Bezirks-Newsletter München im September 2026: Das richtige Tun in schwierigen Zeiten
- Die hybride Hausarztpraxis: nah an den Menschen, medizinisch hochwertig und wirtschaftlich effizient
- Delegation und Teamarbeit
- Was ändert sich durch das beschlossene Beitragsstabilisierungsgesetz?
- Stärkung der ärztlichen Versorgung von Menschen mit Behinderung
- Kurz notiert
- Termine
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
selten lagen für uns Hausärztinnen und Hausärzte Chancen und Risiken so dicht beieinander. Auf der einen Seite wird inzwischen von fast allen politischen Akteuren anerkannt, dass eine funktionierende hausärztliche Versorgung der Schlüssel für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem ist. Primärversorgung, Patientensteuerung und die Stärkung der Hausarztpraxen stehen auch dank der vielen Aktivitäten und der harten Arbeit unseres Verbandes oben auf der politischen Agenda.
Auf der anderen Seite wächst der Kostendruck im Gesundheitswesen erheblich. Sparvorgaben, steigende Praxiskosten und weiterhin knappe personelle Ressourcen treffen auf eine älter werdende Bevölkerung und einen zunehmenden Versorgungsbedarf.
In der aktuell schwierigen Situation kämpfen wir als Verband dafür, dass die Hausärzteschaft für die Umsetzung des geplanten Primärversorgungssystems finanziell gestärkt wird und die geplanten Kürzungen im Beitragsstabilisierungsgesetzt („Krankenkassenspargesetz“) zurückgenommen werden.
Jetzt ist die Zeit, die Weichen für eure Zukunft als Hausärztinnen und Hausärzte in den Praxen richtig zu stellen. Schaut hier nicht nur auf euch, sondern auf uns, auf alle Hausärztinnen und Hausärzte. Denkt an unsere jüngeren Kolleginnen und Kollegen, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen. Engagiert euch auch öffentlich und unterstützt uns konkret im Verband. Je mehr wir an Mitgliedern sind, je mehr ihr euch einbringt, desto stärker werden wir sein!
Seht auch unten unser geplantes Treffen zum Networking.
Hier Mitglied im BHÄV werden.
1. Die hybride Hausarztpraxis: nah an den Menschen, medizinisch hochwertig und wirtschaftlich effizient
Wir alle sollten die Abläufe in unseren Praxen hinterfragen und zu einem deutlich effizienteren System umbauen. Hier sind die wichtigsten Elemente: Delegation von Aufgaben im Team (HÄPPI), Nutzung digitaler Formate inklusive Videosprechstunde und künstlicher Intelligenz, Straffen der Abläufe, Reduzierung der Leistungen auf das Notwendige und medizinisch Sinnvolle, Reduzierung unnötiger Praxiskontakte, Stärkung der HZV und die Ausweitung von Selbstzahler-Leistungen.
Am Anfang steht die Analyse der Abläufe. Womit beschäftigen sich die Ärztinnen und Ärzte? Womit beschäftigen sich die medizinischen Fachangestellten? Welche Tätigkeiten sind überflüssig? Welche Tätigkeiten können durch digitalisierte Lösungen ersetzt werden? In welcher Frequenz müssen die Patientinnen und Patienten gesehen werden? Hier sollte man sich über jede und jede Patientin/Patienten Gedanken machen und dies festlegen. Unnötige Praxiskontakte müssen reduziert werden.
Im Dschungel der digitalen Angebote gibt es viele interessante Projekte. Hier gibt es zum Beispiel das digitale Sekretariat, den digitalen Telefonassistenten, digitale Dokumentation der Sprechstunde, aber auch der Teambesprechungen. Digitale Fragebögen lassen sich einsetzen im Bereich Anmeldung, Prävention, Impfung und mehr. Einige dieser Lösungen sind vielversprechend und können heute bereits hilfreich sein. Aber Vorsicht: Klären Sie im Vorfeld Preis und vor allem Effektivität. Legen Sie nicht einfach los, das kann schnell im Chaos enden und die MFAs überlasten. Die Entwicklung ist rasant und die Lösungen werden besser. Weitere Infos zur digitalen Praxis finden Sie hier.
Am Ende wollen wir auch in Zukunft unsere Patientinnen und Patienten optimal versorgen.
2. Delegation und Teamarbeit
Es wird eine deutliche Ausweitung delegierbarer Leistungen geben. In der HZV gilt bereits heute der mittelbare Arztkontakt. Das bedeutet, dass beispielsweise auch ein MFA-Kontakt die Versichertenpauschale auslöst.
In den ganz neu verhandelten Anpassungen im BKK-Vertrag gibt es nur noch einen Hausbesuch, egal ob vom Arzt oder der Verah ausgeführt. Für weitere Infos hier klicken.
