Hausärztinnen- und Hausärzteverband bekräftigt Bekenntnis zu Vielfalt, Toleranz und Demokratie
Die politischen Entwicklungen in Sachsen-Anhalt und der wachsende Einfluss einer gesichert rechtsradikalen Partei sorgen im Hausärztinnen- und Hausärzteverband für große Sorge. Dr. Markus Blumenthal Beier, Co-Bundesvorsitzender des Verbands, erinnerte beim 47. Hausärztinnen- und Hausärztetag in der Delegiertenversammlung an das vor zweieinhalb Jahren beschlossene Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und versicherte: „Wir weichen von dieser Linie nicht ab.“
„Nicht mit uns, niemals mit uns!“
Besonders deutlich kritisierte Dr. Blumenthal-Beier gesundheitspolitische Positionen aus dem AfD-Wahlprogramm. Dazu zählten aus seiner Sicht die Abwertung ausländischer Ärztinnen und Ärzte: Wenn Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland als „Import-Ärzte“ bezeichnet und ihre fachliche Eignung pauschal wegen möglicher Sprachbarrieren infrage gestellt werden, verwahre sich der Verband dagegen mit aller Entschiedenheit. Auch Forderungen nach verpflichtenden Ultraschalluntersuchungen für schwangere Frauen in Konfliktsituationen sowie die pauschale Darstellung von mRNA-Impfstoffen als „Gefahr für Leib und Leben“ oder Pläne, die Impfberatung für Kinder abzuschaffen, stünden im Widerspruch zu evidenzbasierter Medizin und dem Selbstbestimmungsrecht der Patientinnen und Patienten. „Das sind Grundlagen, auf denen wir als Ärztinnen und Ärzte arbeiten. Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse geleugnet und falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet werden, können und werden wir nicht schweigen“, betonte Blumenthal-Beier. Er warnte vor der Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Entmenschlichung gesellschaftlicher Gruppen als Wegbereitet totalitärer Systeme. „Da sagen wir klar: nicht mit uns, niemals mit uns!“
Warnung aus persönlicher Betroffenheit
Wie persönlich die Auseinandersetzung mit der extremen Rechten in Deutschland sein kann, machte Dr. Jan Anastassis Skuras, Vorstandsmitglied des Hausärzteverbands Sachsen, deutlich. Sein Großvater wurde von der Gestapo erschossen, seine Familie durch die Nationalsozialisten zerstört, wie er mit bewegter Stimme berichtete. Dennoch habe er sich bewusst für ein Leben in Deutschland entschieden. Seine Frau ist Deutsche, seine Kinder sind hier aufgewachsen. „Ich bin jetzt Deutscher, Ich liebe Deutschland“, sagte Dr. Skuras. „Ich lasse mich nicht noch einmal von Nazis zerstören. Ich werde kämpfen.“ Die Delegierten reagierten mit stehenden Ovationen.
Gräben wieder zuschaufeln
Dr. Torsten Kudela, Vorsitzender des Hausärzteverbands Sachsen-Anhalt, schilderte die Situation in seinem Bundesland, in dem die politische Polarisierung besonders spürbar ist. Ihn, dessen Familie sowohl unter der NS-Diktatur als später auch unter dem DDR-Regime gelitten habe, lähme der Wahlerfolg der AfD und mache ihn sprachlos. Dennoch müsse man mit der Situation umgehen. "Jetzt geht es darum, die Gräben irgendwie wieder zuzuschaufeln" und ins Gespräch zu kommen, um die Wählerschaft extremer Parteien abzuholen, wieder reinzuholen ins Boot.
„Wenn die Menschen der Politik nicht mehr glauben, vielleicht glauben sie uns“
„Wir müssen miteinander sprechen, das ist ja auch unsere Stärke“, pflichtete die Co-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Nícola Buhlinger-Göpfarth im bei. „Wenn die Menschen der Politik nicht mehr glauben, vielleicht glauben sie uns. Wir haben noch eine andere Beziehung zu unseren Patientinnen und Patienten“, sagte sie. Und an Dr. Jan Anastassis Skuras gewandt versicherte sie: „Du bist Teil einer starken Gemeinschaft und wir werden dich nicht alleine lassen“.
Plakat gegen Rechtsextremismus für’s Wartezimmer
Als Teil des Bayerischen Bündnisses für Toleranz setzt sich auch der Bayerische Hausärztinnen- und Hausärzteverband seit Jahren aktiv für Demokratie, Freiheit, Toleranz und Vielfalt ein.
„Wir sind alle gefordert, als Teil dieser Demokratie, als Teil dieser Gesellschaft, die solidarisch ist und die einsteht für die Schwachen, aufzustehen und uns zu Demokratie und Vielfalt zu bekennen”, ist der Landesvorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende Dr. Wolfgang Ritter überzeugt.
Im Wartezimmer Farbe bekennen können Hausärztinnen und Hausärzte beispielsweise mit einem Plakat gegen Rechtsextremismus, das im Bestellservice des BHÄV zum Download bereit steht.