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„Die HZV ist ein Job- und Qualitätsmotor“

verfasst am 12. Juni 2026
Im Interview erklärt Dr. Petra Reis-Berkowicz, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, warum bei der HZV die Frage nach ihrem Einsparpotenzial der falsche Ansatz ist.

In den aktuellen Debatten um Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen wird die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) oft darauf reduziert, ob und welches Einsparpotenzial sie birgt. Für Dr. Petra Reis-Berkowicz, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, der falsche Ansatz, wie sie im Interview deutlich macht.

Frau Dr. Reis-Berkowicz, lassen sich mit der HZV Einsparungen im Gesundheitswesen erreichen?

Dr. Reis-Berkowicz: Ein Primärarztsystem wie die HZV bedeutet Patientensteuerung und damit eine gezieltere Zuweisung in die benötigte Behandlungsebene. Das birgt naturgemäß Einsparpotenzial. Aber darum geht es nicht, zumindest nicht nur. Die Vorteile der HZV sind vielschichtig – zuallererst für Patientinnen und Patienten, die besser versorgt werden. Für Hausärztinnen und Hausärzte durch eine planbare, angemessenere Vergütung, die hilft, das wirtschaftliche Überleben der Praxis zu sichern und damit die flächendeckende hausärztliche Versorgung zu erhalten. Davon wiederum profitieren auch die Patientinnen und Patienten – und die Gemeinden, gerade in strukturschwachen Regionen. Eine Gemeinde ohne hausärztliche Praxis verliert deutlich an Attraktivität. Und letztlich bietet eine Arztpraxis auch Arbeitsplätze – eine HZV-Praxis zudem zusätzliche berufliche Perspektiven für das Praxispersonal.

Sie sprechen die Qualifizierungsmöglichkeiten für MFA in der hausärztlichen Versorgung an?

Dr. Reis-Berkowicz: Genau, und die sind eng an die HZV gekoppelt. Die HZV beschert mir durch die bessere Wirtschaftlichkeit per se mehr Spielraum für die Beschäftigung Medizinischer Fachangestellter (MFA). In der HZV gab es auch schon früh – lange, bevor man in der Regelversorgung mit der NäPa-Vergütung (NäPa = Nichtärztliche Praxisassistent/in) nachzog, eine Vergütung für das das Vorhalten einer Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, der VERAH. Das ermöglichte es den Hausärztinnen und Hausärzten, VERAHs einzustellen, die durch ihre besondere Qualifizierung mehr delegierbare Leistungen wie beispielsweise Hausbesuche übernehmen können. Gleichzeitig entstanden neue berufliche Perspektiven für MFA, die diesen wichtigen Beruf noch attraktiver machen.

Mit dem Bachelor-Studiengang Primary Care Management (PCM) haben MFA also eine weitere berufliche Möglichkeit?

Dr. Reis-Berkowicz: Richtig, und wieder ist es die HZV, die den Weg für die Etablierung der PCM in hausärztlichen Praxen ebnet: Die AOK Bayern ist vorangegangen und hat eine Vergütung für PCM in ihrem Hausarztvertrag eingeführt, mit weiteren Krankenkassen laufen derzeit Gespräche, gleichzuziehen. Zudem fördert die AOK Bayern aktuell sogar das PCM-Studium. Damit ist die HZV nicht nur ein Innovations-, sondern auch eine Job- und Qualitätsmotor. Und sie ermöglicht die Transformation hin zur Teampraxis, in der hoch qualifiziertes, nichtärztliches Praxispersonal in enger Abstimmung mit Hausärztinnen und Hausärzten mehr Aufgaben übernimmt. Auf diese Weise lassen sich Herausforderungen wie der demographische Wandel und die von der Bundesregierung geplante Einführung eines Primärarztsystems stemmen.