Das vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband entwickelte Modell der HÄPPI-Team Praxis wird zunehmend attraktiv und geht auf diesem Weg konsequent nach vorne. Routineleistungen können durch qualifiziertes nichtärztliches Personal erbracht werden. Die Verantwortung bleibt bei uns Hausärztinnen und Hausärzten. Für Infos zu HÄPPI hier klicken.
3. Was ändert sich durch das beschlossene Beitragsstabilisierungsgesetz?
Derzeit kämpfen wir vor allem für die Rücknahme der Fixkostendegression im KV-System und in der HZV. Sie würde die Vergütung für die Patientinnen und Patienten, die man zusätzlich im Vergleich zum Vorjahr behandelt, ab 2027 reduzieren. Das ist inakzeptabel!
Auf jeden Fall werden zum 1. Januar 2027 folgende Leistungen gestrichen: 01480 - Beratung zur Organspende, 03008 - Vermittlung an den Facharzt, 01448 - Erstbefüllung der ePA.
Weiter wird die im Gesetz festgelegte Anbindung des Honorarzuwachses an die Grundlohnrate voraussichtlich Honorarsteigerungen begrenzen. Die Verhandlungen für 2027 haben bereits begonnen.
4. Stärkung der ärztlichen Versorgung von Menschen mit Behinderung
Wir setzen uns für eine bessere Versorgung in den Behinderteneinrichtungen ein.
Gemeinsam mit der Pfennigparade und anderen Münchener Organisationen beraten wir, der BHÄV München, regelmäßig, wie wir die Versorgung von Menschen mit Behinderung verbessern können. Dies mündete nun in einem Antrag, den wir bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns in der November-Sitzung einbringen werden. Wir fordern hier, dass Einrichtungen für Patientinnen und Patienten mit Behinderung den Seniorenheimen gleichgestellt werden und Hausbesuche in diesen Einrichtungen in Zukunft genauso gefördert werden sollen. Das ist wichtig, um die hausärztliche und fachärztliche Versorgung in diesen Einrichtungen zu verbessern!
5. Kurz notiert
- Nutzen sie KIM für die Übermittlung der Rezepte von Heimpatientinnen und -patienten an die Apotheke. Wichtig: es muss die offizielle Vertragsapotheke vom Seniorenheim sein. Hier wird deutlich Bürokratie eingespart! Weitere Infos finden Sie hier.
- Das geplante GeDIG sieht vor, dass Krankenkassen zukünftig auf die Daten der ePA zurückgreifen dürfen sollen, um so ihren Versicherten gesundheitsbezogene Angebote zu machen. Wir lehnen dies entschlossen ab. Der geschützte Raum zwischen Arzt und Patienten darf nicht durch die Krankenkassen aufgebrochen werden!
- Abzocke der iMVZs?
Uns erreichen zunehmend Beschwerden von Kolleginnen und Kollegen in München zu der exorbitanten Ausweitung von Laboranalysen in manchen MVZ-Strukturen. Es erhärtet sich zunehmend der Eindruck, dass hier täglich Hunderttausende Euro von Versichertengeldern völlig sinnfrei verschwendet werden. Wir haben diese Beschwerden an die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns weitergeleitet mit der dringlichen Bitte, hier aktiv zu werden. Es kann nicht sein, dass einerseits bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten gespart wird, auf der anderen Seite aber die Gelder verschwendet werden! - Telefonische Beratung im Bereitschaftsdienst nach der Ziffer 01214 -16 bis - 18 werden durch die KVB nicht mehr vergütet. Dies ist bereits heute gesetzeskonform. Ursächlich ist die unkontrollierte Ausweitung dieser Leistungen.
6. Termine
- Netzwerktreffen BHÄV München diesen Herbst: Hier treffen sich Interessierte zum Networking. Thema: die hybride Hausarztpraxis. Termin wird noch festgelegt.
Bei Interesse bitte beiDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. anmelden. - Mittwoch 2. Dezember 2026, 18:00 Uhr
Neuwahl des BHÄV Bezirksvorstandes mit Delegierten und Ersatzdelegierten für München. Einladung erfolgt separat an alle Mitglieder.
Unterstützt uns, Euren BHÄV in München!
Ihr
Oliver Abbushi Markus Frühwein
Kontakt:
Delegierte & Ersatzdelegierte:
| Christoph Grassl | Daniel Pohl | Friedrich Kiener |
| Andreas Durstewitz | Wolfgang Ritter | Katharina Teubner |
| Georg-Eike Böhme | Tanja Poenitsch | Hans-Joachim Willerding |
| Gudrun Endres-Sowa | Jörg Schelling | Christiane Drescher |
| Viktoriya Mintser | Christina Adamczyk | Hannes Blankenfeld |
| Rudolf Schäfer | Ernst Engelmayr | Flora Wendel |
| Leopold von Seckendorff |