Dr. Wolfgang Ritter: „HÄPPI ist für jede Praxis ein Gewinn“
Nächster Meilenstein in der Weiterentwicklung der hausarztzentrierten Versorgung: Zu einem Abschluss-Workshop des HÄPPI-Projektes Bayern haben sich am Mittwoch Vertreterinnen und Vertreter der teilnehmenden Praxen, des Instituts für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Augsburg sowie des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes in Nürnberg getroffen.
„Unser Ziel ist es, die hausarztzentrierte Versorgung zukunftsfest zu gestalten. Dazu haben wir uns mit den HÄPPI-Pilotpraxen intensiv ausgetauscht und deren Erfahrungen strukturiert zusammengetragen. Diese Ergebnisse werden wir in einem Workbook präsentieren, damit alle anderen Hausarztpraxen davon profitieren können“, kündigt Dr. Wolfgang Ritter, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, im Video-Interview an.
Das Pilotprojekt ist am 1. Juli 2025 mit finanzieller Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention mit neun Praxen aus allen Regierungsbezirken und unterschiedlichen Größen sowie Strukturen gestartet. HÄPPI steht für „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell“. Kernelemente sind der Einsatz sinnvoller und praxistauglicher Digitallösungen, wie die App „Meine hausärztliche Praxis“, sowie die Delegation medizinischer Leistungen an eine Primary Care Managerin (PCM) oder einen Physician Assistant (PA), die oder der Teil des HÄPPI-Praxisteams ist. Wissenschaftlich begleitet wird das Pilotprojekt vom Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Augsburg unter der Leitung von Prof. Dr. Marco Roos, der erste Forschungsergebnisse ebenfalls auf dem Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärztetag vorstellen wird (ein Interview mit ihm sehen Sie hier)
Erst vor wenigen Tagen hatten der Bayerische Hausärztinnen- und Hausärzteverband sowie die AOK Bayern eine Weiterentwicklung des Vertrages zur Hausarztzentrierten Versorgung vereinbart. Rückwirkend zum 01.01.2026 wurden in diesem HZV-Vertrag AOK Bayern neue Leistungen verankert. Unter anderen wird erstmalig in Bayern der Einsatz von zu PCM oder PA in den Hausarztpraxen besonders weitergebildetem Praxispersonal honoriert. Außerdem werden die VERAH-Hausbesuche finanziell aufgewertet und die Anforderungen an die Leistungen der TeleVERAH vereinfacht.
Dr. Wolfgang Ritter: „Die Erfahrungen unserer HÄPPI-Pilotpraxen zeigen, dass HÄPPI für jede Praxis ein Gewinn ist – sowohl für die Einzel- als auch für die große Gemeinschaftspraxis. Etablierte Praxisabläufe werden hinterfragt und neu strukturiert, das Arbeiten im hausärztlichen Betreuteam gestärkt und die Versorgung der Patientinnen und Patienten im Rahmen der Delegation von Tätigkeiten an erfahrene Mitarbeiterinnen neu gestaltet. Diese Erkenntnis wird auch aus Baden-Württemberg bestätigt, wo es bereits über 40 HÄPPI-Praxen gibt. Mit der neuen Vereinbarung zum HZV-Vertrag AOK Bayern und des darin enthaltenen kontaktunabhängigen Zuschlags für die PCM und PA haben wir als Berufsverband einen weiteren Meilenstein erreicht. Die AOK Bayern hat erkannt, dass sich die Versorgung der Patientinnen und Patienten in Stadt und Land nur über innovative Versorgungskonzepte nachhaltig sicherstellen lässt.“