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30. Bayerischer Hausärztetag: „Die Politik muss endlich handeln“

München, 15. Mai 2023 – Gerechte Honorare, eine Stärkung der Teampraxis, die Weiterentwicklung der Hausarztzentrierten Versorgung und eine sinnvolle Digitalisierung, die die Praxen entlastet – das sind die zentralen Forderungen, die die Delegierten des Bayerischen Hausärzteverbandes in ihrem Leitantrag auf dem 30. Bayerischen Hausärztetag am Freitag und Samstag in München einstimmig verabschiedet haben. Außerdem erneuerten Bayerns Hausärztinnen und Hausärzte die Forderung, dass endlich auch in Regensburg – als letzte Universität in Bayern – ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin eingerichtet wird, um Medizinstudierende mit diesem wichtigen Fachgebiet in Kontakt zu bringen. Wiederholt wurde zudem die eindringliche Mahnung an die Politik, den Missbrauch der Medizinischen Versorgungszentren durch Kapitalunternehmen endlich zu stoppen.

Mit Blick auf den demographischen Wandel, also einer immer älter (und kränker) werdenden Bevölkerung und einem zunehmenden Nachwuchsmangel bei Hausärztinnen und Hausärzten sowie Medizinischen Fachangestellten, warnte Dr. Wolfgang Ritter, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, die Politik vor populistischen Schnellschüssen. „Mit der Teampraxis haben wir Hausärztinnen und Hausärzte ein fundiertes Konzept, wie wir die Versorgung in Stadt und Land nachhaltig sicherstellen. Wir setzen dabei auf Teamarbeit und Delegation. Die Politik ist gut beraten, uns dabei zu unterstützen.“ Kontraproduktiv seien dagegen Überlegungen in der Politik, weitere Versorgungsebenen zu schaffen, da diese am Ende die Versorgung deutlich teurer machen würden und aufgrund des Fachkräftemangels sowieso nicht umsetzbar seien. „Eine Substitution ärztlicher Leistungen lehnen wir entschieden ab, diese wird auf den schärfsten Widerstand der Hausärztinnen und Hausärzte stoßen“, warnt Dr. Ritter und appelliert an die Verantwortlichen, stattdessen das Gespräch mit den Hausärztinnen und Hausärzten zu suchen und auf deren Expertise zu hören.

Konkret fordern die Hausärztinnen und Hausärzte „einen vollumfänglichen Inflationsausgleich, und zwar durch eine Erhöhung von Vorhaltepauschalen, Ordinationsgebühren und Chroniker-Zuschlägen in EBM und HZV sowie eine Erhöhung der Vergütung der Hausbesuchsleistungen“. Um das Konzept der Teampraxis zu stärken, sollen Delegationsleitungen, insbesondere die Integration akademisierter Gesundheitsberufe in die hausärztliche Versorgung, ausgebaut, gefördert und finanziert werden. Als zweites Standbein neben der Regelversorgung muss zudem die Hausarztzentrierte Versorgung weiterentwickelt und mit einem Bonussystem für Versicherte noch attraktiver gestaltet werden. „Dies wäre ein starkes und wichtiges Signal an den Nachwuchs, sich niederzulassen. Wie wichtig die Freiberuflichkeit für das Gesundheitssystem ist, haben wir Hausärztinnen und Hausärzte in der Pandemie bewiesen. 19 von 20 Corona-Patienten wurden ambulant behandelt. Der ambulante Sektor war damit ein effektiver Schutzwall, um eine Überbelastung der Inten-sivstationen zu verhindern“, erklärt Dr. Ritter.

Ein Dauerärgernis – und damit Thema auch auf dem Bayerischen Hausärztetag – ist die fehlerhafte Digitalisierung im Gesundheitsbereich. Dr. Ritter: „Wir Hausärztinnen und Hausärzte sind grundsätzlich für die Digitalisierung – allerdings nur unter zwei Voraussetzungen. Erstens erwarten wir, dass digitale Anwendungen vor dem Einsatz in unseren Praxen ausreichend getestet wurden und fehlerfrei laufen. Und zweitens müssen digitale Anwendungen immer zu einer Entlastung der Praxen führen. Digitale Anwendungen, die zusätzlichen Aufwand für die Praxen bedeuten, lehnen wir entschieden ab.“

Ebenfalls ein Dauerthema ist der zunehmende Missbrauch von Medizinischen Versorgungszentren durch Kapitalgesellschaften, die den deutschen Gesundheitsmarkt als Renditechance entdeckt haben. Dr. Ritter: „Gesundheit ist keine Ware. An jedem Tag, an dem die Politik nicht gegen die Gier der Kapitalgesellschaften einschreitet, wird der Schaden für unser Gesundheitssystem noch größer. Wir fordern deshalb die Politik eindringlich auf, diese Gesetzeslücke umgehend zu schließen. Die Politik muss endlich handeln.“

Eine Zusammenstellung der wichtigsten Beschlüsse der Delegiertenversammlungen finden Sie hier.

Ein Interview mit Dr. Wolfgang Ritter zum Abschluss des 30. Bayerischen Hausärztetages sehen Sie hier.

Für Rückfragen: Ruth Sharp, +49 89 127 39 27 61; Torsten Fricke, Mobil +49 171 41 58 329

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Dr. Wolfgang Ritter

Dr. Wolfgang Ritter

Landesvorsitzender
Dr. Petra Reis Berkowicz

Dr. Petra Reis Berkowicz

1. stellv. Vorsitzende
Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Beate Reinhardt

Dr. Beate Reinhardt

2. stellv. Vorsitzende
Maria Stich

Maria Stich

Schatzmeisterin
Dr. Stefan Semmler

Dr. Stefan Semmler

Schriftführer
Dr. Josef Pömsl

Dr. Josef Pömsl

Fortbildungsbeauftragter
 

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