientinnen und Patienten, fordert aber das Aus für kommerzielle Plattformen, die AUs gegen Geld anbieten.

Bei seiner Kritik am hohen Krankenstand in Deutschland hat Bundeskanzler Friedrich März die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ins Visier genommen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken möchte nun die “aktuellen Regelungen auf den Prüfstand stellen”.

Bei Dr. Wolfgang Ritter, Vorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, stößt der Vorstoß auf Unverständnis. “Was unbedingt auf den Prüfstand beziehungsweise angeschafft gehört, ist die Online-AU als Geschäftsmodell. Plattformen, die den gelben Schein gegen Cash anbieten und wo die ausstellenden Ärzte ihre Patienten noch nie zu Gesicht bekommen haben, gehört ein Riegel vorgeschoben”, fordert er. “Das ist geradezu eine Einladung zum Blaumachen, hier gibt es keine Kontrollfunktion”.

“Etwas ganz anderes ist die telefonische AU bei der Hausärztin oder dem Hausarzt”, stellt Dr. Ritter klar. “Als Hausarzt kenne ich meine Patientinnen und Patienten, habe ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihnen. Ich weiß um ihre Krankengeschichte, ihre Lebensumstände und wo sie arbeiten. Bei diesen Patientinnen und Patienten kann ich auch am Telefon aufgrund der geschilderten Symptome gut einschätzen, ob eine Arbeitsunfähigkeit angezeigt ist. Und das Vertrauensverhältnis, das übrigens nirgends ausgeprägter ist als in der hausarztzentrierten Versorgung, bildet auch eine Hemmschwelle, sich eine AU ungerechtfertigt erschleichen zu wollen. Hier entlastet die telefonische AU die Praxen, trägt zu Bürokratieabbau bei und schützt vor Verbreitung der Krankheitserreger.”