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„Ich werde keine Sekunde dieser Famulatur bereuen“

verfasst am 11. Dezember 2025
Für ihre Famulatur suchte Medizinstudentin Sarah Goeke eine Kombination von enger Betreuung und der Möglichkeit, viel selbstständig zu arbeiten – und hat in der Praxis von Dr. Böhme genau das bekommen.

Studierende, die gerne selbstständig arbeiten, Eigeninitiative mitbringen und Lust auf persönliche Arzt-Patienten-Kontakte haben, sind in einer hausärztlichen Praxis auf dem Land goldrichtig. Diese Erfahrung machte Medizinstudentin Sarah Goeke in der Hausarztpraxis von Dr. Böhme in Sulzberg. 

Motivation für eine Famulatur auf dem Land

Meine Motivation für die Bewerbung war, einen Einblick in die hausärztliche Tätigkeit auf dem Land zu bekommen. Gerade das Patientenspektrum reicht hier von Kleinkindern über ältere Patienten bis hin zu Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen. Vor allem die Kombination mit enger Betreuung und der Möglichkeit, viel selbstständig zu arbeiten, hat mich gereizt. Außerdem wollte ich die Chance nutzen, Land und Leute in einer ländlichen Region besser kennenzulernen und das Arbeiten außerhalb der Uniklinik in einer Praxis zu erleben.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Während der Famulatur durfte ich ein breites Spektrum an hausärztlichen Tätigkeiten selbstständig durchführen: Impfungen, Anamneseerhebungen, Blutentnahmen, EKGs schreiben und auswerten, Fäden ziehen, kleinere Wundversorgungen, Patienten aufnehmen und körperlich untersuchen oder Lungenfunktionsuntersuchungen machen.
Besonders spannend waren die Hausbesuche, die man im sonstigen medizinischen Umfeld selten miterlebt, sowie die eigenständige Betreuung von Patienten im Pflegeheim. Dahingehend konnte man gut die kommunikativen Fähigkeiten erproben und sich mit den Schnittstellen zwischen Pflegeheim und Hausarzt vertraut machen. Auch in bürokratische Abläufe, Abrechnungssysteme, Kosten und telemedizinische Angebote bekamen wir einen sehr guten Einblick und können die Herausforderungen einer eigenen Praxis besser nachvollziehen. Die fachlichen Eindrücke waren dadurch vielfältig und praxisnah. Man vertieft hier vor allem die Basics, lernt die Realität der Allgemeinmedizin in einer hausärztlichen Praxis kennen und erhält gleichzeitig viel Raum für eigenes Engagement.

Betreuung vor Ort

Die Betreuung war insgesamt sehr herzlich. Die MFAs haben uns vom ersten Tag an unterstützt und uns aktiv ins Praxisgeschehen eingebunden. Das familiäre Umfeld und die Offenheit des Teams ließen uns täglich Spaß an der Famulatur haben. Sie standen jederzeit für Fragen zur Verfügung, was eine zusätzliche Sicherheit gegeben hat. Kleidung wurde gestellt und wir bekamen auch einen Schlüssel für die Praxis, den wir jedoch kaum benötigten. Dr. Böhme selbst war sehr offen, ließ uns viel ausprobieren und war motiviert uns etwas zu erklären. Ihm war wichtig, dass man auch selbst eigenständig arbeitet und man Lust hat praktische Erfahrung zu sammeln. Hat es in manchen Momenten Probleme oder Fragen gegeben, war er entweder vor Ort interessiert daran einem zu helfen oder telefonisch jederzeit erreichbar.

Unterkunft

Eine Unterkunft musste man eigenständig organisieren, aber ich konnte mir frühzeitig ein Airbnb in der Nähe buchen, welches trotz Saisonpreisen preislich im Rahmen war. Da ich zusammen mit einer Kommilitonin vor Ort war und wir ein Auto hatten, konnten wir problemlos innerhalb weniger Minuten in der Praxis sein, jedoch wäre es auch mit dem Fahrrad im Sommer erreichbar gewesen. So hatten wir gleichzeitig die Möglichkeit viele Hausbesuche im Umkreis zu erledigen. Vor allem im Winter wäre jedoch ein eigenes Auto empfehlenswert.

Land und Leute

Die Region (Allgäu/Sulzberg) ist landschaftlich wunderschön und bietet vielfältige Freizeitmöglichkeiten: Baden, Wandern, Radfahren oder ein entspannter Abend in der Umgebung. Kempten, Oberstdorf oder auch das Schloss Neuschwanstein sind in der Nähe. Auch die Leute vor Ort sind sehr herzlich, sodass man sich schnell willkommen fühlt. In der Praxis haben sie sich meist gefreut, wenn wir noch was aus ihrem Fall mitnehmen konnten. Die entspannte Atmosphäre und guten Arbeitszeiten lassen es zu, die Umgebung zu erkunden, jedoch muss man sich hier bewusst sein, dass der Nahverkehr weniger gut ausgebaut ist als in einer großen Stadt. Darüber sollte man sich im Vornherein informieren, insbesondere wenn man nicht die Möglichkeit eines Autos hat.

Fazit

Die Famulatur bei Dr. Böhme war eine sehr lohnenswerte Erfahrung. Man kann unglaublich viel praktisch machen, erhält einen realistischen Einblick in die hausärztliche Tätigkeit auf dem Land innerhalb eines herzlichen Teams und hat gleichzeitig ausreichend Freizeit, um die Region zu genießen. Für Studierende, die gerne selbstständig arbeiten, Eigeninitiative mitbringen und Lust auf Erfahrungen hinsichtlich enger persönlicher Arzt-Patienten-Verhältnisse hat, ist hier genau richtig. Ich werde keine Sekunde dieser Famulatur bereuen und würde mich immer wieder dafür entscheiden. Insbesondere bin ich dankbar darüber, dass solche Famulaturen gefördert werden, sonst hätte ich diese Zeit wahrscheinlich nicht im Allgäu verbringen können.

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