Dr. Wolfgang Ritter: „Primärarztsystem funktioniert nur in der Hausarztzentrierten Versorgung“
München/Regensburg, 20. April 2026 – „Ohne die HZV wird die Reform eines flächendeckenden Primärversorgungssystems in Deutschland scheitern“, warnt Dr. Wolfgang Ritter, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverband. Auf dem Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärztetag, der am Freitag und Samstag in Regensburg stattfand, haben die Delegierten deshalb einstimmig einen Leitantrag verabschiedet, in dem die gesetzlichen Krankenkassen aufgefordert werden, „die Umsetzung und Weiterentwicklung der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) als dem bereits existierenden und evaluierten Primärarztsystem in Deutschland voranzutreiben“. Wer dagegen auf die Regelversorgung setze und den Patientinnen und Patienten das gesetzlich garantierte Recht auf eine HZV-Versorgung streichen wolle, sei auf dem Holzweg, „da sämtliche Innovationen der vergangenen Jahre – vom Teampraxismodell bis zur Modernisierung des Vergütungssystems –“ aus der HZV heraus entwickelt wurde, heißt es in dem Antrag.
Primärarztsystem funktioniert schon in der HZV
2008 ins Leben gerufen und über den Paragrafen 73 b SGB V im Gesetz verankert, ist die Hausarztzentrierte Versorgung seit Jahrzehnten ein gelebtes Erfolgsmodell. Mittlerweile haben sich rund 11 Millionen Patientinnen und Patienten bundesweit in das freiwillige Primärarztsystem eingeschrieben. Deutschlandweit bieten rund 16.000 Hausärztinnen und Hausärzte diese besondere Versorgungsform an.
Dr. Ritter: „Ein Primärarztsystem, so wie es die Regierungsparteien in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt haben, funktioniert bereits in der Hausarztzentrierten Versorgung. Die Pflicht der Krankenkassen zum Abschluss von HZV-Verträgen muss bleiben.“
Kritik am 7/24-KV-Dienst
Mit scharfer Kritik reagierten Bayerns Hausärztinnen und Hausärzte auch auf den aktuellen Referentenentwurf zur Notfallreform der Bundesregierung, der einen aufsuchenden KV-Dienst rund um die Uhr, also auch während der normalen Praxisöffnungszeiten, vorsieht. „Unabhängig davon, dass wir eine weitere zusätzliche Doppelversorgungsstruktur ablehnen, ist uns nicht klar, woher das Personal, welches diesen Fahrdienst besetzen soll, rekrutiert werden soll“, sagt Dr. Ritter. In keinem Fall könne es sein, dass Hausärztinnen und -ärzte ihre Praxen schließen müssen, um den KV-Dienst zu übernehmen. „Dies hat mit effizienter Patientenversorgung nichts zu tun“, stellt der Landesvorsitzende klar.
Ein Dauerärgernis bleibt die nicht funktionierende Digitalisierung. Einstimmig forderten die Delegierten des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes deshalb den Gesetzgeber auf, „endlich die erforderlichen finanziellen Mittel für eine ausreichende Finanzierung der Digitalisierung in den hausärztlichen Praxen zur Verfügung zu stellen“.
Ein Video-Interview mit Dr. Wolfgang Ritter über den Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärztetag finden Sie auf dem YouTube-Kanal des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes.Für Rückfragen:
Ruth Sharp, +49 89 127 39 27 61; Torsten Fricke, Mobil +49 171 41 58 329