"Ein motivierender Bayerischer Ärztinnen- und Ärztetag"
„Es ist motivierend, dass die berechtigten Forderungen der Hausärztinnen und Hausärzte auch von den anderen Delegierten am Bayerischen Ärztinnen- und Ärztetag breit unterstützt werden. Das zeigt, wie wichtig die berufspolitische Arbeit unseres Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes ist“, zieht Dr. med. Stefan Semmler, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands und Bezirksvorsitzender Oberpfalz, als Delegierter nach dem Treffen in Berchtesgaden Bilanz. So sprachen sich die 180 Mitglieder des Bayerischen Ärzteparlamentes für eine stärkere Patientensteuerung und ein ärztlich getragenes Primärversorgungssystem aus. Dabei sollen Hausärztinnen und Hausärzte eine zentrale koordinierende Rolle übernehmen.
Judith Gerlach zum Primärarztsystem: "Ich bin für ein solches Modell"
Zum Auftakt des dreitägigen Treffens hatte sich die vom CSU-Parteitag in München zugeschaltete Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, Judith Gerlach, ebenfalls für eine Stärkung der Hausärztlichen Praxen ausgesprochen: „Es braucht Reformen mit Augenmaß und im Schulterschluss mit den relevanten Akteuren wie den Ärztinnen und Ärzten. Ich denke da beispielsweise an die Einführung des Primärarztmodells. Ich bin für ein solches Modell. Denn mit einer besseren Patientensteuerung über Primärärzte können zum Beispiel die Praxen von unnötigen Doppeluntersuchungen entlastet werden. Es müssen dazu alle ihren Teil beitragen.“
Gleichzeitig kritisierte Staatsministerin Gerlach die Bundespolitik und forderte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil zum Einlenken in der Debatte um die Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung auf: „Die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Beitragsgeldern empfinden die Menschen als ungerecht, und damit haben sie auch vollkommen recht. Der Bundesfinanzminister zieht sich nach wie vor aus seiner Verantwortung, auch mit Konsequenzen für die Ärzteschaft und die Bürgerinnen und Bürger. Der Bund muss endlich Kassenbeiträge von Empfängern des Grundsicherungsgeldes vollständig aus Steuermitteln finanzieren. Alleine das wären zwölf Milliarden Euro.“
Expertise der Ärztinnen und Ärzte für Reformen nutzen
Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Gerald Quitterer, appellierte an die Politik, vor der Verabschiedung neuer Reformen die Expertise der Ärztinnen und Ärzte zu nutzen. Der Facharzt für Allgemeinmedizin und langjährige Bezirksvorsitzende Niederbayern des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes sagte: „Ärztinnen und Ärzte tragen täglich Verantwortung für die medizinische Versorgung. Sie erleben unmittelbar, wie sich gesetzliche Vorgaben auf die Behandlung der Patientinnen und Patienten und auf die Versorgungsstrukturen auswirken. Ihre praktischen Erfahrungen und ihre fachliche Expertise müssen deshalb von Beginn an in gesundheitspolitische Reformprozesse einfließen. Reformen dürfen nicht an der Versorgungsrealität vorbeigehen.“
In seinem Festvortrag sprach Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Ehrenpräsident der Bundesärztekammer, über das Thema „Ärztliche Selbstverwaltung als Pfeiler der Demokratie“. Mit Blick auf die Kammerwahlen in Bayern im kommenden Jahr hatte der langjährige Präsident der Bundesärztekammer eine klare Botschaft: Demokratie lebt vom Mitmachen. Eine hohe Wahlbeteiligung sei deshalb eine Grundvoraussetzung, um von der Politik wahr- und ernstgenommen zu werden.
Verlässliche Rahmenbedingungen und Patientenschutz im Fokus
Im Fokus der gesundheitspolitischen Beschlüsse standen die Forderungen nach verlässlichen Rahmenbedingungen für die medizinische Versorgung und der Schutz
von Patientinnen und Patienten. Die Delegierten fordern unter anderem den dauerhaften Erhalt der extrabudgetären Vergütung von Vorsorge- und Früherkennungsleistungen, eine umfassende Absicherung des Arzt-Patienten-Verhältnisses vor nachrichtendienstlichen Zugriffen, einen wirksamen Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Werbung für ungesunde Lebensmittel und eine nachhaltige Sicherung der Kinder- und Jugendmedizin. Ein weiteres Thema war der Klimawandel mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze, unter der insbesondere alte und multimorbide Patientinnen und Patienten leiden.
Ein Dauerärgernis ist weiterhin das Impfen in den Apotheken, berichtet Dr. Semmler: „Patientinnen und Patienten, die sich impfen lassen, müssen darauf vertrauen können, dass Fragen beantwortet, Kontraindikationen ausgeschlossen und seltene Komplikationen begleitet werden. Wir Hausärztinnen und Hausärzte sind dafür die Profis.“









































