Dr. Wolfgang Ritter: "Dieser EBM ist nicht reformierbar"
„Statt echter Entbürokratisierung, spürbarer Entlastung und fairer Vergütung gibt es neue Regeln, unsinnige Ausnahmen und mehr Aufwand für die Praxen“, sagt Dr. Wolfgang Ritter, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, zu der neuen Chronikerpauschale. Dr. Ritter schließt sich damit der Kritik der Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier, an, die die Vereinbarung zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband als „weitere Bankrotterklärung des Systems der Selbstverwaltung“ gebrandmarkt hatten.
Das ursprüngliche Ziel des Gesetzgebers war es, mittels einer Jahrespauschale dafür zu sorgen, dass Millionen Chroniker nicht jedes Quartal in die Praxen müssen. Statt der angestrebten Jahrespauschale einigten sich KBV und GKV-Spitzenverband dann aber auf eine Halbjahrespauschale, die die Praxen nur marginal entlastet. Aber es kommt noch schlimmer: Obwohl die meisten Chroniker multimorbid und viele davon über 75 Jahre alt sind, wurden genau diese beiden Gruppen aus der neuen Chronikerregelung herausgenommen.
„Das System ist willkürlich und unfair"
Dr. Ritter: „Das System ist willkürlich und unfair. Selbst Patienten mit der gleichen Grunderkrankung werden unterschiedlich behandelt. Wenn der eine Patient noch ein zweites Medikament benötigt, fällt er aus der neuen Chronikerregelung heraus, obwohl er gut eingestellt ist und eigentlich nicht Quartal für Quartal in der Praxis vorstellig werden müsste. Welchen Sinn das macht, versteht niemand.“
Statt weniger Bürokratie bedeutet die neue Regelung mehr Aufwand für die Praxen, hat der Hausärztinnen- und Hausärzteverband als Bundesverband bereits in einem Pressestatement gewarnt: „Die hausärztlichen Praxen sind jetzt wieder einmal gezwungen, den Rechenschieber rauszuholen und sich durch den Wust an hochkomplexen Regelungen zu kämpfen. Allein die Identifikation der betroffenen Patientinnen und Patienten ist alles andere als trivial.“
Dr. Ritter: „Wir Hausärztinnen und Hausärzte in Bayern teilen uneingeschränkt das Fazit unserer Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier: Dieser EBM ist nicht reformierbar! Deshalb müssen und werden wir auf die Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) bauen, in denen ein einfaches und auf Pauschalen fußendes System schon längst Realität ist.“