Zum Hauptinhalt springen


„Ich sehe das als echte Wertschätzung für alle Hausärztinnen und Hausärzte in Bayern"

verfasst am 30. Juli 2026
In diesem Jahr wurden bereits 81 Landarztprämien gewährt, mit denen der Freistaat Niederlassungen im ländlichen Raum fördert. Eine davon ging an den Hausarzt Benjamin Haugg nach Mistelgau. Im Interview erklärt er, warum solche Förderungen über den Geldwert hinausgehen.

Seit Einführung der Landarztprämie im Jahr 2012 hat das bayerische Gesundheitsministerium im Freistaat über 1.500 Förderungen gewährt und damit mehr als 1.000 Hausärztinnen und Hausärzte sowie knapp 550 Fachärztinnen und -ärzte mit bis zu 60.000 Euro bei der Niederlassung unterstützt. Allein in diesem Jahr seien bereits 81 Landarztprämien gewährt worden, sagte Staatsministerin Judith Gerlach anlässlich der Übergabe der Landarztprämie im oberfränkischen Mistelgau an Hausarzt Benjamin Haugg. Der Facharzt für Innere Medizin hatte sich Anfang des Jahres in einer Gemeinschaftspraxis in der knapp 4000 Einwohner großen Gemeinde im Landkreis Bayreuth niedergelassen.

Herr Haugg, wie groß war die Freunde über den Besuch der Ministerin?

Benjamin Haugg: „Ich sehe das als echte Wertschätzung für alle Hausärztinnen und Hausärzte in Bayern. Die Landarztprämie ist eine Ermutigung insbesondere für junge Kolleginnen und Kollegen sich auf dem Land niederzulassen. Frau Ministerin Gerlach hat bei ihrem Besuch deutlich gemacht, wie wichtig der bayerischen Staatsregierung eine gute und wohnortnahe hausärztliche Versorgung ist.

Die bis zu 60.000 Euro Landarztprämie müssen versteuert werden, dennoch ist diese staatliche Unterstützung natürlich enorm. Was machen Sie mit dem Geld?

Benjamin Haugg: Mit meiner Niederlassung haben wir die bestehende Einzelpraxis in eine Gemeinschaftspraxis vergrößert. Damit verbessern wir die hausärztliche Versorgung in Mistelgau und Umgebung. Und wir geben den Patientinnen und Patienten auch Sicherheit. Ich bin in diesem Jahr 40 Jahre alt geworden und werde hoffentlich noch viele Jahrzehnte vor Ort tätig sein. Außerdem planen wir gerade die Gründung einer Filialpraxis. Auch diese Investition kommt der Region zu gute.

Ist die Landarztprämie ein Anreiz, Landärztin oder Landarzt zu werden?

Benjamin Haugg: Nein, das sollte die Landarztprämie auch nicht sein. Man muss bereits vorher die intrinsische Motivation haben, Hausärztin oder Hausarzt zu werden. Die Landarztprämie ist zum einen eine Wertschätzung und zum anderen eine Unterstützung, die Niederlassung zu meistern.

Was hat Sie dazu bewogen, aufs Land zu gehen?

Benjamin Haugg: In einer Landarztpraxis ist kein Tag wie der andere. Das Spektrum ist viel größer als in der Stadt, vom Kleinkind bis zum Greis, vom internistischen bis zum chirurgischen Notfall. Während in der Stadt Akut-Patienten in der Notaufnahme eines Krankenhauses erscheinen, gehen auf dem Land unsere Patienten zuerst in ihre Hausarztpraxis. Und vor geplanten Eingriffen legen unsere Patientinnen und Patienten sehr viel Wert auf unsere fachliche Expertise.

Sie sind in Mistelgau nicht nur als Hausarzt bekannt, sondern auch als Fußballjugendtrainer.

Benjamin Haugg: Ja, diese enge Bindung zu den Menschen erdet. Und manchmal hilft es auch in der Praxis. Ich hatte heute einen kleinen Jungen in der Praxis, der eine panische Angst vor dem Impfen hatte. Aber nachdem ich auch sein Fußballtrainer bin, hat er das heldenhaft durchgezogen.

Sie engagieren sich auch im Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverband. Wie wichtig ist die berufspolitische Arbeit?

Benjamin Haugg: Eine starke berufspolitische Vertretung ist unverzichtbar, wenn wir nicht zum Bittsteller im Gesundheitssystem degradiert werden wollen. Ich finde, dass jede Hausärztin und jeder Hausarzt in Bayern Mitglied im Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverband sein sollte. Wer in seiner aktuellen Lebensphase gerade keine Möglichkeit hat, sich aktiv zu engagieren, sollte zumindest die Kolleginnen und Kollegen über die eigene Mitgliedschaft unterstützen. Am Ende profitieren wir alle gemeinsam davon.

Im Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverband setzen Sie sich insbesondere für den Nachwuchs ein. Was raten Sie jungen Ärztinnen und Ärzten, die überlegen, ob sie sich niederlassen sollen?

Benjamin Haugg: Erstens, habt keine Angst vor der Niederlassung. Viele schreckt die Bürokratie ab, aber das ist alles machbar. Und zweitens, ein finanzielles Risiko gibt es nicht. Wer normal arbeitet, bekommt auch ein Einkommen, von dem man leben kann. Man sollte sich von der aktuellen Debatte um das GKV-Spargesetz also nicht verunsichern lassen. Das Pferd, auf das wir Hausärztinnen und Hausärzte setzen müssen, ist die HzV. Hausarztverträge garantieren zum einen eine gute Versorgung, zum anderen geben sie unseren Praxen eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive.

Ein weiteres Interview mit Benjamin Haugg sehen Sie auf dem YouTube-Kanal des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes.