Teampraxis-Konzept HÄPPI wirkt!
Berlin, 17.03.2026 – Seit Juli 2025 begleitet der Bayerische Hausärztinnen- und Hausärzteverband (BHÄV) dank finanzieller Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) neun hausärztliche Praxen in Bayern bei der Transformation zur HÄPPI-Praxis (HÄPPI - Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell). Das Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der Universität Augsburg analysiert den Prozess wissenschaftlich im Rahmen einer Begleitstudie.
Nach Abschluss der Pilotphase in den Praxen zum 31.12.2025 liegen nun erste Zwischenergebnisse der Begleitstudie vor. Diese zeigen deutlich, dass durch den angestoßenen Transformationsprozess in den Praxen im Zuge der Umsetzung des HÄPPI-Konzeptes die Erreichbarkeit der Praxen sowie die Versorgungskapazität für die Patientinnen und Patienten deutlich erhöht werden konnten. HÄPPI-Praxen können mehr Patientinnen und Patienten bei gleichbleibender Qualität und Patientenzufriedenheit versorgen. Ferner belegt die Studie, dass das Teampraxis-Konzept HÄPPI in jeder Praxis umsetzbar ist, unabhängig von Praxisgröße und -struktur. Patientinnen und Patienten unterstützen den Wandel in den Praxen aktiv und zeigen sich zufrieden.
Dazu erklärt Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach: „Die ersten Studienergebnisse sind sehr erfreulich. Sie zeigen, dass wir mit Projekten wie HÄPPI die richtigen Weichen für eine stabile, wohnortnahe und moderne Gesundheitsversorgung in Bayern stellen. HÄPPI ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie moderne hausärztliche Versorgung heute gedacht werden kann: als starke Teampra-xis mit intelligenten digitalen Lösungen. Genau solche innovativen Versorgungsstrukturen und neue Formen der Zusammenarbeit werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Deshalb fördern wir das Modellprojekt mit rund 650.000 Euro.“
„Die Ergebnisse der Studie machen deutlich: HÄPPI ist die Antwort auf bestehende und zukünftige Herausforderungen der hausärztlichen Versorgung“, so der Landesvorsitzende des BHÄV, Dr. Wolfgang Ritter. „Mit HÄPPI gelingt es im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV), die wohnortnahe hausärztliche Primärversorgung sicher zu stellen. Gleichzeitig bieten HÄPPI-Praxen Patientinnen und Patienten durch die Transformation hin zu mehr Teamarbeit und den stärkeren Einsatz von digitalen Tools einen direkteren und kurzfristigeren Zugang zum hausärztlichen Betreuteam. Unter der Verantwortung und Leitung von Hausärztinnen und Hausärzten wird das gesamte Praxisteam, bestehend aus akademisch qualifizierten und nicht-akademisch qualifizierten Fachkräften, stärker in die Patientenversorgung eingebunden. Dadurch können den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern interessante Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten in den Praxen angeboten und damit die Arbeitsplätze in der hausärztlichen Praxis attraktiv gestaltet werden. Die Evaluationsdaten zeigen weiter, dass Patientinnen und Patienten mit der verbesserten Erreichbarkeit der HÄPPI-Praxen sehr zufrieden sind. Es ist jetzt an den Gesetzlichen Krankenkassen in Bayern, zusammen mit dem BHÄV im Rahmen der HZV-Verträge für einen planbaren wirtschaftlichen Rahmen für die Praxen und damit eine Verstetigung des Konzeptes – so wie in Baden-Württemberg bereits gelungen - Sorge zu tragen.“
Prof. Dr. Marco Roos, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der Universität Augsburg, ergänzt: „Wir haben den Prozess sehr genau begleitet. Der Fokus lag vor allem darauf, was die Praxen brauchen, um zu einer HÄPPI-Praxis werden zu können. In allen Praxen fand ein „Changemanagement“ statt. Aus den geführten Interviews wird deutlich, dass die Transformation das gesamte Praxisteam, alle Ebenen der Praxisorganisation und der Rollen im Team, je nach Kompetenz und Prozess, betrifft. Dass sich dieser initiale Aufwand lohnt, zeigt sich in zunehmenden Teamressourcen bei mindestens gleichbleibender Versorgungsqualität gepaart mit hoher Patientenzufriedenheit. In der Tendenz konnten wir sogar eine Zunahme von Versorgungskapazitäten sehen, weil Praxen wieder in der Lage sind, neue Patientinnen und Patienten zu versorgen. Diese Entwicklung werden wir auch bis Ende 2027 verfolgen.“
Zusammenfassung der Zwischenergebnisse der Begleitstudie:
- HÄPPI stärkt die Versorgung: HÄPPI-Praxen steigern die Versorgungskapazität und können mehr Patientinnen und Patienten bei gleichbleibender Qualität und hoher Patientenzufriedenheit versorgen.
- HÄPPI durch Changemanagement: Das gesamte Praxisteam ist in die Transformation eingebunden und profitiert von einer klaren Rollenzuordnung und der Einbindung digitaler Werkzeuge.
- HÄPPI ist in jeder Praxis umsetzbar, unabhängig von Größe und Struktur. Patientinnen und Patienten unterstützen den Wandel aktiv und zeigen sich zufrieden.
Allgemeine Informationen:
HÄPPI steht für das Versorgungskonzept „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenver-sorgung interprofessionell“, das der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg in Kooperation mit der Universität Heidelberg grundlegend entwickelt hat, und wird seit Mai 2025 auch in Bayern erprobt. Das Konzept soll die hausärztliche Versorgung langfristig stabilisieren und moder-nisieren. Hierfür setzt das Konzept auf multiprofessionelle Versorgung unter hausärztlicher Supervi-sion, die Fokussierung auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten durch eine strukturierte Erfassung der Patientensicht über Patient-Reported-Outcomes (PROs) bzw. Patient-Reported-Experiences (PREs) sowie auf die verstärkte Nutzung digitaler Tools, um das Praxismanagement effi-zienter zu gestalten. Im Zuge dessen wurde im Rahmen der Pilotierung in Bayern die App „Meine hausärztliche Praxis“, die der BHÄV gemeinsam mit dem Anbieter Telemedizinischer Dienstleistungen, der Firma Monks Ärzte-im-Netz GmbH, seinen Mitgliedern anbietet, speziell erprobt.
Auch die Versorgungssteuerung ist ein wesentliches Merkmal von HÄPPI, weshalb das Konzept auf die erfolgreichen Strukturen der HZV nach § 73 b SGB V aufbaut, in der die hausärztliche Praxis die Koordination der Versorgung übernimmt und so Unter-, Über- und Fehlversorgung der Patientinnen und Patienten verhindert werden können.
Für Rückfragen:
Bayerischer Hausärztinnen- und Hausärzteverband e.V.:
Ruth Sharp, +49 89 127 39 27 61; Torsten Fricke, Mobil +49 171 41 58 329
Universität Augsburg Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung:
Prof. Dr. Marco Roos, +49 821 400 9560 (Sekretariat)
Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention
Marinus Riedl, +49 89 95414-5550