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„Hier wird einmal mehr deutlich, dass das bestehende Bestellsystem nicht funktioniert“

verfasst am 22. Oktober 2026
Der BHÄV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Ritter fordert bei der Grippeimpfung massive Verbesserungen für Hausärztinnen und Hausärzte.

Die aktuellen Lieferverzögerungen beim Grippeimpfstoff Vaxigrip® treffen zahlreiche hausärztliche Praxen, in denen ausgerechnet jetzt zum Start der Grippeimpfsaison dadurch der Impfstoff knapp wird. Vor diesem Hintergrund fordert der Landesvorsitzende des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Dr. Wolfgang Ritter, das starre Bestellsystem bei Grippeimpfstoffen und das Regressrisiko bei Impfungen endlich abzuschaffen. „Hier wird einmal mehr deutlich, dass das bestehende Bestellsystem nicht funktioniert“, stellt der BHÄV-Vorsitzende fest.

Derzeit müssen hausärztliche Praxen ihren Impfstoffbedarf ein Dreivierteljahr im Voraus bestellen. Der genaue Verlauf einer Grippesaison und welche Nachfrage bei Patienten im Herbst und Winter dann tatsächlich besteht, ist zum Zeitpunkt der Bestellung für die Ärzteschaft nicht absehbar. „Wenn die bestellte Impfstoffmenge über der verbrauchten Menge liegt, droht ihnen ein Prüfverfahren mitsamt Regresszahlungen“, so Dr. Ritter. Sein Appell an die Politik: „Paragraf 106b Absatz 1a SGB 5 muss gestrichen werden.“

Während Apotheken flexibler auf solche Situationen reagieren können, tragen Hausarztpraxen bei der derzeitigen Regelung zudem nicht nur das wirtschaftliche Risiko von Regresszahlungen, sondern sind durch die Herstellerbindung bei der Bestellung zum Abwarten gezwungen, bis die Impfstoffe geliefert werden können. Beim Grippeimpfstoff Vaxigrip® hat sich das inzwischen auf die erste Novemberwoche verschoben.

Verzögerte Impfstoff-Lieferung bremst Steigerung der Impfquote

Es geht nicht allein um Fairness, sondern um das Erreichen eines wichtigen gesundheitspolitischen Ziels: der Steigerung der Impfquote. Wie wichtig dafür gerade die ersten Wochen der Impfsaison sind, belegen Zahlen von 2025, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung vorgelegt hat. Allein auf den Monat Oktober sind rund 46 Prozent aller vertragsärztlichen Influenzaimpfungen des ganzen Jahres 2025 entfallen. Interessant auch, wer laut ZI-Statistik das Rückgrat der Impfvorsorge ist. Danach haben die Vertragsärztinnen und -ärzte in Deutschland fast 10,7 Millionen Grippeschutzimpfungen durchgeführt. Zum Vergleich: Apotheken haben in der gesamten Herbst- und Wintersaison 2025/2026 lediglich rund 218.000 Grippeschutzimpfungen abgerechnet.

Damit steht für den BHÄV-Vorsitzenden fest: „Wer die Impfquote steigern will, muss unsere hausärztlichen Praxen stärken. Das bedeutet auch, dass es Hausärztinnen und Hausärzten ermöglicht werden muss, den Impfstoff direkt vom Hersteller beziehen zu dürfen“.