Famulatur im Bayerischen Wald aus Liebe zum Beruf, zu Land und Leuten
Für ihre erste Famulatur wechselte Saskia-Aimee Ehmke von Berlin, wo sie an der an der Charité im 5. Semester Humanmedizin studiert, in die Arztpraxen Riedlhütte und Neuschönau im Bayerischen Wald. Gefördert wurde sie dabei von der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband.
Motivation für Bewerbung um Förderung des Blockpraktikums auf dem Land
Kurzfassung: der Liebe zum Beruf, zu Land und Leuten wegen. Ich habe durch einen für mich sehr lieben und wertvollen Menschen den bayerischen Wald als Gesamtpaket ebenfalls auf ganz besondere Art und Weise kennen und schätzen gelernt, und dachte mir, dass sich der Aufenthalt in einem Urlaubsziel mit den liebenswerten bayerischen Landsleuten gut mit einer Famulatur verknüpfen lässt. Eine „sprachliche Integration“ ist bereits in meinen letzten Semesterferien erfolgt, sodass es während der Famulatur kaum zu sprachlichen Barrieren gekommen ist.
Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke
Ob klinische Skills wie Blutabnehmen oder Anamnese üben, das erste Mal auf dem Notarztwagen mitfahren oder einen Crashkurs im Ultraschall – während der vierwöchigen Famulatur durfte ich Einiges lernen und erproben. In der vorlesungsfreien Zeit die theoretischen Inhalte aus dem Studium in der „Praxis“ umsetzen zu können, hat wirklich Spaß gemacht:
Begonnen hat die Famulatur für mich bereits vor offiziellem Start auf der Rettungswache in Grafenau. Hier wurde ich sehr herzlich in das Team aufgenommen und durfte in dessen Routine während der Einsätze eintauchen. Dabei hatte ich auch die Gelegenheit, das Team mit Fragen zu durchlöchern.
Am Montag darauf ging dann die Famulatur in der Hausarztpraxis los. Gleich am ersten Tag gab es eine Notfallpatientin: Während Dr. Schreib die Überweisung in ein Krankenhaus organisierte, hat er mir das zugehörige EKG hingelegt: „Was hat die Patientin?“ Meine Antwort nach kurzem Überlegen: „Wahrscheinlich Vorhofflimmern, da die p-Wellen in den Ableitungen fehlen.“ Dr. Schreib hat dies bestätigt und mich darin bestärkt, dass ich die Patientin richtig diagnostiziert habe. Dies hat mir vor Augen geführt, welche Verantwortung Allgemeinmedizinern zukommt. Sie müssen neben dem Stemmen des Praxisalltags zügig die richtigen Notfälle in der Praxis erkennen und entsprechende Maßnahmen einleiten.
Die nächsten Tage habe ich neben einigen Blutabnahmen, ersten Impfungen und EKG-Schreiben Dr. Schreib bei den Check-Ups mit den einhergehenden Ultraschallen begleitet. Innerhalb der vier Wochen habe ich von lehrbuchartigen Abbildungen von Gallensteinen über Zysten in der Schilddrüse bis hin zur Verdachtsdiagnose eines cholangiozellulären Karzinoms (CCC) ein breites Spektrum an Auffälligkeiten in der Sonographie sehen können.
Besonders aufgefallen ist mir, dass es im Bayerischen Wald einige Schilddrüsenerkrankungen gibt. Den geographischen und historischen Zusammenhang hat mir Dr. Waltinger aus der Praxis Riedlhütte aufgezeigt. Hier habe ich in der zweiten Woche hospitiert.
Neben einem großen Spektrum an Diagnostik habe ich bei ihm auch einen ersten Einblick in die eFAST-Sonographie im notfallmedizinischen Rahmen erhalten. Darüber hinaus konnte ich ihn auch bei kleineren chirurgischen Eingriffen assistieren und dabei sein, während er seiner sportmedizinischen Ader bei Patienten freien Lauf ließ, die, während ihrer Belastungs-EKGs, einen zusätzlichen Ansporn bekommen haben.
In der dritten und vierten Woche meiner Famulatur war ich wieder bei Dr. Schreib, den ich zusätzlich zum Praxisalltag bei Haus- und Seniorenheimbesuchen begleitet habe. Eins konnte ich auch hier schnell feststellen: Nicht nur in der Praxis kennt er so gut wie jeden Patienten und deren familiären Background, auch auf dem Weg dahin und zu den Senioren- und Hausbesuchen hat er so einige auf dem Weg gegrüßt.
Dass es manchmal zu einem Zwist zwischen den empfohlenen medizinischen Indikationen und den persönlichen Wünschen von Patienten kommen kann, ist mir insbesondere im Seniorenheim aufgefallen. Schwierig wird es vor allem dann, wenn die persönlichen Wünsche der Patienten nicht schriftlich festgehalten sind. Umso schöner finde ich es, dass sich Dr. Schreib die Zeit nimmt, sich individuell mit den Patienten und deren Angehörigen abzustimmen, welche Diagnostik in welchen Fällen erwünscht ist.
An meinem dritten Praktikumstag hat mich Dr. Wieser abends direkt mit zu einer Fortbildung über Schmerztherapie mitgenommen, bei der circa 20 Ärzte aus der Umgebung anwesend waren. Der Vortrag war sehr interessant und man konnte dort gut Kontakte knüpfen.
Betreuung vor Ort
Während der Famulatur hatte ich in beiden Praxen eine 1:1-Betreuung, was mir den Rahmen gegeben hat, individuell Fragen stellen zu können und gemeinsam Diagnostik zu machen. Gerade im gemeinschaftlichen Gespräch die verschiedenen (vor-) klinischen Inhalte individuell am Patienten anwenden zu können, um diesen richtig zu diagnostizieren, hat viel Spaß gemacht.
Land und Leute
„O leid, o leid“ - Im bayerischen Wald muss man sich definitiv auf einen Dialekt einstellen. Mit der Zeit kommt man aber rein und entwickelt ein gutes Verständnis. Paradoxerweise hilft gerade der Dialekt, um darüber mit Patienten ins Gespräch zu kommen und Hemmungen abzubauen: So entsteht idealerweise eine gute Gesprächsbasis. Es wurde z.B. gefragt, wo ich denn selbst herkomme und ob ich möglicherweise die nächste Ärztin in der Neuschönau bin.
6. Fazit
Für die Erfahrungen, die ich in meiner ersten Hausarztfamulatur machen durfte, und die sehr gute Betreuung bin ich sehr dankbar. Ich kann beide Praxen, die bei Dr. Schreib in Neuschönau und die bei Dr. Waltinger in der Riedlhütte, Medizinstudierenden für eine Famulatur empfehlen.
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