„Das GKV-Spargesetz hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine starke Lobby ist“
Am Mittwoch, den 30.09.2026, lädt Eva Greipel, Bezirksvorsitzende Oberbayern des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, zu einer digitalen Bezirksmitgliederversammlung ein. Um was es geht und warum berufspolitisches Engagement und gegenseitiger Austausch so wichtig sind, verrät sie im Interview.
Frau Greipel, lässt sich schon sagen, welche Themen bei der digitalen Bezirksmitgliederversammlung Ende September im Vordergrund stehen?
Eva Greipel: Ein Thema wird sicher das GKV-Spargesetz und seine Auswirkungen auf die hausärztliche Versorgung sein, soweit diese bis Ende September schon absehbar sind. Einige Regelungen lassen durchaus Spielraum bei der Umsetzung, sowohl für die KV als auch für den BHÄV bei den Verhandlungen mit den Krankenkassen. Die Bezirksmitgliederversammlung ist eine gute Gelegenheit, über Sorgen und Befürchtungen zu sprechen, die es in dem Zusammenhang gibt.
Dann steht im Herbst auch das Thema Primärarztsystem oder Primärversorgungssystem an, das sich die Regierungskoalition auf die Fahnen geschrieben hat. Zur Ausgestaltung gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen. So gibt es Stimmen aus den Reihen der Krankenkassen, die am liebsten ein digitales Steuerungssystem mit maßgeblicher eigener Beteiligung einführen möchten. Aus Sicht des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes sind es ganz klar wir Hausärztinnen und Hausärzte, die steuern sollten.
Vor welchen aktuellen Herausforderungen stehen hausärztliche Praxen speziell in Ihrem Bezirk?
Eva Greipel: Eigentlich sind das die gleichen Herausforderungen wie in anderen Bezirken auch. Da sind zum Beispiel die immens gestiegenen Praxiskosten, die nicht refinanziert werden, die Schwierigkeiten bei der Terminvereinbarung in gebietsfachärztlichen Praxen und der Umgang mit dem Hausarztvermittlungsfall, der ja bald der Vergangenheit angehören soll. Noch aber greift die Regelung, und wir bekommen die Auswirkungen in den Praxen zu spüren: Patientinnen und Patienten werden immer wieder genötigt, sich eine Dringlichkeit seitens des Hausarztes oder der Hausärztin bescheinigen zu lassen, um überhaupt einen Termin zu bekommen.
Wie in anderen Bezirken sind Fachkräftemangel und ausbleibender Nachwuchs sind in Oberbayern ein Thema, wenn auch regional unterschiedlich ausgeprägt. In den Urlaubsregionen in Alpen- oder Seenähe ist es vergleichsweise leichter, Praxisnachfolgerinnen und -nachfolger oder Praxispersonal zu finden, während andere Regionen hier schon sehr zu kämpfen haben.
Welche Rolle spielen berufspolitisches Engagement und Austausch aus Ihrer Sicht?
Eva Greipel: Gerade das GKV-Spargesetz hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine starke Lobby ist. Man konnte beobachten, dass der Bereich mit der finanzstärksten Lobby, nämlich die Pharma-Industrie, beim Sparen mit am glimpflichsten davongekommen ist. Ich nehme daraus mit: Je mehr wir Hausärztinnen und Hausärzte uns austauschen und zusammenschließen, als Hausärztinnen- und Hausärzteverband auf Landes- und Bundesebene geschlossen auftreten, umso besser können wir für unsere Interessen eintreten.
Berufspolitisches Engagement kostet Zeit. Was treibt Sie neben Familie und Praxis an, sich in die Berufspolitik einzubringen? Oder anders gefragt, welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?
Eva Greipel: Zunächst mal vorneweg: Beruf, Familie und berufspolitisches Engagement unter einen Hut zu bekommen, ist machbar, auch wenn man manchmal Prioritäten setzen muss. Ich liebe meinen Beruf und möchte ihn erhalten, für die nächste Ärztegeneration vielleicht noch attraktiver machen und dazu beitragen, ihn weiterzuentwickeln in Richtung Teampraxis. Eine Möglichkeit dazu bietet das Modell HÄPPI. Sich dafür zu engagieren, lohnt sich auf jeden Fall.
Und dann spielen auch die Menschen, mit denen ich mich engagieren darf, vor allem die Kolleginnen und Kollegen im Verband, eine wichtige Rolle. Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten, vor allem, wenn man dann sieht, dass sich etwas tut.
Wo sehen Sie positive Entwicklungen?
Eva Greipel: Mein großes Thema ist ja Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und hier ist endlich beim Thema Mutterschutz für selbstständige Ärztinnen was in Bewegung gekommen. Laut Koalitionsvertrag sollen dazu Regelungen kommen. Da sind wir im Forum Hausärztinnen des Bundesverbandes hinterher, dass den Ankündigungen auch Taten folgen.
Die kommende Bezirks-Mitgliederversammlung für Oberbayern findet online statt. Was versprechen Sie sich von diesem Format?
Eva Greipel: Es ist tatsächlich meine erste Online-Bezirksmitgliederversammlung als Bezirksvorsitzende. Hintergrund ist, dass Oberbayern ziemlich weitläufig ist und die Mitglieder teils Anfahrtszeiten von bis zu zwei Stunden in Kauf nehmen müssen, um bei einer Präsenzveranstaltung dabei zu sein. Eine digitale Veranstaltung erspart lange Wege und ermöglicht so mehr Mitgliedern die Teilnahme.
Bezirks-MV Oberbayern am 30. September
Die nächste Bezirksmitgliederversammlung Oberbayern findet online am 30.09.2026 statt, Beginn: 18:00 Uhr.
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