Dezember 2012

Die Gesundheitspolitische Zitrone geht im Dezember an die Barmer GEK  für eine Umfrage zum Thema Ärztemangel nach der Formel: Falsche Fragen + falsches Publikum = bestelltes Ergebnis.

 

München, 13. Dezember 2012 - Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Und wenn die Zahlen dann immer noch nicht passen, mach einfach eine neue Statistik.

Die Barmer GEK hat in dieser Woche mit der Aussage verblüfft, in Deutschland sei ein Ärztemangel nicht spürbar und sich dabei auf eine angeblich repräsentative Umfrage berufen, die die Kasse gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben hatte. Wer sich das Zahlenwerk aber genau anschaut, stellt schnell fest, nach welcher Formel hier getrickst wurde:

Falsche Fragen + falsches Publikum = bestelltes Ergebnis

„Gibt es in Ihrer Region einen Ärztemangel?“ Nein, diese einfache Frage haben die „gesund experten“ (sic!, Barmer über Barmer) natürlich nicht gestellt. Stattdessen wurden die Befragten mit einem Monstersatz aus 22 Wörtern konfrontiert – mündlich, am Telefon: „Wie zufrieden sind Sie insgesamt in Ihrer Stadt bzw. in Ihrem Umkreis mit der Anzahl und Erreichbarkeit von Allgemeinmedizinern und Hausärzten allgemein?

Was bleibt hängen? Eben, wie zufrieden sind Sie mit den Allgemeinmedizinern und Hausärzten? Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen: 32 Prozent sind vollkommen zufrieden, 30 Prozent sehr zufrieden und 32 Prozent zufrieden. Die Kassen-Statistiker deuten diese Zahlen in ihrem Sinne natürlich ganz anders. Nämlich, dass kein Ärztemangel spürbar sei.

Trick 17 auch in der Auswahl der Befragten. Die Studie sei repräsentativ, verteidigt sich die Barmer GEK. Fragt sich nur, zu was repräsentativ? Allenfalls zur Gesamtbevölkerung, aber nicht repräsentativ zu denen, die wirklich Auskunft geben könnten, nämlich den Patienten.

Die meisten Menschen in Deutschland sind Gott sei Dank gesund. Klar, dass gesunde Menschen, die keinen Arzt brauchen, auch keinen Ärztemangel spüren.

Ein Flüchtigkeitsfehler? Wohl kaum. Denn das gleiche Duo aus Barmer GEK und Bertelsmann Stiftung hat bereits im April 2012 eine ähnliche Befragung durchgeführt. Dieses Mal schriftlich. Und dieses Mal mit Menschen, die auf den Arzt angewiesen sind, nämlich mit Patienten, die an Multipler Sklerose oder chronisch obstruktiver Bronchitis leiden.

Und siehe da, rund ein Drittel der Befragten spürt bereits den Ärztemangel und gibt zu Protokoll, „weniger zufrieden“ bzw. „unzufrieden“ mit der Anzahl und Erreichbarkeit von Fachärzten zu sein.

Warum hat die Barmer GEK eigentlich diese Zahlen nicht offensiv kommuniziert? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Dass die Lücken in der medizinischen Versorgung in Zukunft noch größer werden, wissen alle Beteiligten, allen voran Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, der unlängst eingeräumt hat, dass der drohende Ärztemangel lange von der Regierung geleugnet worden ist. Umso verwunderlicher ist es, dass eine gesetzliche Krankenkasse Zeit und Geld missbraucht, um Stimmung gegen Ärzte zu machen statt daran mitzuarbeiten, die medizinische Versorgung nachhaltig zu sichern – was auch im Interesse der Versicherten der Barmer GEK wäre.
 
So viel Themaverfehlung gibt es selten. Deshalb bekommt die Barmer GEK auch die Gesundheits-Zitrone des Monats Dezember.

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Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht nur schwer durchschaubar und ineffizient, sondern zunehmend auch ungerecht und inhuman. Mit der „Gesundheits-Zitrone des Monats“ wird der Bayerische Hausärzteverband von jetzt an die schlimmsten Auswüchse öffentlich machen.

Ansprechpartner Presse:
Torsten Fricke, Mobil 0171/41 58 329
Heike Blümmel,Tel. 089/127 39 27 12

Die "Dezember-Zitrone" als PDF