Praxen mit 3,4 Prozent Gewinnverlust pro Jahr: „Kein Spielraum für Einsparungen“
Die Finanzkommission Gesundheit empfiehlt in ihrem Bericht unter anderem, bei der Steigerung von Honoraren und Zuschlägen im ambulanten Bereich einsparen. Zur Begründung wird ein dynamischer Anstieg der Vergütungen oberhalb der Einnahmenentwicklung ins Feld geführt.
„Ja, die Ausgaben für Honorare in der ambulanten Versorgung sind stärker gewachsen als die Einnahmen der Krankenkassen. Aber gleichzeitig sind die Ausgaben in den Praxen auch stärker gestiegen als deren Einnahmen, was seit 2020 zu einem jährlichen Gewinnverlust von durchschnittlich 3,4 Prozent geführt hat“, stellt Dr. Wolfgang Ritter, Vorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes klar und verweist auf die jüngsten Zahlen des ZI-Praxis-Panels. „Das lässt keinen Spielraum für Einsparungen. Wenn jetzt zusätzlich am Honorar gespart wird, geraten die Praxen noch mehr unter Druck“, warnt Dr. Ritter.
„Wenn man will, dass alle Bahn fahren, dann macht es keinen Sinn, an den Zügen zu sparen“
Vor allem mit Blick auf die politisch gewünschte stärkere Ambulantisierung des Gesundheitswesens und der Einführung eines verpflichtenden Primärarztsystem dürfe sich Bundesgesundheitsministerin Nina Warken auf diese Vorschläge nicht einlassen. „Das wäre kurzsichtig und würde die ambulante Struktur massiv gefährden, so Dr. Ritter. „Wenn man will, dass alle Bahn fahren, dann macht es keinen Sinn, an den Zügen zu sparen.“
Aus seiner Sicht hätte man zuerst die Strukturdiskussion führen müssen, um darauf aufbauend Ökonomisierungseffekte beschreiben zu können. „Sparvorschläge einfach aus dem Ärmel zu schütteln, die in großen Teilen zu Lasten der Leistungserbringer gehen, wird das System weder stabilisieren noch die qualitative hochwertige Versorgung der Bevölkerung sichern“, ist Dr. Ritter überzeugt.
Sein Vorschlag: „Wenn es um kurzfristige Stabilisierung der Beiträge geht, dann könnte der Staat durch die Herausnahme der versicherungsfremden Leistungen kurzfristig seinen Beitrag leisten.“