Dr. Wolfgang Ritter: „GKV-Spargesetz ist der Geisterfahrer in unserem Gesundheitssystem“
München, 10. Juli 2026 – „Rotstifte ersetzen keine nachhaltige Zukunftsstrategie. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken muss endlich die Ankündigung im Koalitionsvertrag umsetzen und die ambulante Versorgung mit einem Primärarztsystem auf sichere Füße stellen, statt per Gesetz eine Versorgungsbremse einzuführen“, kommentiert Dr. Wolfgang Ritter, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, die Verabschiedung des GKV-Spargesetzes am heutigen Freitag im Bundestag.
Dr. Ritter: „Das GKV-Spargesetz ist der Geisterfahrer in unserem Gesundheitssystem. Es bestraft Hausärztinnen und Hausärzte, wenn sie mehr Patienten versorgen wollen statt sie zu stärken. Gleichzeitig schafft Bundesgesundheitsministerin Nina Warken mit der Apothekenreform Parallelstrukturen in den Apotheken beim Zugang in die hausärztliche Versorgungsebene. Apotheken werden nie fallabschließend versorgen können, und am Ende landen die Patientinnen und Patienten doch wieder in der hausärztlichen Praxis. Dies ist ineffektiv und teuer und hat nichts mit einer gesteuerten Patientenversorgung zu tun.“
Damit werde die Versorgung der Patientinnen und Patienten deutlich schlechter. Zum anderen würden die Kosten für die Versichertengemeinschaft dadurch mittel- und langfristig sogar steigen, „weil die Politik gezwungen sein wird, Hals über Kopf teure Entlastungsmaßnahmen einzuleiten“, analysiert Dr. Ritter das Sparpaket und fordert: „Mit der Ankündigung eines Primärarztsystems im Koalitionsvertrag liegt die Antwort bereits auf dem Tisch. Über elf Millionen Patientinnen und Patienten haben sich bundesweit bereits freiwillig in die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) eingeschrieben. Die Politik ist gut beraten, mit uns Hausärztinnen und Hausärzten die HzV weiterzuentwickeln, statt unseren Hausarztpraxen Steine in den Weg zu werfen. Über die HzV erhalten die Patientinnen und Patienten nicht nur eine bessere Versorgung, sondern gleichzeitig spart die HzV der Versichertengemeinschaft Kosten und bietet jungen Ärztinnen und Ärzten eine nachhaltige Perspektive, sich in Stadt oder Land mit einer hausärztlichen Praxis niederzulassen. Es ist unverständlich und fahrlässig, dass die Bundesregierung ihre eigene Antwort auf die steigenden GKV-Beiträge immer noch nicht umgesetzt hat.“
Dr. Ritter: „Bundesgesundheitsministerin Warken muss endlich Farbe bekennen und den Bürgerinnen und Bürgern darlegen, wie sie sich eine verbindliche Primärversorgung vorstellt. Wenn dies bedeutet, dass die Patientinnen und Patienten nicht mehr regelhaft als ersten Zugang ihre Hausärztinnen und Hausärzte in Anspruch nehmen dürfen, sondern entweder von einer Digitalen Ersteinschätzung oder vor Ort nur noch von Apotheken oder Gemeindeschwestern primär behandelt werden, dann muss sie das den Bürgern erklären.“
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