Erfolgreiches „Start-up Allgemeinmedizin – Meet & Connect“ in Regensburg: Der Funke für die Allgemeinmedizin ist weitergesprungen
„Sorry, ich konnte nicht früher zurückrufen – das war zu spannend“ – der O-Ton einer Teilnehmerin nach dem „Start-up Allgemeinmedizin – Meet & Connect“ im Regensburger marinaforum trifft den Tenor der Veranstaltung, die wie immer am Abend vor dem Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärztetag stattfand. Unterhaltsam moderiert von Dr. Beate Reinhardt (Vorstand BHÄV) und Benjamin Haugg (Forum Weiterbildung im BHÄV) gab es in der bis auf den letzten Platz besetzten Veranstaltung jede Menge Information und Motivation für die vielfältigen Wege zum Berufsziel Hausärztin/Hausarzt. Wie das begeisterte Feedback aller Beteiligten zeigte, trug auch das neue Konzept des „Start-ups Allgemeinmedizin – Meet & Connect“ wesentlich zum Erfolg der Veranstaltung bei: Statt einer Bühne wurde eine „Fish-Bowl“ aufgebaut, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Kreis inmitten ihres Auditoriums auftraten. Schon diese Anordnung auf Augenhöhe sorgte für Nähe, Gemeinschaftsgefühl und bot die Basis für eine lebendige Diskussion, die zeigte, wie gut die Community unter Hausärztinnen und Hausärzten funktioniert.
„Sehr cool und sehr informativ“
Paula Wilmeyer, Medizinstudentin aus Regensburg, fand den Abend „sehr cool und sehr informativ“, auch weil sie sich durchaus vorstellen kann, in die Allgemeinmedizin zu gehen. “Und da ist es gut zu wissen, welche Möglichkeiten es gibt, diesen Weg zu gehen. Auch als Mutter, als Frau, als Chefin oder Angestellte“, sagt sie.
Von Prof. Dr. Patricia Schartau gab es gleich zu Beginn ein motivierendes Plädoyer für die Allgemeinmedizin. Diese sei „kein Plan B, sondern ein Traumberuf“, betonte die Leiterin des neu geschaffenen Zentrums für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikums Regensburg (UKR) in ihrem mit sehr persönlichen Motiven und bewegenden Erlebnissen gespickten Vortrag.
Landarztquote als Chance auf den Lebenstraum
Vom Traumberuf Allgemeinmedizin sprach auch PJ-Studentin Ann-Katrin Hellmann bei ihrem Auftritt im marinaforum. Sie gehört zum ersten Jahrgang der Medizinstudierenden in Bayern, die ihren Studienplatz über die Landarztquote bekommen haben. „Für mich ist die Landarztquote die Chance auf meinen Lebenstraum gewesen“, sagt sie. Sehr offen redete sie auch über die Vorurteile, mit einer weniger guten Abi-Note über die neue Quote ins Studium gekommen zu sein. Diese habe es anfangs schon gegeben, erinnert sie sich. „Aber ich fühle mich nicht als Studierende 2. Klasse“, sagt sie. Im Gegenteil hätten sie und die anderen Landarztquoten-Studierenden schon im Vorfeld Qualitäten unter Beweis stellen müssen. Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit zum Beispiel. „Man hat so viel gekämpft, um einen Studienplatz in der Allgemeinmedizin zu bekommen. Man weiß, wo man hinwill.“
Dass es mehr als einen Weg in die Allgemeinmedizin gibt, zeigte der Auftritt von Jens Lutz, Hausarzt aus Laaber. Er hat über die Urologie in die Hausarztmedizin gefunden, ist also ein echter Quereinsteiger. „Ich hätte viel früher in die Allgemeinmedizin wechseln sollen“, erklärte er freimütig.
Einzelkämpfer oder Teamplayer - eine Typfrage
Über die Vielfalt in der Hausarztmedizin und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie berichteten Dr. Annette Luther (Hausärztin, Regensburg) und Dr. Luca Frank (Hausarzt, Tirschenreuth), die ihren Traumberuf auf sehr unterschiedliche Weise ausüben: Während Dr. Annette Luther als Hausärztin mit einer Einzelpraxis in Regensburg Beruf und Familie sehr gut unter einen Hut bekommt und ihre Entscheidung für die Selbstständigkeit keinen Tag bereut hat, zieht Dr. Luca Frank ein anderes Modell vor. Für ihn sei die Einzelpraxis keine Option gewesen. Seit Januar 2025 ist der junge Vater selbstständiger Hausarzt in der Gemeinschaftspraxis im Krankenhaus Tirschenreuth. „Die Zukunftspraxis ist die Teampraxis“, ist er überzeugt.
Auch in Anstellung enge Patientenbindung
Sehr zufrieden mit ihrem Berufsleben in Anstellung zeigten sich auch Dr. Marissa Schmidbauer und Dr. Julia Völkl, die als Hausärztinnen in Markt Schierling arbeiten. Beide machten deutlich, wie sehr ihnen als angestellte Ärztinnen genauso wie ihren selbständigen Kolleginnen und Kollegen in den hausärztlichen Praxen die Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten am Herzen liegt. Auch die Beziehung zu den Patientinnen und Patienten sei genauso eng. Diese würden sie als ihre Hausärztinnen betrachten. Für die Anstellung hätten sie sich entschieden, weil sie als darin als junge Mütter die Möglichkeit sahen, ihren Traumberuf mit der aktuellen Lebenssituation zu vereinen. Der Wechsel von der Anstellung in die Selbständigkeit sei aber nicht ausgeschlossen - „wenn es zur Lebenssituation passt“.
Unterstützung auf dem Weg in die hausärztliche Versorgung
Später ging es dann um Förderungen und Programme, die auf dem Weg in die hausärztliche Versorgung genutzt werden können. Von Pia Brenneisen und ihrem Kollegen Andreas Dotzler vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention gab es eine Vorstellung der Förderprogramme des Freistaats wie Landarztquote, Beste Landpartie oder Landarztprämie. Dr. Cornelia Dodeller, stellvertretende Leiterin der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin (KoStA) und Prof. Dr. Marco Roos, Leiter des Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin Bayern (KWAB), informierten über die Vorteile von Weiterbildungsverbünden. Dr. Oliver Abbushi vom Vorstand der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband stellte die Fördermöglichkeiten durch die Stiftung vor. „Unser Ziel ist es, Begeisterung für Allgemeinmedizin und Niederlassung auf dem Land zu wecken“, erklärte er.
Begeisterung für die Allgemeinmedizin zum Mitnehmen
Wie das Feedback der Zuhörerinnen und Zuhörer nach der Veranstaltung zeigt, ist offenbar auch beim Start-up Allgemeinmedizin – Meet & Connect“ in Regensburg der Funke für die Allgemeinmedizin weitergesprungen. Oder wie es einige der Teilnehmer in den Kurzinterviews sagten, die zum Abschluss der Veranstaltung geführt wurden. „Ich nehme mit, dass es eine wirkliche Begeisterung für die Allgemeinmedizin gibt und dass es eine wirkliche Community gibt, ein richtig schönes Netzwerk. Das habe ich auch gerade schon von den anderen Studierenden hier gehört, dass sie wirklich inspiriert sind und auch genießen, wie freundlich, ehrlich und offen es ist und ja, diese Begeisterung, nehme ich heute Abend mit.“