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"Ich wurde hier ein wenig ins kalte Wasser geworfen, aber das war genau das Richtige"

verfasst am 21. Januar 2026
Bei ihrem PJ-Tertial in der Hausarztpraxis Dr. Birgit Münster in Baiersdorf wollte Aileen Wohlrath herausfinden, ob sich die Allgemeinmedizin für Ihre spätere Facharzt-Spezialisierung eignet. Ihr begeistertes Fazit spricht Bände.

Dass sie ganz sicher einmal im ambulanten Bereich arbeiten möchte, stand für Aileen Wohlrath schon früh im Studium fest. Gefördert von der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband verbrachte sie ihr  PJ-Tertial in der Hausarztpraxis von Dr. Birgit Münster. Wie sehr Sie die drei Monate dort Sie auf ihrem Weg bestätigt haben, zeigt ihr Bericht.

Motivation für ein PJ-Tertial Allgemeinmedizin auf dem Land

Da ich vor dem Studium bereits eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einem Medizinischen Versorgungszentrum abgeschlossen habe und auch inzwischen einige Eindrücke in Kliniken bzw. das stationäre Setting gewinnen konnte, möchte ich ganz sicher einmal im ambulanten Bereich arbeiten. Das Wahlfach Allgemeinmedizin hat mir als eine der ganz wenigen Disziplinen genau diese Möglichkeit während des Praktischen Jahrs gegeben.
Zudem hatte ich mir einen tieferen Einblick in die intensive Hausarzt-Patienten-Beziehung erhofft und wollte schlichtweg für mich herausfinden, ob sich die Allgemeinmedizin für meine spätere Facharzt-Spezialisierung eignet.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Von Tag 1 an durfte ich Patienten eigenständig behandeln - vom Anamnesegespräch über die körperliche Untersuchung bis zum Ultraschall. Ich wurde hier ein wenig ins kalte Wasser geworfen, aber das war genau das Richtige. Nach der ersten Kontaktaufnahme durch mich, informierte ich die zuständige Ärztin über den Patienten, meine Untersuchungsergebnisse und gab Vorschläge für das weitere Vorgehen. Danach konsultierten wir den Patienten gemeinsam und die Diagnostik wurde bei Bedarf überprüft, um die Diagnose zu sichern sowie nochmals die angedachte Therapie erläutert.
Gerade jetzt in der Erkältungszeit hatte ich natürlich viel mit akuten Infekten zu tun, aber Langeweile kam hier nicht auf. Daneben konnte ich Einblicke in die vielen Facetten der Allgemeinmedizin und der aktiven direkten Betreuung von Patienten gewinnen. Von Check-up, DMP, Hautkrebsscreening über Migräne, Thrombose, Rückenschmerzen, Panikstörung, Atemnot bis hin zu Nachsorge nach OP, Einleitung einer Reha, Hausbesuche und Leichenschau. Kinder, Berufstätige, Rentner – jede Altersgruppe war dabei vertreten.
Zusätzlich war es mir möglich die Medizinischen Fachangestellten in ihrer Arbeit zu unterstützen durch Blutabnahmen, EKGs, Urinuntersuchungen, Impfungen etc., was mir wirklich Spaß gemacht hat und ich als wichtige Tätigkeiten mit Lerneffekt empfinde. (Man sollte als Ärztin meiner Meinung nach nicht nur Aufgaben an Mitarbeiterinnen weitergeben, sondern auch wissen, wie diese ausgeführt werden, welche Qualifikationen dazu nötig sind oder wie ein diagnostisches Ergebnis zu Stande kommt).

Betreuung vor Ort

Kurz gesagt: Note 1. Bereits vor dem Beginn des PJ-Tertials stand ich im Kontakt mit Frau Dr. Münster. Es gab vorab einen Hospitationstag zum gegenseitigen Kennenlernen und für den Start war dann direkt alles vorbereitet: Namensschild, passende Kleidung, eigenes Fach, Vorstellung bei den Mitarbeiterinnen, Vorstellung meiner Person bei den Patienten über einen Infoscreen usw.
Im Laufe des Tertials hatte ich jederzeit Ansprechpartner und konnte Fragen stellen - egal ob von ärztlicher Seite aus oder auch bei den Medizinischen Fachangestellten. Ich habe mich nie alleine mit etwas gefühlt, sondern als Teil des Teams. Des Weiteren konnte ich eigene Ideen und Vorschläge einbringen, was mir vermittelt hat „gesehen zu werden“. Mit mir wurden Patienten vor der Behandlung besprochen, bspw. worauf besonders zu achten ist, oder auch im Nachhinein, zum Beispiel warum die Ärztin sich so in dem Fall entschieden hat. Regelmäßige Feedback-Gespräche zwischen Frau Dr. Münster und mir waren sehr hilfreich, um eine Einschätzung der eigenen Leistungen zu erhalten, aber auch um die nächsten Schritte, Tätigkeiten etc. zu planen.

Unterkunft

Da die Praxis relativ nah an Erlangen liegt, konnte ich täglich von meiner Wohnung aus mit dem Auto fahren und musste mir keine neue Unterkunft für das Tertial suchen.

Land und Leute

Ich komme aus einem kleinen Dorf in Franken und wohne für das Studium seit längerem in Erlangen. Daher kenne ich die schöne Region, die eine gute Mischung aus ländlich aber durch die umliegenden Städte nicht zu abgeschieden ist; und auch die hier lebenden Menschen mit ihrer manchmal etwas speziellen aber größtenteils herzlichen Art.
Jeder Patient in der Praxis war mir gegenüber offen – mir wurden Familiengeschichten, psychische Erkrankungen, Sorgen und Ängste, Vorerkrankungen und vieles mehr anvertraut. Kein Einziger hat eine (Vor-)Behandlung durch mich abgelehnt oder zeigte sich verärgert über eventuell entstandene längere Wartezeiten durch die Übergabe an die approbierten Ärztinnen bzw. notwendige Nachuntersuchungen und Überprüfungen meiner bisherigen Diagnostik.

Mein Fazit

Alles in allem hatte ich ein unglaublich tolles PJ-Tertial, das ich mir kaum besser hätte vorstellen können. Vor allem Frau Dr. Münster und ihrem wunderbaren Team aus angestellten Ärztinnen und den Medizinischen Fachangestellten bin ich mehr als dankbar für die positiven Erfahrungen, die ich in der Praxis sammeln durfte.
Besonders hervorheben möchte ich hier auch, dass ich dort die erste Medizinstudentin im Praktischen Jahr war, das heißt man konnte somit nicht auf Vorerfahrungen mit früheren PJlern zurückgreifen und musste sich auf alle Abläufe neu einstellen.
Wer sich viel Patientenkontakt und selbstständiges Arbeiten für sein Praktisches Jahr wünscht, ist in der Allgemeinmedizin genau richtig aufgehoben.

 

 

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