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„Das HÄQM-Siegel stärkt Qualitätsmanagement-Beauftragten den Rücken und motiviert das Praxis-Team“

verfasst am 22. Oktober 2026
Warum Qualitätsmanagement mehr als eine lästige Pflicht bedeutet und das HÄQM-Siegel keine Pflicht ist, aber trotzdem Sinn macht

Dr. Hans-Hugo Schlemmer hat sich schon früh mit dem Thema Qualitätsmanagement (QM) auseinandergesetzt. Als der Bayerische Hausärztinnen- und Hausärzteverband (BHÄV) vor mehr als 15 Jahren eine Ausbildung zum QM-Auditor anbot, ließ sich Dr. Schlemmer ausbilden und war neben der Tätigkeit in seiner Hausarztpraxis lange Referent des BHÄV für den Grundkurs Hausärztliches Qualitätsmanagement (HÄQM) sowie den Refresher-Kurs HÄQM tätig. Inzwischen im Ruhestand, bringt er seine langjährige QM-Erfahrung als Auditor für den Erwerb des HÄQM-Siegels ein. Im Interview verrät er, warum Qualitätsmanagement mehr als eine lästige Pflicht ist, was HÄQM vor anderen QM-Systemen auszeichnet und welchen Vorteil es hat, sich die Erfüllung der QM-Vorgaben durch das HÄQM-Siegel bestätigen zu lassen.

Was bringt ein QM im Praxisbetrieb, abgesehen davon, dass man einer Verpflichtung nachkommt?

Dr. Schlemmer: Nicht überall wird Qualitätsmanagement mit gleichem Engagement gelebt. Während in einigen Praxen QM eher als notwendiges Übel betrachtet wird, sehen andere darin eine Chance, Prozesse in der Praxis einheitlich zu regeln und setzen es engagiert um. Tatsächlich bietet ein Qualitätsmanagement echte Vorteile: Wenn Prozesse einheitlich geregelt und Zuständigkeiten geklärt sind, werden Fehler vermieden und die Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen fällt leichter. Auch bei rechtlichen Auseinandersetzungen kann sich eine Praxis im Rahmen von Beweisverfahren auf ihr Qualitätsmanagement und die darin festgelegten Regeln berufen. Voraussetzung ist allerding, dass die Praxis ihr Qualitätsmanagement pflegt, also regelmäßig überprüft und aktualisiert. Hierbei hilft das HÄQM-Siegel.

Was macht HÄQM so besonders für hausärztliche Praxen?

Dr. Schlemmer: Das Qualitätsmanagement kommt ja ursprünglich aus der Industrie und wurde auf den Gesundheitsbereich übertragen. Die meisten QM-Systeme enthalten deshalb noch Anforderungen, die in der Praxis gar nicht gebraucht werden. Das HÄQM wurde gezielt an die Abläufe in der hausärztlichen Versorgung angepasst wie zum Beispiel der Kontakt am Telefon, die Interaktion mit anderen Leistungserbringern wie etwa physiotherapeutische oder gebietsfachärztliche Praxen, Beschwerde- und Fehlermanagement, Notfallmanagement und Hygiene. Und auch hier gibt es Unterschiede: So hat zum Beispiel ein gynäkologisches Zentrum, das In-Vitro-Fertilisation anbietet, andere Hygieneanforderungen als eine hausärztliche Praxis. Kurz gesagt: HÄQM beschränkt sich beim Aufwand auf das, was in der Hausarztpraxis wirklich gebraucht wird, und ist daher auch kostengünstig.

Praxen können sich das Arbeiten nach HÄQM mit einem Siegel bestätigen lassen. Was müssen sie dazu tun bzw. wie läuft die Siegelvergabe ab?

Dr. Schlemmer: Die Praxisleitung beziehungsweise die oder der Qualitätsmanagementbeauftragte (QMB) beantragt die Siegelvergabe beim Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein, der bundesweit für HÄQM zuständig ist. Dann werden die Dokumente eingereicht, in denen die HÄQM-Pflichtprozesse dokumentiert sind. Diese werden dann vom Auditor oder der Auditorin vorab überprüft und fehlende Dokumente nachgefordert. Wenn alle Dokumente vollständig sind, vereinbart die Auditorin oder der Auditor einen Vor-Ort-Termin. Beim HÄQM-Siegel geschieht das immer außerhalb der Sprechstunde, um den Praxisbetrieb nicht zu stören. Der Auditor oder die Auditorin überprüft dann, ob alle QM-Vorgaben, beispielsweise zur Hygiene, erfüllt sind. Wenn alles passt, spricht die Auditorin/der Auditor eine Empfehlung für die Siegelvergabe an den Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein aus, der das Siegel dann ausstellt.

Aber auch wenn beim Audit ein Fehler festgestellt wird, hat die Praxis Gelegenheit zur Korrektur und kann dann das HÄQM-Siegel erhalten. Nach Ablauf von drei Jahren steht dann die Erneuerung des Siegels an. Das ist eine gute Gelegenheit, Prozesse zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.

Warum überhaupt ein Siegel? Verpflichtend ist es ja nicht. Wirkt sich das Siegel positiv auf die Außendarstellung der Praxis aus?

Dr. Schlemmer: Nein, für Praxen ist zwar ein QM Pflicht, aber kein Siegel oder Zertifikat. Trotzdem empfehle ich, diesen Schritt auch zu gehen. Weniger wegen der Außenwirkung - ich bin mir nicht sicher, ob die Patientinnen und Patienten soviel mit dem Begriff Qualitätsmanagement und HÄQM-Siegel anfangen können. Für mich steht die Wirkung nach innen im Vordergrund. Zum einen führt das Siegel durch die regelmäßigen Audits dazu, dass die Prozesse in der Praxis an neue Entwicklungen angepasst werden und das Qualitätsmanagement auf aktuellem Stand bleibt. Zum anderen drückt sich darin auch eine Wertschätzung aus – für die Arbeit des QMB und auch für das ganze Team, das das QM täglich umsetzt. Das Siegel stärkt dem QMB den Rücken und motiviert das Team.

 

HÄQM beim Hausärztinnen- und Hausärzteverein Nordrhein gebündelt

Hausarztliches Qualitatssiegel Final quad.sDa inzwischen jede Hausarztpraxis ein QM eingeführt hat und es wenige Neugründungen im hausärztlichen Bereich gibt, wurde das Thema HÄQM zentral für ganz Deutschland beim Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein gebündelt. In Zusammenarbeit mit dem Hausärztinnen- und Hausärzteverband können wir Ihnen so weiterhin HÄQM-Grundkurse für den Einstieg sowie HÄQM-Refresher-Kurse anbieten. Die Refresher-Kurse sind online, sodass Sie auch von Bayern aus bequem teilnehmen können.

Sie haben HÄQM bereits in Ihrer Praxis eingeführt und interessieren sich für das HÄQM-Siegel? Dann nehmen Sie bitte Kontakt auf unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.